Von Liebe und Hoffnung

Das Oberstufen-Theater des Gymnasiums verdiente sich mit dem Bühnenklassiker ehrlichen Applaus. Bild: tie
Lokales
Nabburg
27.03.2015
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Mit den "Geschichten aus dem Wienerwald" führte das Oberstufen-Theater des Gymnasiums einen Bühnenklassiker auf. Das bedeutete eine Herausforderung für die jungen Akteure.

Im Hintergrund erklang der Walzer "Geschichten aus dem Wiener Wald" von Johann Strauß jr., die meisten Plätze in der kleinen Turnhalle nahmen die vielen Besucher ein, die alle auf die Bühne vorne blickten. Die Wände waren mit Begriffen geschmückt, die das spätere Geschehen kennzeichneten. Glaube, Liebe, Hoffnung waren dabei noch die positivsten. Schulleiter Franz-Xaver Huber begrüßte die Anwesenden und bat sie, für einen Moment des Gedenkens an die Opfer der Flugkatastrophe aufzustehen. Dann begann der Theaterabend und es wurde schnell klar, dass sich das Oberstufen-Theater des Gymnasiums einer großen Herausforderung gestellt hat.

Ödön von Horváths Volksstück mit dem gleichen Titel wie der Strauß- Walzer arbeitet sein differenziertes Thema sehr eigenwillig ab. Die Frage ist, ob ein Schultheater Spießbürgertum und Pseudobildung nachvollziehbar darstellen kann. Studienrätin Julia Meidinger wählte einen gangbaren Weg. Die Paare Marianne und Oskar (Lena Wiederer und Maximilian Scheidler) sowie Valerie und Alfred (Tina Lang und Michael Kumeth) stellten ihre Schwierigkeiten miteinander glaubhaft dar. Ein Erzähler (Philipp Seufert) lieferte die notwendigen Überleitungen von Szene zu Szene, denn das Stück wurde selbstverständlich inhaltlich für den Gebrauch an der Schule gestrafft. Auch der Umgang mit der Sprache war dem junger Menschen angeglichen.

Weitere Rollenträger hatten jeweils ihre Aufgaben zu erfüllen. Und doch waren sie letztlich nur Staffage um die zwei Paare herum, die in ihrem Spiel nachwiesen, wie Partnerschaft im wirklichen Leben ablaufen kann, wenn die Vorstellungen von Liebe so grundverschieden sind wie bei den vier Protagonisten. Die wichtigste Frage ist, wer mit wem und aus welchen Motiven heraus beisammen ist. Und diese Motive prangert Horváth oft als klischeehaft und abstrus an, was die Darsteller überzeugend vermittelten.

Das beginnt schon damit, dass ein Spielwarenhändler, der sich treffend "Zauberkönig" nennt, seine Tochter Marianne zur Ehe mit dem benachbarten Fleischer Oskar drängt. Diese zieht es gefühlsmäßig mehr zu Alfred, einem Hallodri, der inzwischen so lange mit seiner Freundin Valerie beisammen ist, dass er gerne eine Affäre mit Marianne beginnt. Verwicklungen also, die sich immer wieder abspielen können. Bei Horváths zeitkritischem Stück bekam Oskar allerdings mit seiner Anfangsprophezeiung gegenüber Marianne "Du entgehst mir nicht" am Ende sogar Recht.

Der Titel "Geschichten aus dem Wiener Wald" erinnert an heitere Musik. Da war es ein besonders boshafter Regieeinfall, dass zu Beginn von jeder eher tragisch geprägten Szene Takte des Walzers erklangen. Das gezeigte Engagement mündete in ehrlichen Beifall des Publikums. Damit unterschied sich diese Aufführung sehr von den Skandalen, welche die Uraufführung in Berlin 1931 und Wien 1948 hervorriefen.
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