Bischof kennt die Sorgen der Landwirte

Sieht viele Schnittmengen zwischen Kirche und Landwirtschaft: Bischof Dr. Rudolf Voderholzer bei seinem Vortrag, den er vor über 200 Zuhörern beim Sebastiani-Bauerntag hielt. Bild: Baehnisch
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Nabburg
17.01.2016
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Die Schnittmengen zwischen Kirche und Landwirtschaft sind groß. Das kam am Samstag bei einer Premiere zum Ausdruck. Zum ersten Mal sprach ein Bischof beim Sebastiani-Bauerntag, einer Traditionsveranstaltung des Bayerischen Bauernverbands.

Seine Rede wird mit einer Glocke eingeläutet. Da erinnert sich Bischof Dr. Rudolf Voderholzer ein bisschen an den Nockherberg. Er zeigt in den folgenden 70 Minuten: Unterhaltsam kann auch er sein, dabei aber immer sachlich und präzise. Da herrscht absolute Ruhe im Jugendwerk-Saal, die Aufmerksamkeit konzentriert sich auf den kirchlichen Würdenträger am Rednerpult.

Der gebürtige Münchner hat vorher schon bei der Messe in der Pfarrkirche gespürt: "Wir gehören zusammen", sagt er zu den Bauern und verweist auf seine eigenen Wurzeln: Seine beiden Großeltern waren Bauern, Cousins und Cousinen betreiben heute noch Höfe in Oberbayern. Damit verbindet er schöne Kindheitserinnerungen, er weiß aber auch um die Sorgen und Nöte des Standes.

Der 56-Jährige betont Gemeinsamkeiten: Priester und Bauer sein ist nicht irgendein Beruf, sondern eine "Lebensform und Berufung im tieferen Sinn". Auch in der Fest- und Feierkultur, zum Beispiel beim Erntedank, gibt es sie. "Wir wollen miteinander die tiefe Beziehung und Ehrfurcht zum Leben festhalten", unterstreicht er. Was die Bauern in diesen Zeiten umtreibt, kennt der Bischof. Deswegen spricht er auch ausführlich die Spannungen zwischen Ökonomie und Ökologie an. Gleich vorab versichert er den Landwirten seine Solidarität: Er ist nicht damit einverstanden, "dass alle Welt ständig Forderungen aufstellt, sie aber nicht bezahlen will". Denn: "Man kann nicht hohe Standards verlangen und nur Schnäppchen machen wollen".

Von hinten herein lesen


Der Diözesanbischof aus Regensburg beobachtet eine Gefahr: eine innerkirchliche Gewichtsverschiebung. Themen wie Klimawandel oder Rohstoffverbrauch dürfe man nicht mit religiösem Eifer angehen, sondern mit wissenschaftlicher Sachlichkeit. Denn eines sei klar: Die fossilen Brennstoffe auf der Erde sind endlich, und die nächsten Generationen brauchen auch noch Lebensgrundlagen.

Der Redner empfiehlt seinen Zuhörern, sich mit der Umwelt-Enzyklika des Papstes zu befassen. Gerade über die Wintermonate finde man dazu vielleicht die nötige Zeit. Er rät: Es wäre gar nicht schlecht, mit dem ausführlichen Werk von hinten her anzufangen und sich über die Bedeutung den Inhalten zu nähern. Dr. Voderholzer stellt klar: "Das ist kein religiös angestrichenes Parteiprogramm, sondern ein geistlicher Text." Der Papst spreche klar an, dass es mit der Umwelt "so nicht weitergehen kann". Wichtig sei, "mit der Schöpfung so umzugehen, dass sie ein Lobpreis des Schöpfers sein und bleiben kann."

Kultur hegen und pflegen


Im letzten Abschnitt seines Vortrags appelliert der Bischof, gute Bräuche wie das Tischgebet zu pflegen. Auch die Sonntagskultur solle man nicht vernachlässigen: "Sie braucht Nahrung und Sorgfalt". Dazu zähle er durchaus auch das Wirtshaus neben der Kirche. Mit Blick auf die Flüchtlingssituation mahnt er: "Wenn wir unsere eigene Kultur nicht schätzen und leben", werde auch die Integration nicht gelingen, "sondern dann werden wir selber integriert".

Vor der Kundgebung hatte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer den Festgottesdienst in der benachbarten Kirche gefeiert. Ihn zelebrierte er zusammen mit den Dekanen Michael Hoch und Hans Amann, den Pfarrern Hannes Lorenz, Markus Ertl und Johann Wutz, dem Ruhestandsgeistlichen Gottfried Rottner und Kaplan Christian Blank. Der Bauerntag beinhaltete auch weitere Reden und eine Ehrung.
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