Vor der Abstimmung im Wahllokal
Handelszentrum-Gegner für eine Alternative

Der Pfreimder Altbürgermeister Arnold Kimmerl (ÖDP, rechts) moderierte die Informationsveranstaltung, in der sich die Nabburger Fraktionssprecher (von links) Horst Jäger (ÜPW), Evi Thanheiser (SPD), Irene Ehemann (ABU) und Heidi Eckl (ÖDP) gegen den Bau des Handelszentrums aussprachen. Bild: Amann
Politik
Nabburg
30.12.2015
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Die Gegner des Handelszentrums bauen darauf, die Wähler beim Bürgerentscheid mit einer Alternative im Stadtwesten überzeugen zu können. Das verdeutlichte ihre Informationsveranstaltung am Montagabend. Dort meldeten sich aber auch Fürsprecher zu Wort.

Die Versammlung moderierte der Pfreimder Altbürgermeister Arnold Kimmerl (ÖDP). Sie sollte nach seinen Worten dazu dienen, Argumente auszutauschen. Vor etwa 40 Besuchern gaben zunächst die Veranstalter, die Stadtratsfraktionen von SPD, ABU, ÖDP und ÜPW, kurze Stellungnahmen ab (grüner Kasten). Sie erklärten, warum sie das Handelszentrum nicht wollen.

Nicht ohne Lebensmittel


Die Diskussion eröffnete danach CSU-Sprecher Hans-Georg Dobler. Er trat dafür ein, keine Gegensätze zwischen dem Osten und Westen der Stadt aufzubauen. Es gebe nämlich durchaus Möglichkeiten, Lösungen für beide Seiten zu bekommen. Das Handelszentrum lasse sich jedenfalls schneller realisieren, denn beim Grundstückseigentümer herrscht Abgabebereitschaft, und ein Investor steht bereit. "Alles was kommt ist eine Bereicherung", zeigte er sich überzeugt. Ihm entgegnete Evi Thanheiser (SPD): Neubauten an beiden Stellen der Stadt werde es nicht geben, sofern jeweils ein Lebensmittler mit vorgesehen wäre. Das habe die Firma Küblböck, die im Westen einen Markt errichten möchte, zu verstehen gegeben. Horst Jäger (ÜPW) ergänzte: Das Handelszentrum könne aber laut Investor nicht auf einen Lebensmittelmarkt als Kundenfrequenzbringer verzichten.

Ein örtlicher Unternehmer wunderte sich über die angesprochenen Pläne für den Stadtwesten: "Ich habe außer Spekulationen nichts gehört". Evi Thanheiser erklärte, es gebe eben einen Investor für die Lebensmittelbranche, der könne jedoch noch keinen Namen des Ansiedlers nennen.

Für die Interessengemeinschaft pro Handelszentrum hielt deren Sprecher Stefan Schmid Evi Thanheiser vor, dass sie mit falschen Zahlen arbeite. Der für das Handelszentrum vorliegende und dem Stadtrat bekannte Planentwurf besage, dass 4100 Quadratmeter Verkaufsfläche entstehen sollen, davon 1500 für Lebensmittel: "Das sind also keine 75 Prozent".

Vermisste Diskussion


Hans-Georg Dobler widersprach der Darstellung, wonach das Handelszentrum in der Luft hänge. Der Investor stehe in den Startlöchern. "Und wir könnten auch schon viel weiter sein, denn wir hätten die Diskussionen schon lange im Stadtrat führen können", sagte er. Heidi Eckl reagierte darauf: "Es ist ja alles schön, was da geplant ist, aber der Platz passt nicht". Das sah Dobler nicht als Problem, denn: "Wir sind für Beides".

Eine Hausfrau zeigte Unverständnis dafür, dass die Einkäufer aus dem Westen nach der Diska-Schließung auf die andere Seite der Stadt "gejagt" werden. Worauf Dobler antwortete: Die Diska-Schließung erfolge unabhängig vom Handelszentrum, sie stehe ja schon längst fest. SPD-Stadtrat Josef Götz nannte das "abschreckende Beispiel" der niederbayerischen Gemeinde Salzweg, ähnlich groß wie Nabburg. Dort habe ein ähnliches Handelszentrum die Innenstadt kaputt gemacht.

Altbürgermeister Josef Fischer (ABU) gab zunächst Dobler Recht: Die Diskussion wäre schon längst im Stadtrat nötig gewesen. Er bedauere es sehr, dass es nicht dazu kam. In der Sache mache ihn das Interesse des Grundstückseigentümers an der Straße Richtung Oberviechtach stutzig, dessen Areal für den Fall einer möglichen Bebauung wesentlich wertvoller werde. Aus seiner Amtszeit wisse er: Aldi komme mit Sicherheit nicht nach Nabburg, darum habe er sich bereits dreimal vergeblich bemüht. Aber für die Diska-Nachfolge an der geplanten Umgehungsstraße gebe es einen verlässlichen Partner, das wisse er. IG-Sprecher Stefan Schmid forderte ihn dazu auf, dann auch den Namen zu nennen. "Edeka hat sich schon seit Jahren bemüht, nach Nabburg zu kommen", ließ Fischer daraufhin wissen: "Ich gehe davon aus, die stehen nach wie vor Gewehr bei Fuß".

Wegen Diska-Nachfolge


Die Fraktionen fassten am Ende der gut einstündigen Versammlung im Gasthaus Sauerer zusammen, warum die Nabburger beim Bürgerentscheid mit "nein" stimmen sollten: um die fußläufige Nahversorgung im Stadtwesten sicherzustellen (ÖDP, ABU und SPD) und um nichts kaputt zu machen und alles offen zu halten (ÜPW). Altbürgermeister Josef Fischer fügte an, dass für die Regelung der Diska-Nachfolge eine schnelle Umsetzung der Rahmenplantrasse die Voraussetzung wäre. Das ins Auge gefasste Gelände, flocht Evi Thanheiser ein, lasse sich aber auch über die Regensburger Straße anfahren.

Bürgermeister Armin Schärtl gestattete sich das Schlusswort. Wenn der Handelszentrum-Investor wie angekündigt auf Konsens setzen möchte, so könne er ihn haben und auf das Grundstück im Stadtwesten gehen: "Es wäre groß genug."
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