Novellierte Gestaltungssatzung für die Altstadt

Die Gestaltungssatzung gilt für alle baulichen Maßnahmen innerhalb des festgesetzten Sanierungsgebietes Oberstadt. Bild: SBS-Planungsgemeinschaft
Politik
Nabburg
11.03.2016
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Über 25 Jahre lang regelte die erste Gestaltungssatzung, was und wie in der Altstadt gebaut werden darf. Auf Veränderungen, die der Lauf der Zeit mit sich brachte, reagierte eine Neufassung. Sie beschloss der Stadtrat nun einstimmig.

Die Altstadtsanierung hat niemand so sehr geprägt wie der Münchner Städteplaner Hartmut Schließer. Von ihm stammte auch die Gestaltungssatzung aus dem Jahr 1990, die nun einer Novellierung bedurfte. Dafür bekam er, der immer noch als städtebaulicher Berater für Nabburg tätig ist, nochmals einen Auftrag. Was dabei herauskam, präsentierte er am Dienstagabend dem Stadtrat in öffentlicher Sitzung.

"Es war sinnvoll, einige Korrekturen zu machen", schickte er voraus. Denn es solle schließlich möglich sein, auch in der Altstadt zeitgemäß zu bauen: "Wir wollen kein Museum, und die Stadt soll sich weiterentwickeln können, denn jede Zeit hinterlässt ihre Spuren." Daraus leitete er seine Vorgehensweise ab: "Wir haben die Satzung geöffnet, um neues Bauen in alter Umgebung möglich zu machen." An dieser Stelle trug er ein Anliegen vor: Die Hauseigentümer sollten sich beraten und über Fördermöglichkeiten informieren lassen. Es sei ihm nämlich schon wichtig, dass in der Altstadt "wieder mehr passiert."

Bindend für Oberstadt


Die Gestaltungssatzung gilt für das förmlich festgesetzte Sanierungsgebiet in der Oberstadt, nicht für die Unterstadt. Für das dortige, mittlerweile hinzu gekommene Sanierungsgebiet solle es eine Orientierung darstellen. Ziel der mit Anhängen und Bildern über 50 Seiten umfassenden Satzung ist es, das städtebauliche und bauliche Erbe der Oberstadt zusammen mit ihrem Umfeld und ihrer unverwechselbaren Eigenart zu schützen und zu pflegen sowie neue Qualitäten auf diesen Sektoren zu fördern und zu entwickeln. Sie soll nicht nur helfen, gestalterische Missgriffe zu verhindern, sondern zu einer positiven Gestaltungspflege beitragen, die dem menschlichen Grundbedürfnis nach Harmonie, Schönheit und Ordnung gerecht wird. Sie will auf Erfahrungen in der Anwendung reagieren, aber auch anstreben, technische Neuerungen, gestalterische Neubewertungen und geänderte Aufgabenfelder - wie zum Beispiel Fragen der Energietechnik - aufzunehmen.

In seinem Vortrag ging Urheber Hartmut Schließer auf viele Satzungsbestandteile ein. Er erklärte, dass zur Illustration bewusst positive Beispiele aus dem Geltungsbereich verwendet wurden. Auf die bildliche Darstellung, wie nicht gebaut werden sollte, verzichtete man.

Keine Photovoltaik


Ein eigenes Kapitel ist baulichen Energie-Themen gewidmet. Energetische Sanierungen sollten in der Regel von innen erfolgen, bei Neubauten ist die Wärmedämmung bereits im Entwurf zu integrieren. Grundsätzlich sind mineralische Produkte den Materialien auf Kunststoffbasis vorzuziehen. Über Solaranlagen sollte im Einzelfall entschieden werden. Sie sind grundsätzlich auf nicht einsehbaren Dach- und Wandflächen anzuordnen. Grundsätzlich nicht zugelassen sind Photovoltaikanlagen. "Denn sie stören das Stadtbild in sehr erheblichem Ausmaß", meinte Schließer.

Kunststoff teilweise geduldet


Hatte die erste Satzung vor 25 Jahren noch für viel Diskussionsstoff unter den Stadträten gesorgt, so gab es nun zur Novellierung nur wenige Wortmeldungen. Altbürgermeister Josef Fischer (ABU) erinnerte daran, dass Kunststoff-Fenster bisher nur in Ausnahmen zulässig waren, und sah nun eine Abweichung. Architekt Hartmut Schließer verdeutlichte, dass jetzt auch Fenster und -türen aus Holz-Alu-Verbundkonstruktionen und Kunststoffen geduldet werden, wobei der Stulp maximal zwölf Zentimeter betragen darf. Eine Abstimmung mit der Stadt ist jedoch nötig. Bei Einzeldenkmalen und ortsbildprägenden Gebäuden darf es solche Lösungen allerdings auch weiterhin nicht geben. Dort muss nach wie vor mit Holz gearbeitet werden.

SPD-Fraktionssprecherin Evi Thanheiser bezeichnete die Vorlage Schließers als gut gelungenen Entwurf. Er eigne sich dazu, die "Erfolgsgeschichte in der Altstadt" fortzuführen.

Es folgten zwei Abstimmungen. Jeweils einstimmig nahm der Stadtrat den Entwurf des Städteplaners Hartmut Schließer an und machte ihn zum Bestandteil des Satzungsbeschlusses.
Wir wollten die Zügel los lassen, ohne an der Qualität etwas zu verschlechtern.Stadtplaner Hartmut Schließer
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