Neues Stadtoberhaupt für Nabburg
Bürgermeister vergessen

Mittlerweile erhielt Georg Neckermann (Mitte) seinen gebührenden Platz in der Bürgermeistergalerie zwischen Jakob Hörl (links) und Josef Sindersberger (rechts). Bild: Held
Politik
Nabburg
13.08.2015
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(sef/ihl) Nabburg hat einen neuen Bürgermeister. Keine Panik, Armin Schärtl hat weder überraschend den Dienst quittiert, noch die Zahl seiner Stellvertreter vergrößert. Der Neue ist Heimatforscher Josef Eimer zu verdanken.

Im Frühjahr, so Bürgermeister Armin Schärtl auf NT-Nachfrage, wurde die "Ahnengalerie" vor seinem Amtszimmer um Georg Neckermann (1832 bis 1901) erweitert. Der Färbermeister war vom 12. Dezember 1890 bis 5. Januar 1891 Bürgermeister. "Das hat Josef Eimer in Erfahrung gebracht", sagt Schärtl. Die Reihe der Bürgermeisterporträts beginnt mit Jakob Hörl. Ihm folgte bis zum Frühjahr 2015 Josef Sindersberger. Doch nun hat sich Georg Neckermann, der "vergessene Bürgermeister", aufgrund der Forschungen Josef Eimers dazwischen geschoben. Folgendes hat sich 1890/91 zugetragen: Am 15. Oktober 1890 meldete Magdalena Hörl Stadtschreiber Josef Schmuck den Tod ihres Ehemannes Jakob. Der Bürgermeister starb im Alter von 73 Jahren. Er wurde 1868 zum Stadtoberhaupt gewählt.

Ergänzungswahl

Weil Jakob Hörl mitten in der Amtsperiode gestorben war, musste eine baldige "Ergänzungswahl" vorgenommen werden. Das aktive und passive Wahlrecht besaßen volljährige bayerische Männer im Mindestalter von 25 Jahren, die das Bürgerrecht besaßen, fünf Jahre in der Gemeinde wohnten und Steuern zahlten. Das Frauenwahlrecht wurde erst 1918 eingeführt. Nur wer in einer öffentlich ausgelegten Liste stand, durfte wählen oder gewählt werden. Vom passiven Wahlrecht waren Beamte, Geistliche, Lehrer, Bedienstete der Gemeinde und Kirche, Militär und Notare ausgeschlossen.

Bei gleicher Stimmenzahl entschied das Alter

Zuerst wurden die Gemeindebevollmächtigten als Vertreter der Einwohner gewählt. Ihre Zahl sollte das Dreifache der Magistratsräte betragen. Auf die Gemeindebevollmächtigten kam eine wichtige Aufgabe zu, weil sie die Magistratsräte zu küren hatten. Deren Reihenfolge bemaß sich nach der Zahl der erhaltenen Voten. Bei gleicher Stimmenzahl entschied das Alter. Im Anschluss schritten die Gemeindebevollmächtigten zur Wahl des Bürgermeisters, der die absolute Mehrheit benötigte. Das Stadtoberhaupt und die Magistratsräte blieben sechs Jahre im Amt. Gemeinden ohne rechtskundigen Magistratsrat waren verpflichtet, einen Stadt- bzw. Marktschreiber anzustellen. Darüber hinaus konnten sie Boten und Polizeidiener beschäftigen.

Färbermeister Georg Neckermann neues Stadtoberhaupt

Nach dem Tod Hörls wurde ein neues Stadtoberhaupt gesucht. Das 18-köpfige Kollegium der Gemeindebevollmächtigten entschied sich am 12. Dezember 1890 einstimmig für Färbermeister Georg Neckermann aus der Georgenstraße. Überraschend leitete dann Magistratsrat Johann Lobinger am 5. Januar 1891 die Sitzung. Ganz oben auf der Tagesordnung stand "das Ansuchen des neugewählten Bürgermeisters Neckermann um Genehmigung zur Enthebung von dieser Stelle". Als Grund nannte der 58-Jährige "eine nach der Wahl eingetretene Erkrankung". Der Antrag wurde genehmigt. Am 6. März 1891 führte der neue Bürgermeister Josef Sindersberger die Sitzung des Magistrats. Neckermann starb 69-jährig am 12. November 1901 und wurde auf dem Stadtfriedhof beerdigt.
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