Beim Essverhalten Vorbild sein

Diplom-Ökotrophologin Johanna Baumann (links) erklärt den Teilnehmerinnen die Ernährungspyramide. Bild: hfz
Vermischtes
Nabburg
08.11.2016
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Kinderlebensmittel wurden in der Veranstaltungsreihe "Stark durch Erziehung" unter die Lupe genommen. Eine Zahl lässt aufhorchen: Laut dem Forschungsinstitut für Kinderernährung gab es bereits vor drei Jahren 244 dieser Lebensmittel, die durch ihre Verpackung Neugierde wecken. Tendenz steigend.

Schwandorf/Nabburg. Durch Gestaltung der Verpackung, Beigaben wie Sammelbilder, Spielfiguren oder Aufkleber und Aufschriften wirken sie wie ein Magnet auf Kinder. Durch die Anreicherung bestimmter Nährstoffe oder Verzicht auf bestimmte Zusatzstoffe sollen sie besonders für Kinder geeignet sein. Aber was ist wirklich drin in diesen Kinderlebensmitteln? Dieser Frage wollten das Lokale Bündnis für Familien und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Nabburg auf den Grund gehen.

Süßer und mit Zusätzen


Nach der Begrüßung durch Elisabeth Beer, der Ansprechpartnerin für Ernährung im Landkreis, lud Referentin Johanna Baumann die Teilnehmerinnen ein, einige Kinderlebensmittel genau in Augenschein zu nehmen. Dabei durften auch verschiedene Erdbeerjoghurts und Getränke probiert werden. Außerdem wurden die jeweiligen Zutatenlisten und Nährstoffkennzeichnungen genau betrachtet. Beim Ergebnis war man sich schnell einig. Sämtliche Kinderlebensmittel schmecken viel süßer und enthalten häufig viel mehr Zusatzstoffe als Lebensmittel für Erwachsene. Ähnlich verhielt es sich bei den Frühstücksflocken. Beurteilt wurden außerdem das bei Kindern beliebte Obst aus der Quetschtüte und Smoothies. Vom Nährwert her entsprechen diese zwar dem frischen Obst, allerdings verlernen Kinder hierdurch das Kauen und es wird viel Müll produziert.

Begünstigt Übergewicht


"Viele Kinderlebensmittel sind aufgrund des Gesamtzuckergehalts als Süßigkeit einzustufen", unterstrich Diplom-Ökotrophologin Johanna Baumann. Das beste Getränk für Kinder sei immer noch das Wasser oder eine Saftschorle aus einem Teil Fruchtsaft und drei Teilen Wasser. Durch Kinderlebensmittel könne eine frühe Prägung des Geschmacks für Süßes und Salziges stattfinden, Übergewicht begünstigt werden und bei nährstoffangereicherten Kinderlebensmitteln sogar die Gefahr der Überdosierung bestehen.

Aus ernährungsphysiologischer Sicht brauchen Kinder keine speziellen Lebensmittel, war das klare Fazit des Abends. Das Beste sei die Zufuhr der notwendigen Nährstoffe über "normale" Lebensmittel. Anhaltswerte über Lebensmittelmengen und -arten liefert die Ernährungspyramide, die abschließend von Johanna Baumann erläutert wurde. Letztendlich entwickeln Kinder gute Essgewohnheiten durch die Erfahrung mit gutem Essen in der Familie. Dazu gehören ein geschmacklich gutes und gesundheitsförderliches Speisenangebot, eine schöne Ess-Atmosphäre, eine feste Mahlzeitenstruktur mit Essenspausen und das Einbeziehen der Kinder in die Zubereitung. Ganz entscheidend ist auch beim Essen das Vorbild der Eltern.
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