Clinch um Zustand eines Reviers

Auf der Suche nach Engerlingen gruben Wildschweine großflächig die Grasnabe um, was für die betroffenen Landwirte aus Haindorf nicht nur ärgerlich, sondern auch mit finanziellen Einbußen verbunden ist.
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Nabburg
16.04.2016
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Bei einem Treffen auf den Wiesen und Feldern bei Haindorf begutachteten Bürgermeister Armin Schärtl (Dritter von links) und andere Betroffene jene Schäden, die von Wildschweinen verursacht wurden. Bilder: Huber (2)

Böses Blut herrscht derzeit in der Jagdgenossenschaft Nabburg. Jagdvorstand Georg Lorenz, der seit Februar der Vereinigung vorsteht, hat sich massiv über den zuständigen Jäger beschwert, weil sich angeblich die Wildschweinschäden häufen. In dieser Woche war dazu ein Ortstermin.

In diesen Wochen kommen im ganzen Landkreis die Jagdgenossenschaften zusammen, um das Jahr zu bilanzieren und über die Abschüsse zu sprechen. Diese Abende sind zwar zumeist nichtöffentlich, aber zu vielen wird die Presse eingeladen, so dass sich in der letzten Zeit immer wieder entsprechende Berichte in der Zeitung finden.

Nicht so bei der Nabburger Jagdgenossenschaft. Sie tagte heuer bereits mehrmals tatsächlich hinter verschlossenen Türen und daher wurde auch nicht offiziell bekannt, dass bereits im Januar ein Wechsel an der Spitze der Genossenschaft stattgefunden hat. Drei Jahre vor der Zeit schied dabei der langjährige Vorstand Johann Simbeck aus dem Amt. Beerbt wurde er in einer weiteren Sitzung im Februar von Georg Lorenz aus dem kleinen Ortsteil Haindorf.

Ärger im Revier Haindorf


Rund um Haindorf befindet sich einer von drei sogenannten Jagdbögen (Reviere) der Genossenschaft. Er wird seit vielen Jahren von einem Nabburger Jäger betreut. Lorenz und andere Landwirte aus dem Raum Haindorf wollten nun einen neuen Jäger durchsetzen, der sich um diesen Jagdbogen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft kümmern soll. Die Möglichkeit dazu hätte es in einer dritten Sitzung gegeben, die Mitte März über die Bühne ging.

Der alternative Vorschlag des Jagdvorstands scheiterte allerdings. Zu dieser Sitzung fand sich auch Bürgermeister Armin Schärtl als Vertreter der beiden "Großgrundbesitzer" Stadt Nabburg und Bürgerspitalstiftung ein und unterstützte allem Anschein nach den bisherigen Jäger mit seinem großen Stimmenpaket. Davon sind zumindest Georg Lorenz und andere Landwirte überzeugt. "Wenn sich Bürgermeister Schärtl enthalten hätte, wäre der bisherige Jäger nicht noch einmal zum Zug gekommen", ist sich Lorenz sicher.

Öffentliche Anfrage


Nun ist es jedem Stimmberechtigten unbenommen, nach seinen eigenen Vorstellungen abzustimmen - natürlich auch dem Bürgermeister. Brisant wird die Sache, weil Lorenz und Andere fest glauben, dass die Jagdgenossenschaft mit dem Angebot des anderen Jägers finanziell weitaus besser dastehen würde, und sie unterstellen, dass frühere Meinungsverschiedenheiten den Ausschlag für dessen Niederlage gegeben hätten. In einer öffentlichen Anfrage an die Fraktionen im Stadtrat hatten die betroffenen Landwirte dies vor einigen Tagen zum Thema gemacht und dabei den Ausdruck "Wahlverhalten zum finanziellen Nachteil für die Stadt Nabburg und die Bürgerspitalstiftung" in den Ring geworfen (wir berichteten).

Im Magen liegen Lorenz und seinen Mitstreitern aber nicht nur mögliche fehlende Einnahmen für die Genossenschaft. Auch die finanzielle Absicherung bei Wildschäden schiene ihnen bei einem anderen Jäger besser geregelt. Und zum Dritten sind diese Landwirte nicht zufrieden mit dem Jagdeifer des bisherigen Revierinhabers. Besonders die Jagd auf Wildschweine sei nicht nachdrücklich genug erfolgt.

Betroffen von Schäden durch Wildschweine sind vor allem die Bauern aus Haindorf. So kam es am Dienstag dieser Woche zu einem Besichtigungstermin auf den Wiesen und Feldern rund um das Dorf. Fast vier Stunden dauerte die Bestandsaufnahme, bei der Schätzer Rudolf Birner eine Menge aufzunotieren hatte. Seine Schadens-Liste liegt derzeit im Rathaus, und Ordnungsamtsleiter Christian Wirth, der ebenso wie Bürgermeister Armin Schärtl bei dem Ortstermin dabei war, sprach davon, dass "der Sachverhalt geregelt" sei.

"Verhältnis zerrüttet"


Ob die Angelegenheit damit aus der Welt ist, muss sich zeigen. Laut Jagdvorstand ist das Verhältnis zum Jäger nämlich "zerrüttet". Der Jäger selbst wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung nicht detailliert zu diesem Sachverhalt äußern. "Ich bin ordentlich gewählt worden, für mich ist das Thema erledigt", versicherte er; Öl wolle er nicht ins Feuer gießen. Aber auf eines legt er doch Wert: "Ich habe bis jetzt 80 Säue geschossen und bin ein guter Wildschweinjäger." Dass das die Gegenseite wirklich beruhigt, darf derzeit aber bezweifelt werden.
Der Sachverhalt wird geregelt.Ordnungsamtsleiter Christian Wirth nach der Besichtigung der Wildschweinschäden
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