Die nächste Etappe

Beim Zwingerweg West (rote Linie) wird im nächsten Jahr vorerst der Bauabschnitt I ab dem Mähntor (rechts) bis zum von der Stadt erworbenen Anwesen Schreiner (direkt auf der Linie stehend) in Angriff genommen. Bild: hfz
Vermischtes
Nabburg
12.11.2016
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Über eine Stunde wurde konträr diskutiert, ob der Zwingerweg West vom Mähn- bis zum Obertor im nächsten Jahr gebaut werden soll. Der Stadtrat brachte das Projekt auf den Weg, beschränkt sich aber auf die erste Etappe.

Architekt Martin Popp (SBS-Planungsgemeinschaft) hatte das Projekt schon vor sechs Jahren auf dem Schirm. Damals hätte noch die Zinngießerei Schreiner umgangen werden müssen. Nach dem Erwerb des Anwesens durch die Stadt wurde umgeplant. Der Zwinger um die Altstadt ist bereits im Abschnitt Nord und Ost saniert. Der noch ausstehende Abschnitt West gliedert sich in zwei Bauabschnitte. Der erste zieht sich vom Mähntor bis zum Anwesen Schreiner, der zweite Bauabschnitt dann weiter bis zum Obertor. Die erste Etappe beginnt mit einem Stufenantritt beim Mähntor, es gibt zwei Rondelle und einen Aufgang zur Altstadt. Zusätzlich fasst der Besitzer des "Alten Pfarrhofs" eine Stahltreppenkonstruktion ins Auge. Der Weg ist gepflastert oder mit wassergebundener Oberfläche versehen. Das Geländeprofil wird teilweise "gedrückt", um 90 Zentimeter Mauerhöhe einhalten zu können. Wo die Mauer "abgerissen" ist, wird sie ergänzt.

Bauabschnitt II ist aufwändiger: Hier müssen Mauerteile neu gefasst werden. Zum Spitalhof wäre über eine Höhe von fünf Metern ein Aufgang mit 30 Stufen vorgesehen. Der Weg endet dann am Ersatzbau für die alte Schmiede. Wo archäologische Untersuchungen nötig werden, hätte man Dr. Matthias Hensch an der Hand. Sein Honorar auf Stundenbasis würden sich laut Bürgermeister Armin Schärtl im Rahmen halten.

Beengte Bausituation


Die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf 758 000 Euro, worin auf Nachfrage von Karl Beer die Abbruchkosten für das Schreiner-Gebäude noch nicht enthalten sind. Die über 100 000 Euro höheren Kosten seit 2010 sind zum Großteil durch Preissteigerungen bedingt. Außerdem habe man Zweifel, ob die damalige Kostenschätzung ausreichend gewesen sei. Bei der beengten Geländesituation sei mit erschwerten Baubedingungen zu rechnen, gab Landschaftsarchitekt Franz Rembold zu bedenken: "Wir sind hier nicht auf der grünen Wiese". Da interessierte die Frage nach der Förderung, die Martin Popp derzeit nicht verbindlich beantworten kann. Laut Bürgermeister Schärtl liegt der zuwendungsfähige Fördersatz üblicherweise bei 60 Prozent.

Die Debatte eröffnet Hans-Georg Dobler (CSU). "Wir kaufen hier Möbel ein, bevor wir ein Dach auf dem Haus haben". Angesichts demnächst anstehenden Infrastrukturprojekten sollte das durchaus begrüßenswerte Projekt zurückgestellt werden. Dobler vermisste einen Leitfaden für die Altstadtsanierung. Zweiter Bürgermeister Kurt Koppmann (ÜPW) war gegen den teuren Aufgang zum Spitalhof, zumal es die Stadt nach dem Kauf des Schreineranwesens in der Hand habe, eine kostengünstige Variante durch das Gebäude zu schaffen. Außerdem sei die von Martin Popp vorgeschlagene Variante zum Spitalhof wohl nicht zu realisieren. Die Kirchenverwaltung sei gegen eine Maueröffnung, da dies die Veranstaltungen beeinträchtige. Irene Ehemann (ABU) ging mit Kurt Koppmann konform: Es gebe eine einfache und günstige Lösung direkt zum Atrium. Helmut Ertl (CSU) hielt nicht viel davon: "Wenn, dann sollten wir was Gescheites bauen". Ertl war der Ansicht, dass in der Sitzung noch kein Beschluss gefasst werden könne.

Anders sah es die SPD: Evi Thanheiser betonte, dass es wenig Städte gebe, die über so ein touristisches Kleinod verfügen würden. Die Stadt könne sich das Projekt 2017 leisten und "es wird nicht billiger und nicht einfacher". Bürgermeister Schärtl rechnete die Kosten vor: Bei einer Förderung von 60 Prozent bleibe der Stadt ein Eigenanteil von rund 120 000 Euro für 2017 - Geld, das auch im Finanzplan stehe. Bei einem 18 Millionen Etat könne die Stadt das schultern. Das sah auch Heidi Eckl (ÖDP) so. Die Kosten wären haushaltsmäßig auf zwei Jahre verteilt. Josef Weber (SPD) gab noch zu bedenken, dass die Stadtmauer schon enorme Ausbuchtungen zeige und Handlungsbedarf bestehe.

Erst Etat beraten


Josef Fischer (ABU) machte aus seiner persönlichen Meinung keinen Hehl. Er würde lieber Projekte innerhalb der Mauern verwirklicht sehen, sprach er die Parksituation und die Sanierung der Sackwebergasse an. Ihm fehlt auch der Lückenschluss zu dem schon sanierten Zwingerweg. Horst Jäger (ÜPW) meinte angesichts anderer dringender, teurer Projekte, das man "den Euro nur einmal ausgeben kann". Er plädierte dafür, die Entscheidung bis zur Etatberatung zurückzustellen. Hans-Georg Dobler gab noch zu bedenken, dass noch gar nicht über Barrierefreiheit gesprochen worden sei. Außerdem "bringt abwarten manchmal bessere Preise".

Die Abstimmung ergab, dass Bauabschnitt I beauftragt und Ende 2017 ausgeführt wird. Bauabschnitt II wird zurückgestellt, bis die Zugangsproblematik beim Anwesen Schreiner geklärt ist. Der Beschluss wurde 11:8 gegen die Stimmen der CSU und Horst Jäger (ÜPW) gefasst.

Wir kaufen Möbel ein, bevor wir ein Dach auf dem Haus haben.Hans-Georg Dobler (CSU)


Wir sollten die Maßnahme in Angriff nehmen. Sie wird nicht billiger und nicht einfacher."Evi Thanheiser (SPD)
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