Reaktionen zur US-Wahl nach dem Sieg von Donald Trump
"Er wird mein Land verändern"

Donald Trump wird der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Auf beiden Seiten des Atlantiks sorgte der Sieg des republikanischen Kandidaten für eine Überraschung. Bild: Steinbacher
Politik
Nabburg
09.11.2016
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Nadine Laemmler. Bild: hfz
 
John Zwick. Bild: Völkl

Die Wackersdorferin Nadine Laemmler lebt in den USA, der Amerikaner John Zwick in Nabburg. Auf beiden Seiten des Atlantiks sorgte der Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl für eine Überraschung. In Reaktionen der Enttäuschung und Ernüchterung mischt sich aber auch ein Funke Hoffnung.

Von Benjamin Tietz, Claudia Völkl und Thomas Dobler

Nabburg/Nittenau/Columbia. "Als die ersten Ergebnisse eintrafen, dachte ich 'Das kann doch nicht sein'": Nadine Laemmler aus Wackersdorf-Grafenricht lebt seit Januar 2014 in den Vereinigten Staaten. Am Wahltag arbeitete die 22-Jährige noch bei einer örtlichen Zeitung in Columbia, wo sie an der University of Missouri Journalismus studiert und dem dortigen Schwimmteam angehört. Zu Hause verfolgte sie dann zusammen mit ihrem Freund den weiteren Verlauf des Wahlabends, "bis ich gemerkt habe: Trump gewinnt gerade". Wie sie in einem Telefonat mit dem NT schildert, habe sie den Fernseher abgestellt und sei ins Bett gegangen: "Ich hatte Angst, dass das wirklich passiert".

Wenn die Leistungsschwimmerin in den Vereinigten Staaten wahlberechtigt wäre, hätte sie für die demokratische Kandidatin Hillary Clinton gestimmt. "Man muss nicht viel über Politik wissen, um zu erkennen, dass Trump kein anständiger Mensch ist", sagt die 22-Jährige zum Beispiel in Bezug auf beleidigende Äußerungen des neuen US-Präsidenten verschiedenen Gruppierungen gegenüber. "Ich bin enttäuscht darüber, dass eine Mehrheit wirklich denkt, dass er der bessere Kandidat ist". Ihre Sportmannschaft besteht aus 50 bis 60 Schwimmern und Turmspringern. "Am Anfang habe ich gemeint, dass die meisten ähnlich denken wie ich. Aber es gibt mehr, die Trump wählen, als man meint", schildert sie die Gemütslage jenseits des Atlantiks.

Eine Anekdote vom Wahltag erzählt sie noch: Sie habe einem Freund geschrieben und angeboten, dass er jederzeit nach Deutschland kommen könne. Am nächsten Morgen hatte die 22-Jährige dann eine SMS auf ihrem Handy. Sie lautete: "Booked a flight ("Der Flug ist gebucht"; d. Red).

"Das ist Wahnsinn", so John Zwicks erste Reaktion auf das überraschende Ergebnis. Der 57-Jährige lebt seit vier Jahren in Nabburg. Für ihn stand fest, dass Hillary Clinton die Wahl gewinnt, auch wenn weder Clinton noch Donald Trump "die besten Kandidaten für Amerika waren". Für Clinton sprach ihre politische Erfahrung, sie hätte das Amt vom Know-how her am Laufen halten können. Doch die Amerikaner "mögen sie nicht", die kühle Frau, die ihre politischen Verbindungen auch zu ihrem Vorteil nutzt. 650 000 Dollar für einen Vortrag, E-Mail-Affäre, Stichwort "Bengasi"-Attentat oder wie sie mit den Affären ihres Mannes Bill umging - all das spreche gegen sie.

Keine Erfahrung


Ihr Gegenspieler Donald Trump habe keinerlei politische Erfahrung, dafür extreme Ideen - wie einen Zaun zur mexikanischen Grenze bauen. Trump sei "undiplomatisch und frech". John Zwick versetzt sich in die Rolle derjenigen Landsleute, die Trump ihre Stimme gaben: "Sie meinen, dass sie unter Trump wieder ihren amerikanischen Traum von Familie, Haus und Job leben können". Trump habe populistisch ausgeschlachtet, was die Leute hören wollten. Amerika solle wieder stark gemacht werden, korrupte Politiker keine Chance mehr haben, Steuerschlupflöcher gestopft werden und die USA nicht mehr unentgeltlich Weltpolizei sein: Diese Versprechungen hätten den Nerv der Arbeiterklasse getroffen. Wie geht es jetzt weiter? John Zwick bezieht sich auf Ronald Reagan, einen Schauspieler und einen "super Präsidenten", weil er sich die besten Leute ins Team geholt habe. Diese Verstärkung werde auch Trump brauchen. "Er wird mein Heimatland verändern", ist sich Zwick sicher. "Ob zum Guten oder zum Schlechten, ich weiß es nicht".

Schlechte Perspektiven


Auch in der Stadt Nittenau hat man genau aufgepasst, als die Wahl ausgezählt wurde. Denn die Gemeinde am Regen hat eine Partnerstadt in den USA - Lake Zurich bei Chicago. Der Nittenauer Dr. Gerhard Jutz war erst im August dort, um die Gasteltern seines Sohnes Daniel zu besuchen, der ein Schuljahr an der "Lake Zurich Highschool" verbringen durfte. "Ich habe die Unzufriedenheit und die Perspektivlosigkeit in der Partnerstadt gesehen", erinnert sich Jutz. Die ländliche Gegend dort biete "beruflich schlechte Perspektiven". Bei den Gasteltern seines Sohnes habe er allerdings keine Pro-Trump-Stimmung erlebt: "Die gehören zur oberen Mittelschicht und sind Clinton- Anhänger."

Große Ungewissheit für Unternehmen


35 Unternehmen aus dem Landkreis SAD unterhalten Handelsbeziehungen mit den USA, 18 exportieren regelmäßig in die Staaten, 5 importieren regelmäßig aus den USA, 7 unterhalten Auslandsvertretungen bzw. Niederlassungen, 3 produzieren in den USA. "Das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl überrascht, nicht zuletzt weil sämtliche Analysten und Wahlforscher einen Sieg für Hillary Clinton voraussagten", so der Schwandorfer IHK-Geschäftsführer Manuel Lischka. "Für die regionale Wirtschaft bedeutet dieses Wahlergebnis erst einmal große Ungewissheit. Zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen aus dem Landkreis unterhalten Geschäftsbeziehungen verschiedenster Ausprägung mit den USA. Man kann aber allen Unternehmern nur raten, nicht in Hysterie und Panik zu verfallen. Ähnlich wie Mitte des Jahres, nach der Brexit-Entscheidung Großbritanniens, bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge in den USA entwickeln".

Niemand könne derzeit einschätzen, "ob Donald Trumps Ankündigungen als reine Wahlkampfrhetorik zu werten sind oder ob er die USA wirklich wirtschaftspolitisch isolieren will". Sicher sei wohl, dass diese Wahlentscheidung der Amerikaner dem weiteren Verlauf der TTIP-Verhandlungen nicht zwingend dienlich gewesen sei. "Das Paradoxon daran ist, dass gerade der Freihandel in den letzten Jahrzehnten den Wohlstand in den USA, aber auch in Deutschland sicherte. Für unsere kleinen und mittelständischen Unternehmen wäre TTIP ein wichtiges Marktinstrument. Es bleibt zu hoffen, dass die Rahmenbedingungen der internationalen Zusammenarbeit von der neuen US-Regierung nicht aufs Spiel gesetzt werden".
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