Die 92-jährige Ida Sobiegalla hat eine syrische Flüchtlingsfamilie in ihrem Haus aufgenommen
Töpfe wandern durchs Treppenhaus

Ida Sobiegalla spielt auch mal gerne mit Lames und Sham. Sprache? Kein Problem. Lames spricht dank Kindergarten und Schule schon gut deutsch. Bild: Hartl
Vermischtes
Nabburg
26.02.2016
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"Sie haben sich die Wohnung angeschaut. Mir war die Familie sympathisch, und dann haben wir einen Vertrag gemacht." So einfach kann Integration sein. Ohne große Worte hat die 92-jährige Ida Sobiegalla eine syrische Flüchtlingsfamilie in ihrem Haus in der Nabburger Altstadt aufgenommen.

, Die Familie von Khaled Alshaer ist glücklich über die Wohnung im zweiten Stock, und auch Ida Sobiegalla tut der "Zuwachs" gut. Schon über ein Jahr lebte die syrische Familie in einem Zimmer in der Asylbewerberunterkunft in der Pfandelstraße. Khaled Alshaer brachte jeden Tag die Töchter Lames (6) und Sham (4) in die Schule, in den Kindergarten. Da sah er den Zettel "Drei-Zimmer-Wohnung zu vermieten" in der Auslage des kleinen Buch- und Schreibwarengeschäftes, das über Jahrzehnte die Zentrale des NT-Mitarbeiters Georg Sobiegalla war. Ehefrau Ida betreibt es auch mit 92 Jahren noch.

"Respekt", sagen die Söhne


Khaled Alshaer fand es sinnvoll, mit einer Kontaktperson vorzusprechen. Sie fand er in Uta Vollrath vom Arbeitskreis Asyl. Gemeinsam fragten sie an, ob die Wohnung zu vermieten sei. Die Familie gefiel Ida Sobiegalla. Die beiden Söhne, die im Fränkischen wohnen, sagten nur "Respekt" zur Entscheidung der Mutter.

"Ich hatte immer Mieter, die Etage muss doch wieder bewohnt werden", so Ida Sobiegalla. "Das sind nette und hilfsbereite Leute." Ein Gedanke ging auch zu ihrem verstorbenen Mann, der nach dem Krieg seine Heimat verlor, aus Oberschlesien nach Nabburg kam und bei ihr sozusagen "Asyl" erhielt - ein Leben lang. Der 1. Januar 2016, als der Mietvertrag galt, war "ein guter Tag" für die Alshaer und auch für Ida Sobiegalla. Inzwischen wandern die Töpfe im Treppenhaus rauf und runter. "Frau Enas kocht gut", erzählt die Feinschmeckerin Ida Sobiegalla. Mal wird ihr eine Portion Couscous in Weinblättern gebracht, mal sind es Teigtaschen. Die wollte sie eigentlich fürs Abendessen aufheben. Doch Sohn Gerd kam zu Besuch. "Dann haben wir sie gleich verputzt." Die 92-Jährige revanchierte sich gestern mit Blumenkohlsuppe. "Da trag ich was rauf." Khaled Alshaer riecht schon immer im Treppenhaus, was gerade gekocht wird. Er probiert gerne von Ida Sobiegallas Oberpfälzer Kost. Nur beim Schweinebraten, "da bleibt es beim Duft", lacht Khaled Alshaer. Doch wie seine Vermieterin die leckeren Cantuccis bäckt, will er sich jetzt zeigen lassen.

Auch mal ans Klavier


Der 33-Jährige konnte in der Wohnung einen Teil der Möbel übernehmen. Seit Montag besucht er den Integrationskurs in Schwandorf. Er hat einen straffen Tagesplan: die Kinder zur Schule, in den Kindergarten bringen, dann zum Pauken nach Schwandorf fahren. Nachmittags werden Hausaufgaben gemacht, kurz nach der Nachbarin geschaut, "ob sie was braucht". Und am Abend, wenn Lames und Sham im Bett sind, versuchen Khaled und Enas sich auf Deutsch zu unterhalten. Khaled kann sich bereits gut verständigen. Doch für die Arbeitswelt reicht es noch nicht.

Höflich fragen die Kinder "Frau Sobiegalla", ob sie Zeit zum Spielen hat. Die 92-Jährige und die Mädchen mögen sich, dürfen auch mal am Klavier spielen. Khaled Alshaer übernimmt den Putzdienst im Treppenhaus, schneidet im Garten Knöterich aus. Natürlich mit seiner Vermieterin, die noch alles selbst managt. "Doch wenn sie mich braucht, bin ich da." Auch für Ida Sobiegalla ein schönes Gefühl. Khaled Alshaer und seine Familie wollen in Nabburg bleiben. Er ist Automechaniker, würde nach dem Integrationskurs gerne in diesem Beruf arbeiten, hat aber auch den Lastwagen-Führerschein. Ein Hallo gilt einem befreundeten Taxi-Fahrer auf der anderen Straßenseite. In Syrien ist Khaled auch Taxi gefahren.
Das sind nette und hilfsbereite Leute.Ida Sobiegalla (92)
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