Ausstellung im Freilandmuseum
Tracht ist, was man daraus macht

Verena Corsetti, wissenschaftliche Volontärin im Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen, und die moderne Tracht. Auch wenn die Dirndl an einer hängen, sind sie doch nicht "von der Stange". Bild: Dobler
Vermischtes
Nabburg
17.06.2016
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Gibt es eine "echte" Tracht und gibt es eine Oberpfälzer Tracht? Wer trägt warum und zu welcher Gelegenheit Tracht? Gehört ein Mini-Dirndl mit Biker-Jacke auch dazu? Fragen über Fragen, die eine Ausstellung im Oberpfälzer Freilandmuseum klären will. Sie heißt "Dirndl, Gwand und Heimatkleid".

"Tracht im Blick" lautet der gemeinsame Titel eines Ausstellungsprojektes, an dem sich neun Museen der Region beteiligen - und jedes Museum beleuchtet das Phänomen von einer anderen Seite. Die größte Schau ist im Oberpfälzer Freilandmuseum zu sehen, die sich dort über zwei Stockwerke erstreckt.

"Die Tracht, die im 19. Jahrhundert auf Umzügen und Festen zu Ehren der bayerischen Könige getragen wurde, um dem neuen Staat eine Identität zu geben, hat sich in den letzten 200 Jahren ständig verändert", erläutert Verena Corsetti. Die junge Wissenschaftlerin ist mit der Ausstellung genauestens vertraut. Sie sagt auch: "Was Tracht tatsächlich ist, darüber lässt sich streiten."

Mieder knapp, Röcke kurz


Wie vielfältig Tracht sein kann, das zeigen in der Präsentation im Ausstellungsgebäude zahlreiche Kleidungsstücke unterschiedlichster Herkunft. Neben der Rolle von Trachtenvereinen und der Trachtenberatung des Oberpfälzer Bezirks wird dargestellt, was wirklich getragen wurde und warum zahlreiche Frauen auf Festen ihr Dirndl auspacken.

Mit Fragebögen sind die Ausstellungsmacher im vergangenen Jahr auf den beiden Dulten in Regensburg diesem Thema auf den Grund gegangen. Über 80 Frauen gaben damals Auskunft: Am häufigsten wurde "fesch" und "bayerisch" angekreuzt. Und obwohl tiefe Ausschnitte, knapp sitzende Mieder, kurze Röcke und auch bloße Schultern sehr beliebt sind, fühlten sich die Dirndlträgerinnen nicht unbedingt "sexy".

Frühe Bemühungen um eine Tracht gehen auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück, machte Verena Corsetti deutlich. In der Ausstellung zeigt das ein kolorierter Stahlstich mit dem Titel "Amberg". Die Menschen darauf sind in eine Kleidung gewandet, die man auch von offizieller Seite als bayerische Tracht anzuerkennen bereit war. Denn bis dahin gab es keine verbindliche Anschauung darüber, was die authentische Gewandung der Menschen im Königreich Bayern sein könnte.

So ging die Trachtenbewegung im 19. Jahrhundert nicht von den Bauern auf dem Land, sondern vom aufstrebenden Bürgertum in den Städten aus. Das Stichwort lautet "Identität". Was damals unter Maximilian II., dem König von Bayern (1811-1864), begann, war im 20. Jahrhundert noch nicht zu Ende.

So hat man 1969 der Bezirksheimatpfleger Adolf Eichenseer mit der Aufgabe betraut, eine Oberpfälzer Regionaltracht zu konstruieren. Denn seit den 1950er Jahren war das Bedürfnis nach Regionalkleidung mit identitätsstiftendem Charakter groß. Schützenvereine, Volkstanzgruppen und Musikkapellen interessierten sich für Trachtenkleidung und verlangten nach Orientierung.

Thema Tracht am nächsten SonntagTrachtenwerkstatt

Im Oberpfälzer Freilandmuseum wird heuer großes Trachtenjahr begangen. Daher wird am Sonntag, 19. Juni, ab 13 Uhr zur Schau in eine Trachtenwerkstatt geladen. Vertreter von Oberpfälzer Trachtenvereinen führen im Freilandmuseum die Kunst der Trachtenmacherei vor. Felicitas Hölzl an der Gitarre und Nicole Hierl an der Steirischen umrahmen die Trachtenwerkstatt mit fröhlichen Klängen.

Trachtenmodenschau

Wie fertige Trachten aussehen können, zeigt sich am Sonntag, 19. Juni, ab 14 Uhr in einer Trachenmodenschau der besonderen Art im Freilandmuseum. Der Oberpfälzer Bezirk unterstützt Trachtennähkurse. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Kurse führen ihre fertigen Stücke selbst vor. Hans Wax, der stellvertretende Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz, gibt Oberpfälzer Musikschmankerl zum Besten.
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