Ganz gezielt so angelegte Stadt

Vermischtes
Nabburg
17.03.2016
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Achsial, auf Fußmaß und per Zirkelschlag wurde die Altstadt konzipiert - so jedenfalls lautet die These von Robert Mitschke. Auszugsweise bereits in der "Heimat Nabburg" publiziert, stellte der Hochschulabsolvent den Inhalt seiner Masterarbeit nun im Schmidt-Haus vor.

Mit seiner Note von 1,0 zählte der Nabburger Robert Mitschke letztes Jahr zu den Top-5-Absolventen an der Berliner Hochschule für Technik im Bereich Architektur und Städtebau. Genau zu diesem Thema untersuchte er auch seine Heimatstadt, verglich ihre Strukturen mit Erkenntnissen über historische Stadtentwicklung und bekannte Planungsmuster bei Straßen und Plätzen. "Eine effektiv funktionale Stadt entsteht nicht von selbst", so lautete seine Basisüberlegung.

Untermauern konnte er diese Behauptung durch Beispiele der Antike bis zum Gründungs-Boom des 12. bis 14. Jahrhunderts. Just zu dieser Zeit gelangte Nabburg in den Einfluss der Wittelsbacher, die in ihr eine "Investitionsstadt" sahen, um höhere Rendite aus Handelswegen und Zöllen zu erzielen, Rohstoffe aus dem Bergbau praktikabler zu gewinnen und militärstrategische Stützpunkte zu festigen.

Von der inhaltlichen These zu den reellen Details: Aus der Mitte der Gründungsachse zwischen Dechanttörl und Pulverturm lässt sich laut Mitschke ein "Campus Initialis" konstruieren. So kann die gesamte Altstadt schließlich in ein Gitterraster verschieden großer Parzellen eingepasst werden. Selbst die Pfarrkirche scheint minimal abweichend daran ausgerichtet. Ihr, so berechnete Mitschke, liegt wie dem Gesamtplan nicht örtliches, sondern Regensburger "Fußmaß" zu Grunde: "Ganzzahlige Ergebnisse sprechen deutlich für die Hand eines Baumeisters aus der dortigen Dombauhütte."

Selbst Kurvenradien lassen sich systematisch integrieren und Torzentren, bis auf topografisch relevante Korrekturen, genau positionieren. Folglich vermutet der Redner in einem ungewöhnlich starken Vorsprung der östlichen Ringmauer die Reste des "Krebsturmes". Auch baulich kuriose Anomalitäten in und um das Rathaus könnten mit planerischen Veränderungen erklärt werden.

Freilich sieht Robert Mitschke noch Bedarf, seine "Masterthesis" mit den Forschungen anderer Fakultäten, etwa der Archäologie, abzugleichen - und so lassen das überaus große Zuhörerinteresse und viele fachbezogene Rückfragen auf noch weitere, spannende Diskussionsergebnisse hoffen.
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