Verwirrspiel um Nutzung

In dieses schmucke Einfamilienhaus am südwestlichen Stadtrand von Nabburg soll eine Sozialeinrichtung für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge kommen. Es gab es Widerspruch aus der gutbürgerlichen Nachbarschaft. Lässt der Investor das Projekt fallen? Bild: Dobler
Lokales
Nabburg
11.08.2015
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Einige Nachbarn waren sehr beunruhigt: "Wenn in das Haus zwei Familien einziehen würden, die vor dem Krieg geflohen sind, das hätte uns gar nichts ausgemacht. Aber bitte nicht zehn junge, unbegleitete Flüchtlinge direkt nebenan." Vielleicht aber war die ganze Aufregung auch umsonst.

Als in der kleinen, gutbürgerlichen Siedlung am Rand der Stadt bekannt wurde, dass ein älteres Ehepaar sein zu groß gewordenes Haus verkaufen will, hätte das an sich noch kein Aufsehen erregen müssen. So etwas passiert nahezu täglich.

Dass das Gebäude und das dazugehörige Gartengrundstück in den Besitz der "Keto SAD-Oberpfalz GmbH" übergehen soll, die es für Flüchtlinge nutzen will, gefiel aber nicht jedem aus der Nachbarschaft.

Dabei gab es Anfang Juni extra eine Versammlung für die etwas mehr als ein Dutzend Anwohner, bei der genau erläutert wurde, was geplant war: Nämlich ein betreutes Heim für zehn oder mehr junge Leute, auf die die Bezeichnung "unbegleitete minderjährige Flüchtlinge" zutrifft. Auskunft gab dabei unter anderem Heilerziehungspfleger Toni Kellermann aus Luhe-Wildenau (Landkreis Neustadt/WN), der Erfahrung mit solchen Objekten und ihrer Führung besitzt und dem die "Keto SAD-Oberpfalz GmbH" gehört.

Angeblich seien alle Zuhörer von dem Konzept recht angetan gewesen, hieß es danach. Bis auf einen, der nicht dabei war. Dieser Mann, ein 64-Jähriger, der zwei Häuser weiter wohnt, erhob brieflich schwerste Bedenken. Unter anderem schrieb er an Bürgermeister und Stadtrat, aber auch an die Regierung der Oberpfalz, dass so eine Sozialeinrichtung, wie sie "Keto" plane, nicht in die Gegend passe. "Die Bewohner der Straße - eine kleine Nachbarschaftsgemeinschaft mit sechs Häusern - haben ein Durchschnittsalter von 60 Jahren und wären mit der Situation überfordert", heißt es in dem Schreiben. Man mache sich auch Sorgen um den sinkenden Wert der Häuser, und am Ende verweist der Schreiber auf einen Artikel über schlechte Erfahrungen, die Hamburg mit unbegleiteten jungen Flüchtlingen gesammelt habe. Im Gespräch mit der NT-Redaktion versicherte der Beschwerdeführer, die Bewohner von vier der sechs Häuser der Straße seien mit ihm solidarisch.

Möglicherweise löst sich die Affaire auch in Luft auf. Der 75-jährige Besitzer des Hauses, das als Sozialeinrichtung vorgesehen ist, versicherte, dass die "Keto" das Anwesen gar nicht mehr kaufen wolle. Er selbst sei bereits in Verhandlung mit anderen Interessenten, die das Haus privat nutzen möchten.

Dem wiederum widersprach Toni Kellermann, der betonte, für ihn sei das Objekt "grundsätzlich noch interessant". Er halte an der Idee, dort unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterzubringen, weiter fest.
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