Vom Bürokaufmann zum Musik-Kabarettisten: Viel Applaus für "Vogelmayer" im "Theatro"
Deftige Drei-Achtel-Witze

Einfache Musik, geradlinige Texte: In seinem Programm "Spiegelbilder" zeigt der "Vogelmayer", was seiner Meinung nach schief läuft. Bild: jua
Lokales
Nabburg
24.03.2015
2
0
Starke Sprüche passen in die Starkbierzeit. Damit allein gibt sich der "Vogelmayer" nicht zufrieden. Er unterlegt sie mit schwarzem Humor und begibt sich dabei auf so manche Gratwanderung, immer begleitet von Absturzgefahr. Doch er hält die Balance, bekommt die Kurve und zeigt, worum es ihm einzig und allein geht.

Im "Theatro" rechnet er zunächst schonungslos ab. Vor allem "die Politiker" nimmt er sich vor. Im Grunde genommen könne man sie ja alle wählen, außer die von der NPD, der einzigen Partei "von Blöden für Blöde". Die FDP hebt er hervor, denn sie genieße bei ihm ähnlich viel Sympathie wie das Bier - sie bleibe konstant bei um die fünf Prozent und belustige die Menschheit. Gern macht er sich über Politiker lustig, sagt da auch ganz offen, dass ihm der Seehofer noch lieber ist als der Obama.

Der "Vogelmayer" ist eben da "dahoam", "wo es bloß eine Partei gibt, wo die Nationalmannschaft in einem Verein spielt und wo der Steckerlfisch im Weiher schwimmt": Der Niederbayer liebt seine Heimat und möchte sie und ihre Menschen vor Unbill bewahren. Da scheut er sich auch nicht, unkonventionelle Ratschläge zu geben. Zum Beispiel vor der Pause: Wer noch nicht raucht, solle ruhig anfangen - denn amerikanische Wissenschaftler hätten ja herausgefunden: Wer 90 Jahre lang raucht, lebt lange. Im richtigen Leben Bürokaufmann im Gasvertrieb, bringt der bürgerlich Thomas Mayer heißende Straubinger viel Energie mit auf die Bühne.

Er begleitet sich rastlos auf der Gitarre und besingt Vorurteile, sagt was sich sonst kaum einer gesellschaftsfähig zu sagen traut. Er erzählt dazu, auch mal derb und deftig, sogenannte Drei-Achtel-Witze und liefert gleich die Definition mit: Wer sie ausspricht, würde in Russland "drei Jahre" bekommen, wer nur zuhört "acht Monate". Mit Selbstironie gibt er aber auch zu: Sollte einer nach diesem Abend mit zu viel Alkohol am Steuer erwischt werden, brauche er nur zu sagen, dass er auf einem Vogelmayer-Konzert war, denn jeder Polizist wisse: "Ohne" hält man das gar nicht aus.

Am Ende gibt sich der bodenständige Weltverbesserer versöhnlich mit allen, die aufwachen, seinem Appell folgen und Verantwortung für Alte, Kranke und Kinder gleichermaßen übernehmen wollen: "Dieses Land gehört uns, bringt's euch endlich ein!" Denn: "Das Leben is so schee, wir san alle gern da, des muass so weiter geh, noch viele viele Joar". Wer will da widersprechen? Zustimmung, Zugaben: Mit Applaus im Gepäck fährt er dorthin zurück, wo er "dahoam is".
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.