Wem gehört die Zeit?

Momo schafft es, die Zeit anzuhalten und den Grauen Herren ihr Geschäft zu verderben. Die Schauspieler des Gymnasiums brachten in diesem Jahr Szenen aus dem Roman von Michael Ende auf die Bühne. Bilder: Baehnisch (2)
Lokales
Nabburg
21.06.2015
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Ein berühmter Roman - wie kann man den Inhalt einigermaßen gleichwertig auf die Bühne bringen? Das war die Grundfrage, der sich die Darsteller der Szenenfolge nach Motiven des Romans "Momo" von Michael Ende ausgesetzt sahen. Sie bewältigten die Aufgabe mit Bravour.

Die Turnhalle war gut mit Publikum gefüllt, als das Theaterstück begann. Die Handlung beschäftigt sich mit dem Phänomen der Zeit. Jeder Mensch weiß, dass die Uhr unbestechlich ist, die Verinnerlichung einer Zeitspanne aber individuell völlig unterschiedlich sein kann.

Das kleine Mädchen Momo (Verena Wagner, 8a, in einer überzeugenden Rolle) kommt vielen Bewohnern der Stadt eigenartig vor. Sie kann aber zuhören, wenn jemand seine Probleme schildert, deshalb erwirbt sie sich eine freundliche Reputation. Als Maurer Nicola (Hanna Vogel, 7b) und Wirt Nino (Andreas Schießl, 9b) streiten, beschwichtigt sie beide, und etliche, zur Bühnenmusik Tanzende werfen ein Kissen auf einer Decke immer wieder in die Luft, bis sie merken, dass sich durch diese symbolische Handlung nichts bessert, und sie sich alle um Momo herum auf den Boden setzen. Auch Straßenkehrer Beppo (ebenfalls Andreas Schießl) sucht bei Momo Rat. Eine insgesamt beruhigte Situation voller Friede.

Zeit als Zinsen

Doch damit ist schnell Schluss, als die sechs Grauen Herren auftreten. Gleich gekleidet sind Hannah Lobinger (8b), Luisa Siegert (9a), Lucia Haas (9a), Nele Wild (8b), Aishworya Thapa (10a) und Milena Sporrer (8a), die mit ihrem gekonnten Ensemblespiel beeindrucken. In dunklen Gewändern, mit der Andeutung einer Zigarre in der Hand und mit dauerndem Beschwatzen versuchen sie, die Menschen zum Zeitsparen zu überreden. So wirken sie auf den Frisör Fusi (Milena Sporrer, 8a) ein, er solle seine Sekunden besser nutzen, indem er schneller arbeitet, die Mutter ins Altersheim steckt, den Wellensittich abschafft. Dann könne er Zeit als Zinsen gewinnen bei der "Time Investment Bank". Und schon kommen die Damen, und er frisiert sie schnell.

Dass man als Mensch dabei zur seelenlosen Puppe wird, zeigt der Umgang der Grauen Herren mit "Bibigirl" (Lisa Sebald, 7b), die immer das gleiche sagt und nichts mehr versteht. Nur Momo erkennt, welche Gefahr von den Grauen Herren ausgeht. Zusammen mit Schildkröte Kassiopeia (Jana Fischer, 7b) entfernt sie sich und landet im Haus der Stunden von Meister Hora (Natalie Fischer, 10a, auch als Erzählerin tätig). Momo schafft es, in einer sehr einfallsreichen Szene die immer schneller rennenden Mädchen mitsamt ihren Einkaufstüten zu bremsen. Zusammen mit Meister Hora hält sie außerdem die Zeit an und verdirbt den Grauen Herren damit ihr Geschäft. Wenn es denn so einfach wäre! Bei einem so zeitlosen Thema wie "Widerstand gegen Raffgier" ist die Aussage besonders wichtig. Das trifft auf den Roman zweifellos zu.

Es war aber auch richtig schön zu beobachten, mit welchem bewundernswerten Einsatz sich die Darsteller und Statisten ihren Rollen widmeten und sie mit Leben erfüllten. Dass sie in Bewegung blieben und ihre Texte überzeugend wiedergaben, dafür sorgte die bewährte und gelungene Regiearbeit von Maria Schenkl.

Aber auch die beiden Maskenbildnerinnen Theresa Gebhardt und Luisa Weidner (beide 8a), sowie die Zuständigen für Licht und Ton, Thomas Lautenschlager und Jakob Schlagenhaufer (beide 10c), sollen nicht unerwähnt bleiben. Theater am Schmeller-Gymnasium spielt eine wichtige Rolle, das hat sich wieder einmal gezeigt.
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