Keine Schonung für „Heile Welt“

Für Museumsleiterin Christa Haubelt-Schlosser schafft Bernhard Weiß Kunst, die man nicht mal eben so im Vorübergehen konsumiert." Bei der Vernissage stießen seine Werke auf großes Interesse. Bild: aub
Vermischtes
Nabburg
19.10.2016
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"Nur Motive malen, die jedem gefallen", will er nicht. In unkonventionellem Stil zeigt Bernhard Weiß im Museum im Schmidt-Haus seine schonungslose Sicht auf die angeblich so "Heile Welt".

Es gibt schöne Antlitze und weich fließende Formen neben hässlichen Fratzen, oberflächlich skizzierte, aber auch fotorealistische Darstellungen, Grellbuntes gepaart mit Schwarz-Weiß-Grau-Malerei, resümierte Museumsleiterin Christa Haubelt-Schlosser in ihrer Laudatio. "Letztlich ist alles, was einem da entgegentritt, von einer derart ungeheuren Kraft und Intensität, atemberaubend und fantastisch zugleich - Kunst, die man nicht mal eben so im Vorübergehen konsumiert."

Berührend ist vor allem Bernhard Weiß' Spiel mit Symbolen, Effekten und Empfindungen. Zarte, fürsorgliche Hände konkurrieren mit klobigen "Pink-Patschern" um ein Kind, leuchtende Augen in unikaten Gesichtern sind von bedrohlichem Schwarz umgeben oder garniert mit gleichförmigem Dekor. Manches löst Unbehagen aus, Verunsicherung, ja sogar Unverständnis, initiiert aber auch den Denkprozess.

Verzerrte Realitäten


Dem Mittel bizarrer Darstellung, überzeichneter Visionen, ungeschönter Wiedergabe oder satirischer Überspitzung bedienten sich schon Hieronymus Bosch, Franzisco de Goya oder George Grosz. Beispiele finden sich gar im Schmidt-Haus - folglich prädestiniertes Ambiente für Bernhard Weiß' verzerrte Realitäten. Der Künstler selbst ist gebürtiger Nabburger. Nach früher Kontaktaufnahme mit Kunst und Umwegen über andere Berufe, wandte er sich 2009 mit dem Beitritt zum Berufsverband bildender Künstler dieser in mehreren Ausstellungen wieder ganz zu. 2015 mit der Debütantenförderung des Freistaates Bayern und dem ersten Platz der Syrlin-Kunststiftung Stuttgart ausgezeichnet, wird er jüngst sogar von der Düsseldorfer FONIS-Galerie vertreten. Über seine Philosophie konstatiert Bernhard Weiß selbst: In meinen Werken versuche ich die menschliche Schubladen-sortierte Ordnung basierend auf absolut trennbaren Zuständen in Frage zu stellen oder gar ad absurdum zu führen.

Dem Reinen, Sortierten tritt Bernhard Weiß mit Acryl und teils Collagen gegenüber, dem alltäglichen Seelenleben der Menschen als analytisch-schonungsloser Ermittler menschlicher Widersprüche. Überzeugen kann man sich davon bis 27. November freitags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr. Am Freitag, 18. November, ist der Künstler von 19 bis 21 Uhr in der Ausstellung anwesend.
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