Ludwig Heigl, Mitbegründer des CSU-Ortsverbands, wird 100 Jahre alt
Täglich Turnen und junge Frau

Ludwig Heigl hat sich fit gehalten. Voller Lebensfreude feierte der einstige Pionier der Nabburger CSU seinen 100. Geburtstag. Bild: hfz
Vermischtes
Nabburg
19.09.2016
103
0

Nabburg/Markt Schwaben. "Dies ist eine Geschichte über einen Hundertjährigen, der täglich Gymnastik auf dem Spielplatz betreibt, das Grauen fotografierte, mit Pavarotti sang und sich in Madame Butterfly verliebte": So schrieb am Freitag die Ebersberger Zeitung über einen Mann, der seit dem Jahr 2000 am Kupferschmiedberg in Markt Schwaben (Oberbayern) wohnt, einst Mitbegründer des CSU-Ortsverbandes in Nabburg war und nun an diesem Tag seinen 100. Geburtstag feierte. Die Gratulanten im Brauhaus staunten über einen Senior, dessen Gesundheitszustand alleine schon ungeteilte Bewunderung auslösen kann.

Am 16. September 1916 kam Heigl in Schwabing zur Welt. Sein Vater war passionierter Turner und Pförtner vor dem Bibliotheksgebäude des Deutschen Museums, die Mutter Schneiderin. Schon früh kam er mit der Fotografie in Kontakt, hantierte mit zwölf Jahren sicher mit Chemikalien daheim im Labor und machte dieses Hobby später zum Beruf: Zuerst als Laborant, später als medizinischer Fotograf für die Dermatologische Klinik und Poliklinik der Universität München.

Es ging um die Dokumentation von allen möglichen Hautkrebsformen. "Das war nichts Schönes, das war das Fotografieren des Grauens", erinnert sich der Jubilar. Bilder für Fachbücher hat er in Massen beigesteuert, auch Vorträge gehalten.

Bevor es ihn beruflich nach München zog, lebte Ludwig Heigl von 1945 bis 1951 in der Hallerstraße in Nabburg. Nach dem Krieg hatte es ihn eher zufällig in die Stadt verschlagen, erzählte er uns geistig frisch am Telefon. In diesen sechs Jahren hinterließ er auch Spuren in der Oberpfalz. Er gehörte zu jener Handvoll Leute, die den Nabburger CSU-Ortsverband aus der Taufe hoben. Nach seinem Wegzug kam er noch ein paar Mal sporadisch nach Nabburg, vor allem um seinen Freund Dr. Anselm Schwägerl, den späteren Schulleiter des Gymnasiums, zu besuchen.

Mit 62 ging er schließlich in Rente. Wahre Ästhetik verschaffte ihm die Musik. Zuerst lernte Heigl Geige, dann entdeckte er mit gerade einmal 20 den Gesang für sich - mit italienischem Lehrer, täglichen Übungen und einer Vorliebe für die Musik von Verdi oder Puccini und Sängern wie Enrico Caruso oder Benimino Gigli. Sein musikalischer Lebenshöhepunkt als Sänger: Mitglied im Chor bei der Aufführung des Verdi-"Requiems" in Verona mit Pavarotti als Solist. Stolz ist Heigl bis heute, auch den Tenor Jonas Kaufmann persönlich kennengelernt zu haben.

Dass er 2006 am Schwabener Weiher innerhalb einer Hommage an Verdi den "Rigoletto" sang, brachte ihm nicht nur einen gewissen lokalen Bekanntheitsgrad ein, sondern auch die Ehrenmitgliedschaft im Theaterverein. Das Singen ist, ohne Frage, der eine Jungbrunnen im Leben des Hundertjährigen, sein Frühsport der andere. Ausnahmslos jeden Tag geht Ludwig Heigl vors Haus und turnt systematisch gymnastische Übungen auf dem Weiherspielplatz; ob mit oder ohne Zuschauer.

Als Jungbrunnen betrachtet Heigl seine zweite Frau Kyoko (74), eine Japanerin, die er bei einem psychologischen Vortrag in München kennenlernte und am 4. September 1975 heiratete. Sie sei so etwas wie seine persönliche Madame Butterfly, Namensgeberin seiner Lieblingsoper von Puccini, erklärt Heigl fast schelmisch. Eine "junge, gesunde Frau" sei ein ganz wichtiges Rezept, um alt werden zu können, fügt er verschmitzt an. In seinem Fall war es nicht zuletzt auch ihr Beruf. 36 Jahre lang arbeitete Kyoko als Ernährungs- und Diätberaterin. Ihr Erfolgsrezept: Nie einseitig essen. Viel Fisch, kein tierisches Fett, wenig Zucker und Alkohol. Am liebsten mediterran. Kein Wunder, dass Spaghetti mit Tomaten die Leibspeise des 100-Jährigen geworden sind.
Weitere Beiträge zu den Themen: 100. Geburtstag (14)CSU-Ortsverband Nabburg (4)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.