Ludwig der Bayer in Nabburg
Wittelsbacher König besucht Stadt vor 700 Jahren

Der Kerker: In der Burg Trausnitz im Tal war Gegenkönig Friedrich der Schöne 28 Monate lang gefangen. Bild: sef
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Nabburg
12.12.2015
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Die Aussöhnung: Einträchtig stehen Ludwig der Bayer (ganz rechts) und Friedrich der Schöne vor dem Altar und empfangen von einem barfüßigen Mönch die heilige Kommunion. Repro: sef

Ludwig der Bayer weilte am 12. Dezember 1315 erstmals in Nabburg. Der Besuchs dieses bedeutendsten Wittelsbacher Herrscher ist in Vergessenheit geraten. Weitaus bekannter sind seine Bezüge zu Trausnitz.

929 hielt sich Heinrich I., König des Ostfränkischen Reiches, auf der Rückkehr von Prag in Nabburg auf. Dieses außergewöhnliche Ereignis wurde 1930 (!) ausgiebig gefeiert. Kaum bekannt ist dagegen, dass vor genau 700 Jahren König Ludwig der Bayer, der bedeutendste Wittelsbacher Herrscher und spätere Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, mit seinem Hofstaat gleichfalls Nabburg mit seinem Besuch beehrte.

Ludwig IV. der Bayer - Friedrich der Schöne - Johannes XXII.: 2014 fand in Regensburg die Bayerische Landesausstellung statt. Sie dokumentierte die spannende Geschichte Ludwigs des Bayern, der 1314 in Frankfurt zum römischen König gewählt und in Aachen vom Erzbischof von Mainz gekrönt wurde. Bei Mühldorf besiegte der Wittelsbacher 1322 den Gegenkönig Friedrich den Schönen, den er bereits 1313 bei Gammelsdorf geschlagen hatte. Im Anschluss ließ er den Habsburger 28 Monate in der Burg Trausnitz im Tal einkerkern.

1328 erlangte Ludwig in Rom die Kaiserkrone und starb 1347 auf einem Jagdausflug. Wie im Mittelalter üblich, erledigte Ludwig IV., der als Reichsoberhaupt über keine feste Hauptstadt verfügte, die Regierungsgeschäfte auf dem Reiseweg. Auffallend ist, dass der König im ersten Jahrzehnt der Regentschaft den süddeutschen Raum um sein herzogliches Machtzentrum Oberbayern häufig aufsuchte. Eine bedeutsame Rolle fiel in dieser Ära auch Regensburg zu.

Reisekaiser


Verkehrsgünstig gelegen, öffnete die Stadt das Tor zum Nordgau mit Amberg als Zentrum der Eisenverhüttung und Waffenproduktion. Addiert man die Strecken, legte Ludwig mehr als 80 000 Kilometer zurück. Das bedeutet, dass er in seiner 33-jährigen Regierungszeit rechnerisch zweimal den Erdball umrundete - und das meist zu Pferde.

Auch Nabburg schenkte Ludwig der Bayer seine Aufmerksamkeit, hielt der doch um den 12. Dezember 1315 mit großem Gefolge Hof in ihren Mauern. Die Einwohner begegneten einem 33-jährigen Herrscher von schlanker, hoher Gestalt mit rotblondem Haar. Seine Augen waren groß und klar, die spitze Nase bog sich zum Kinn nieder und er schien immer zu lächeln. Der hohe Besuch mitten im Winter hatte seinen Grund: Die Stadt war nämlich neben Amberg und Burglengenfeld während der ersten Jahrzehnte des 14. Jahrhunderts Amtssitz eines oberbayerischen Vitztums nördlich der Donau. Dieser amtierte als Stellvertreter des Herzogs mit Gerichtskompetenz.

Geschenk an Wundsheimer


Vom Aufenthalt in Nabburg wissen wir durch eine Urkunde, die von der mitreisenden Hofkanzlei ausgefertigt wurde. Der Regest 169 fasst den Inhalt wie folgt zusammen: Am 12. Dezember 1315 gibt König Ludwig dem Ritter Ludwig von Wundsheim 10 Pfund Pfennige als Heimsteuer seiner Tochter anlässlich der Heirat mit Friedrich Eglofsreuter. Wundsheim liegt etwa 13 Kilometer nordwestlich von Neunburg vorm Wald. 1310 wurde es in einer Schenkung des Landgrafen Ulrich von Leuchtenberg erstmals als Edelsitz der adeligen Wundsheimer erwähnt.

Was veranlasste König Ludwig, dem Getreuen im Nordgau ein so großzügiges Geldgeschenk zu gewähren? Anzunehmen ist, dass er den Ritter für die tatkräftige Unterstützung samt Dienstmannen in der Schlacht bei Gammelsdorf 1313 belohnte. Mit dem wahrhaft königlichen Gunstbeweis konnte der Wundsheimer seiner Tochter Alheit eine noble Mitgift finanzieren.

Damit nicht genug: In den folgenden Jahren weilte Ludwig der Bayer noch zweimal in Nabburg, und zwar 1318 und 1324. Belegen lässt sich dies durch vier Urkunden, die er ebenfalls in der Nordgaustadt ausstellen ließ.
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