Was zu einem Kräuterbüschel gehört und was es bewirken soll: Expertinnen informieren die ...
Brauchtumspflege mit magischer Note

Theresia Herdegen (links) und Gabi Bretsch (rechts daneben) zeigten den Besuchern im Denkenbauernhof des Freilandmuseums, wie das Kräuterbüschelbinden gelingen kann. Bild: miw
Lokales
Nabburg
17.08.2015
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Seit Jahrhunderten ist es Brauch an Mariä Himmelfahrt, bunte, duftende Kräuterbuschen zu binden und sie anschließend in der Kirche weihen zu lassen. Wer schon immer mal wissen wollte, was es mit diesem Brauch auf sich hat, welche und wie viele Kräuter in so ein Sträußchen gehören, der war am Samstag im Oberpfälzer Freilandmuseum goldrichtig.

In mehreren Vorträgen brachte Ulrike Gschwendtner, zertifizierte Kräuterführerin aus Weiden, den Besuchern die Tradition des Kräuterbüschelbindens näher. Historische Quellen deuten darauf hin, dass der Brauch bis ins sechste Jahrhundert zurück reicht. Weil es die Kirche nicht schaffte, die heidnische Tradition zu verbieten, erfolgte im neunten Jahrhundert schließlich die Umwidmung auf Maria. Seither werden die Kräuter in die Kirche getragen und dort gesegnet. In früheren Zeiten geschah dies, indem man die Kräuter mit Wasser aus heiligen Quellen benetzte, sie über Jahreskreisfeuern schwenkte oder sie beim Sammeln hoch in die Luft hielt und den vier Himmelsrichtungen weihte.

Danach wurden die fertigen Buschen getrocknet und am Dachboden und im Haus aufgehängt, wo sie gegen Gewitter, Feuer, Hagel und Sturm helfen sollten. Bei Unwetter wurde ein kleiner Zweig abgebrochen und ins Herdfeuer geworfen, Kranken wurde Tee aus den heiligen Pflanzen gekocht, und auch gegen Verzauberung, Ehestreit und Kinderlosigkeit sollten die Kräuter dienen. Was im Winter noch übrig war, wurde in den Raunächten verräuchert.

Auch heute noch hat das Kräuterbinden etwas Magisches. Art und Anzahl der Kräuter variieren dabei von Region zu Region - oft jedoch hat die Anzahl der Kräuter etwas mit den Zahlen drei, sieben, neun oder zwölf zu tun. Die Drei galt bereits in vorchristlicher Zeit als heilige Zahl, später dann als Symbol für die Dreifaltigkeit. Auch die Sieben findet sich immer wieder in alten Märchen und in der Bibel wieder, die Neun als ein Vielfaches von Drei galt als besonders wirksam, die Zwölf steht für die zwölf Apostel, die Vierzehn für die Anzahl der Nothelfer - die größten Kräuterbüschel bestehen aus 33 bis hin zu 99 verschiedenen Kräutern und müssen für den Transport in die Kirche an Stecken befestigt werden.

Auch die Art der Kräuter ist von Region zu Region unterschiedlich, einige Pflanzen tauchen jedoch immer wieder auf - Beifuß zum Beispiel. Früher eine wichtige Heil- und Räucherpflanze wirkt sie auch heute noch, in die Schuhe gelegt, gut gegen müde Füße. Bekannt ist sie aber mittlerweile hauptsächlich als Gewürz für fettes, schwer verdauliches Geflügel. Auch der Schafgarbe wurde nachgesagt, gut gegen böse Geister zu helfen und darüber hinaus Mut zu verleihen. Ein Tee aus den filigranen Blättern wirkt darüber hinaus entkrampfend auf Magen und Darm. Bis heute bekannte Heilkräuter, die sich auch in vielen Kräutersträußen finden sind Pfefferminze, Baldrian und Arnika. Letzter wird heutzutage jedoch nur noch äußerlich angewandt. Eine seit Urzeiten als antidämonisch wirkende Pflanze, die auch häufig in den Kräuterbüscheln zu finden ist, ist der pflegeleichte, stark blühende und herrlich duftende Dost - auch als wilder Majoran bekannt.

In der guten Stube des Denkenbauernhofs konnten die Besucher zusammen mit Ulrike Gschwendtner, Gabi Bretsch und Theresia Herdegen ihr neu erworbenes Wissen gleich in die Tat umsetzen und sich ihr ganz persönliches Kräuterbüschel zusammenstellen. Außerdem hatten die Kräuterexpertinnen verschiedenste Kräutersalze und leckere Kräuterzucker, mineralstoffreiche Brennnesselsamen, exotische Essigvariationen und bunte Sirups zum Probieren und Mitnehmen dabei.
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