Wächterfunktion im Sozialstaat

Lokales
Nabburg
19.11.2015
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Die Lebenserwartung der Bevölkerung steigt kontinuierlich, und in gleichem Maße wird die Pflegebedürftigkeit zunehmen. Diesen Tatsachen will der VdK-Sozialverband begegnen. Er bot in der kleinen Nordgauhalle eine Informationsveranstaltung zum Thema "Hilfen und Hilfsmittel im Alter und bei Behinderung" an.

Dass man mit diesem Projekt auf reges Interesse stieß, bewies schon der Zuspruch von Seiten der Bevölkerung: Die Stuhlreihen waren bestens gefüllt. Das freute natürlich Engelbert Ehbauer, den überaus engagierten Initiator, Motor und VdK-Ortsvorsitzenden, der unter den vielen Gästen auch Bürgermeister Armin Schärtl begrüßen konnte.

Alfred Kerschner, der stellvertretende VdK-Kreisvorsitzende, blickte eingangs auf die Entwicklung des VdK, der sich von der Interessenvertretung für Kriegsbetroffene zum Sozialverband mit 1,7 Millionen Mitgliedern in Deutschland entwickelt hatte: "Über 15 Prozent aller Bayern sind beim VdK, davon über 10 700 Mitglieder im Kreisverband Schwandorf und 443 im Ortsverband Nabburg - an uns kommt kaum einer vorbei!"

Pflegebedarf wächst

Der VdK beinhalte auch einen wichtigen gesellschaftlichen Aspekt mit vielen Freizeitaktivitäten, wie sie der Nabburger Ortsverband beispielhaft leiste (Mehrtagesfahrten, Ausflüge, gesellige Veranstaltungen, Wanderungen, Nordic Walking) Der VdK biete Beratung und Unterstützung durch Experten auf vielen Gebieten; allein im Schwandorfer Kreisverband würden alljährlich gut 1400 Anträge formuliert und weitergeleitet. Grundsätzlich gelte: "Der Sozialstaat steht auf dem Prüfstand - wir bleiben wachsam!"

Bürgermeister Armin Schärtl freute sich über "ein Novum an einem Sonntagnachmittag". Das sei "einmal etwas ganz anderes", meinte er und gab sich überzeugt: "Wenn es den VdK nicht gäbe, man müsste ihn in Zeiten der Entsozialisierung und Entsolidarisierung erfinden!"

Gottfried Berger, Geschäftsstellenleiter bei der AOK Oberviechtach, zeigte in einem Referat auf, welche Bedeutung der sozialen Pflegeversicherung als fünfte Pflichtversicherung erwachse: "Die Zahl der Pflegebedürftigen wird sich bis zum Jahr 2050 verdoppeln." Drei Prozent der Bevölkerung seien derzeit pflegebedürftig, die meisten davon über 85 Jahr alt und davon mehr als zwei Drittel Frauen. Der Referent informierte ausführlich über die verschiedenen Pflegestufen und damit verbundene Sach- wie Geldleistungen, die Arten und Besonderheiten der Pflege (von häuslicher bis stationärer Pflege) sowie deren Finanzierung.

"Neues aus erster Hand" bot Alfred Braun, Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuz und Direktor des neuen Gesundheits- und Betreuungszentrums Nabburg des BRK, den interessierten Zuhörern. Mit dem BRK, der Arche Noah, der ambulanten Haus-Krankenpflege und dem Rettungsdienst sei Nabburg ein bedeutender BRK-Standort, dem seit 1. Oktober mit der Übernahme und dem Besitz des ehemaligen Krankenhauses eine neue Dimension zukomme.

Großküche im Gespräch

Der Stadt Nabburg und seinem Bürgermeister gebühre Dank für die Unterstützung, lobte Alfred Braun und gab zu bedenken: "In den letzten beiden Jahren wurde hier nichts, aber auch gar nichts gemacht!" Jetzt gelte es, sich der Aufgabe, das Haus zu erhalten, zu festigen und auszuweiten, zu stellen. Alle Mietverhältnisse seien übernommen worden, und für das "Haus St. Johannes" im neuen "Gesundheits- und Betreuungszentrum des Roten Kreuz" trete ein neuer Versorgungsvertrag in Kraft. Zukünftig sei es auch eine offene stationäre Altenpflegeeinrichtung mit insgesamt 41 Plätzen. "Der Bedarf ist da!" So würden neue Vorhaben an diesen veränderten Bedarf angepasst, wie etwa die anstehende Verlagerung der noch in der Arche Noah beheimateten Sozialstation in das Gesundheitszentrum. Als ganz neue Idee stellte Braun die eventuelle Einrichtung einer zentralen Großküche für den gesamten Landkreis im Nabburger Gesundheits- und Betreuungszentrum in den Raum.

Abschließend präsentierte ein Sanitätshaus in einer Ausstellung und mit konkreter Anleitung moderne Hilfsmittel bei Pflegebedürftigkeit wie Pflegebetten, Rollstühle, Elektromobile oder Gehhilfen - praktische Abrundung einer hochinteressanten Informationsveranstaltung, die von den engagierten Mitgliedern des VdK-Ortsverbandes betreut und mit einem eigenen Stand ergänzt wurde.
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