54-Jährige in einem Sicherungsverfahren vor Gericht - Schwierige Situationen für die Strafkammer
Gelegter Brand bringt Hausbewohner in Gefahr

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Nabburg
26.07.2016
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Amberg/Schwandorf. Sie legte Feuer in ihrer Wohnung und schuf eine akute Gefährdungslage für mehrere Hausbewohner. Jetzt muss eine 54-Jährige erklären, weshalb sie das machte. Doch die Richter hören ausschließlich wirr klingende Ausführungen.

Die Erste Strafkammer des Amberger Landgerichts soll darüber entscheiden, ob die in einem Sicherungsverfahren als Beschuldigte geltende Frau dauerhaft in eine geschlossene Anstalt einzuweisen ist. Sie hatte heuer am Samstag, 9. Januar, ein Feuer in ihrer Wohnung im östlichen Landkreis Schwandorf gelegt, sich in den Räumen verbarrikadiert und nicht nur sich selbst, sondern zudem auch andere Leute, die im Gebäude waren, in Gefahr gebracht. Auch drei Kinder befanden sich darunter.

Die 54-Jährige leidet an einer Schizophrenie. Als sie die Kammervorsitzende Roswitha Stöber sehr behutsam vernahm, wurde deutlich: Die Krankheit hat offenbar dafür gesorgt, dass die Frau längst nicht mehr in der Lage ist, sich unter Kontrolle zu haben. Die Brandstiftung, ausgelöst mit einem an Müllsäcke gehaltenen Feuerzeug, gab sie zu: "Aus einer Notsituation, weil mir keiner geholfen hat." Doch eine Notlage war objektiv nicht zu erkennen.

Von Stimmen getrieben


Was dann kam, ließ die Richter aufhorchen. Die 54-Jährige will Stimmen vernommen und von ihrer Hauskatze das Kommando zur Brandlegung erhalten haben. Sie fühle sich von Verbrechern und Sittenstrolchen verfolgt, habe von daher die Eingangstür zur Wohnung mit einer anderen und aus den Angeln gehobenen Türe zugestellt. Als Barrikaden hätten aber auch schon der Kühlschrank und die Waschmaschine gedient. Maßnahmen, wie die Richter erfuhren, "um mich vor Übergriffen zu sichern."

Als an jenem Februar-Nachmittag die von einem Nachbarn alarmierte Feuerwehr eintraf, mussten zwei Einsatzkräfte gewaltsam in die verqualmten Räume vordringen. Sie fanden die Frau unter einem Bett liegend, brachten sie, weil Gegenwehr erfolgte, unter Anwendung sanften Zwangs hinaus und trugen auch die Katze ins Freie. "Für Sie und das Tier sind die beiden Männer zu Lebensrettern geworden", stellte die Kammervorsitzende Roswitha Stöber nun im Prozess fest. Das sei ihr völlig egal, konterte die Beschuldigte barsch und wollte von einem der Feuerwehrleute wissen, wie er denn die Katze habe bergen können, wenn er noch nicht einmal deren Namen wisse. Auch das ließ auf einen schweren Grad der Verwirrung schließen.

Abgelehnter Verteidiger


Schwierige Momente für die Vorsitzende, die erkennbar jeder Auseinandersetzung mit der 54-Jährigen aus dem Weg ging und die Frau selbst dann weiterreden ließ, als sie streitbar den Zeugen ins Wort fiel und sie der Unwahrheit bezichtigte. Tatsache aber war: In der Wohnung, die einem Amberger Bauträger gehört, entstand ein Schaden von rund 40 000 Euro. Ein ähnliches Geschehen hatte sich bereits zwei Jahre zuvor ereignet. Damals setzte die heute 54-Jährige alle Räume unter Wasser und sorgte für eine Überflutung.

Zum Statisten degradiert wurde am ersten Verhandlungstag der Verteidiger Heinz Ettl (Schwandorf). Von Polizisten von ihrem gegenwärtigen Aufenthaltsort, einer Psychiatrie in Oberbayern, in den Gerichtssaal gebracht, lehnte die Beschuldigte ihren Anwalt ab und wechselte kein Wort mit ihm. Irgendwann nach mehreren Stunden hielt sie sich die Ohren zu und begann, ein Lied zu summen. "Ich will nichts mehr wissen von dieser Gesellschaft hier", hatte sie davor erklärt. Der Prozess wird fortgesetzt.
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