"Gospel Express" macht Station

Das Ensemble "Gospel Express" trat am Sonntag in der Pfarrkirche auf. Bild: aub
Vermischtes
Nabburg
21.04.2016
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Ferne Töne von der Empore ließen die Annäherung akustisch schon erahnen. Doch erst nach der Ankündigung durch "Stationssprecher" Jonathan Brell "rollte" der "Gospel-Express" vor das gespannte Publikum in die Pfarrkirche.

Wie eine zugkräftige Lok hatte "Schaffner" Gunther Reichenbach seit 1987 allerorts, so zeigte die Vorstellung der Interpreten, mitreis(s)ende Anhänger dieses Musikstils gefunden. Mit Karine Assmayr, Elisabeth Schacherl, Sigrun Leha-Reichenbach, Manuela Rzepka-Braun, Markus Schacherl, Maria Neumann, Michael Fischer, Almuth Veh, Sonja Krieg und "Maschinist" Matthias Hantke bereist er seither das Land der Gospels und Spirituals und macht ab und zu Station, um die Fans besonderer Konzerte zum Zug kommen zu lassen.

Dabei zeigen Gruppenname und Thema durchaus Parallelen, erinnert doch die Monotonie über Schienen ratternder Räder stark an den Arbeits-Takt südamerikanischer Sklaven, die sich, wie in den Moderationssequenzen erläutert, ursprünglich in so emotionalen Liedern gegenseitig Mut und Kraft gaben. Trotz betontem Rhythmus intonieren darin immer wieder freizügige Stimmeneruptionen die Schreie nach Freiheit, beklagen familiäre Sehnsucht und Heimweh, flehen Gott um Hilfe und Trost an. Nach der Befreiung galt es noch mehr, den Allmächtigen zu loben und zu preisen, wie exstatisch "mit dem Herzen zu singen": Er ist "Leuchtturm der Liebe" bis "der Sturm" sich legt - pantomimisch wie vokalistisch perfekt in Szene gesetzt. Danach manifestieren die Stimmen hymnusartig das Ziel, "change the world" und führe ins gelobte Land, in dem die Freiheit über allem steht - bestens charakterisiert durch die hünenhafte Statur von Solist Michael Fischer. Neben einsatzfreudigen Soli fordern schließlich alle klatschend und singend "Kum ba yah, my Lord" - "komm hier her!" Dass sich der Musikstil auch nach Europa übertragen lässt - die Songs wurden natürlich im Original präsentiert - bewiesen die Sänger zum Schluss mit "Tut mir auf" und dem berühmten "Halleluja". Zur Feier des Luther-Jahres 2017 hat der überkonfessionelle Chor noch mehr solche ähnlichen Experimente in Arbeit.

Dem Ensemble gelang ein Konzert, das die Gospels nicht nur unter die Haut gehend "vorstellte", sondern spiritualisierte, mit Geist und Leben erfüllte. Von Song zu Song nahm die Bewegung temporeich Fahrt auf, sprang der Aktivitäts-Funke auf das Publikum über - bis zum groß(artig)en, euphorischen Finale. Nach 100 Minuten entschwand der "Gospel-Express" den Zuhörern am Horizont ähnlich leise, wie er gekommen war, doch schien es fast so, als sei die Rückfahrkarte schon gelöst.
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