Hürde vor dem Handelszentrum

Dr. Angelus Bernreuther (Bild), Leiter der Standortforschung bei der BBE-Handelsberatung in München, wertet das geplante Baugelände für das Handelszentrum als "nicht integriert". Bild: Götz
Politik
Nabburg
12.10.2016
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Vor dem Bau des per Bürgerentscheid beschlossenen Handelszentrums steht ein Hindernis: Der Standort entspricht nicht den Zielen des Landesentwicklungsprogramms (LEP). Warum, erfuhren die Stadträte von einem Gutachter, den sie beauftragt hatten.

Dr. Angelus Bernreuther von der BBE-Handelsberatung (München) kam am Dienstag zur Sitzung ins Rathaus. Er hatte 2012 das Einzelhandel-Entwicklungskonzept verfasst und sollte es nun vor aktuellen Hintergründen fortschreiben. "Was kann die Stadt an Einzelhandel vertragen und wo soll es hin?", formulierte er die Fragestellung, vor der er angesichts näher rückender Umgehungsstraße und des im Bürgerentscheid geforderten Handelszentrums nahe der A 93 stand. Das seien für Nabburg und sein Einzugsgebiet mit etwa 17 000 Einwohnern die Stellschrauben für die nächsten 15 Jahre, wenn nicht gar länger. Es gelte dabei immer zu bedenken: Die Leute werden weniger und älter.

Keine "integrierte Lage"


Derzeit gebe es im Stadtgebiet Verkaufsflächen auf zusammen 8800 Quadratmeter. Gut abgedeckt sei der Lebensmittel-, weniger der Textil- und Schuhsektor. Das Handelszentrum sehe weitere 4400 Quadratmeter vor, gedacht für einen Lebensmittel-Vollsortimenter, einen -Discounter sowie einen Schuh- und Textilfachmarkt. Wie könne es unter Beachtung des Landesentwicklungsprogramms in die bestehende Struktur einbezogen werden? Baurechtlich benötige man dazu ein "Sondergebiet großflächiger Einzelhandel", wie es schon ab 800 Quadratmeter vorgeschrieben ist. Das LEP gebe drei Leitlinien vor: So ein Projekt sei nur in zentralen Orten genehmigungsfähig, diese Prämisse erfülle Nabburg. Es müsse eine "integrierte Lage" aufweisen, also zwingend für die Nahversorgung im fußläufig erreichbaren Einzugsbereich liegen. Das gehe in Nabburg nicht, im Umfeld von 500 Metern würden gerade mal 44 Personen wohnen. Und mit der Erfüllung eines Systems für sogenannte Abschöpfungsquoten werde es auch schwierig. "Sie kriegen das Sondergebiet schon nicht, wenn sie nur eine dieser drei Hürden reißen", gab Dr. Bernreuther zu verstehen. Nabburg widerspreche gar zwei vehementen Zielen der Raumordnung im LEP.

Der Gutachter ließ wissen, dass es Ausnahmen nur geben könne, wenn sich das Vorhaben aufgrund der städtischen Topographie nirgendwo anders verwirklichen ließe. In Nabburg gebe es da aber - in der Größenordnung teilweise mit Abstrichen, aber immerhin - drei Potenzial-Standorte: am Rankenweg, zwischen Ramgraben und Austraße oder nun auch in der Nähe des einstigen Diska-Marktes. Der Experte für Standortforschung fasste zusammen: Der Standort für das Handelszentrum "ist nicht integriert und nicht mit dem LEP kompatibel." Am Ende seines 20-minütigen Vortrags, dem sich eine lange Diskussion anschloss (Artikel folgen), unterstrich er, dass bei der Realisierung solcher Sondergebiete der innerstädtische Bereich mit Versorgungsbeziehungen Vorrang habe.
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Stefan Kreuzeck aus Pfreimd | 14.10.2016 | 13:53  
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