Olympischen Traum erfüllt

Gertraud Gietl war als Volunteer bei Olympia in Rio de Janeiro. Sie war für die Betreuung von Kameraleuten und Pressefotografen mit zuständig. Persönlich konnte sie dort den olympischen Gedanken erleben, zahlreiche Menschen kennenlernen und Freundschaften schließen. Sie bewunderte die Brasilianer, die trotz ihrer Armut die Menschen aus aller Welt freundlich empfingen und mit ihnen feierten. Bilder: pgi (2)
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Nabburg
01.09.2016
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Das Badminton-Stadion in der Olympia-Stadt Rio: Hier hatte die Nabburgerin ihre Einsätze als Volunteer.

Gertraud Gietl reist gerne und wollte immer schon einmal bei den Olympischen Spielen dabei sein. Deshalb musste es heuer unbedingt Rio sein. Sie schaffte es!

Das olympische Motto heißt ja: "Dabei sein ist alles." Sportlich war und ist es der 60-jährigen Grundschullehrerin aus Nabburg nicht mehr möglich. Also suchte sich Gertraud Gietl einen anderen Weg und fand ihn bei der Recherche im Internet unter der Seite der "Rio Volunteers". Dort bewarb sie sich und bekam eine Zusage, an den Spielen hautnah als freiwillige Helferin mitwirken zu dürfen. Sogleich erfolgten kostenlose Angebote, die Sprachkenntnisse in Englisch zu verbessern und außerdem die Landessprache Brasiliens, Portugiesisch, zu erlernen. Auch über Verhaltensweisen im sportlichen Umfeld und kulturelle Besonderheiten des südamerikanischen Landes gab es Anweisungen.

Wochenlang wartete sie auf Informationen über die Art ihrer Verwendung und vor allem über den Ort. In Rio gab es schließlich über 20 Wettkampfstätten, die weit voneinander entfernt liegen. So befindet sich das Maracanã-Stadion, in dem die Eröffnungsfeier, Leichtathletikwettbewerbe und die Schlusszeremonie stattfanden, etwa 40 Autokilometer vom Olympischen Dorf im Stadtteil Barra entfernt. Die Athleten wurden auf einer eigenen Autospur, die grün abgegrenzt war, mit speziellen Autos und Bussen zu ihren Wettkampfstätten gebracht. Hier fuhren auch die Schnellbusse, die nur Olympiabesucher transportierten und die Staatsrepräsentanten mit Polizei-Eskorten.

Vor etwa einem dreiviertel Jahr erfuhr die Nabburgerin, dass sie im "Riocentro" in der Badminton-Halle beim Fototeam zu arbeiten hat. Schnell buchte sie Flug und Unterkunft, die von den Volunteers selbst zu bezahlen sind. Viele brasilianische Familien überließen ihre Wohnungen während der Olympiade ausländischen Besuchern. Gietl hatte großes Glück und kam direkt gegenüber dem "Riocentro" unter, in dem sie täglich zu tun hatte.

Aufbruch mit Familie


Am 6. August kam - mitsamt der Familie - der Tag der Anreise nach Rio. Erste Sightseeing-Ausflüge standen nach der Ankunft auf dem Programm. Da durften der Zuckerhut mit der Seilbahn, der Corcovado mit der Christusstatue im Regenwald und der Caipirinha an der Copacapana ebensowenig fehlen wie der Samba im Lepa-Viertel. Bevor es an die Arbeit ging, war eine Uniform nötig: Shirt, Hose, Jacke, Socken, Schuhe, Kopfbedeckung und Tasche.

Nun konnte das Abenteuer als Helfer bei Olympia beginnen. Mit drei Kollegen, dem Amerikaner Brent, der Brasilianerin Mary und dem Tschechen Ondrej, hatte sie in der Halle die Fotografen zu ihren vorgeschriebenen Plätzen zu führen und darauf zu achten, dass sie genau eingehalten werden, damit die Athleten nicht gestört wurden. Es gab alle Hände voll zu tun, "vor allem weil manche Fotografen ganz nahe bei den Spielern sein wollten", wie sie erzählte.

Das Tollste war laut Gietl die Begeisterung der mitgereisten Fans, in der Badminton-Halle vor allem die der Asiaten. Sie wurden als sehr höfliche Menschen wahrgenommen, die jeden Tag freudig grüßten. Die deutschen Sportler kamen dort über die Gruppenspiele der Vorrunden nicht hinaus. Aus Europa schafften es nur ein dänisches und ein britisches Doppel ins Finale. Bei den Endspielen war die Stimmung am Kochen. Jeder Punkt wurde mit großem Jubel gefeiert. Gänsehaut-Feeling gab es bei der Verleihung der Medaillen und der anschließenden Nationalhymne unter dem Flaggenbanner.

Alles friedlich


"Nie kam eine Spur von Angst auf vor Anschlag, es gab keine gefährlichen Situationen. Die Spiele verliefen vollkommen friedlich", berichtete Gertraud Gietl nun nach ihrer Rückkehr und sprach von vielen Begegnungen: zum Beispiel mit kanadischen Schwimmern oder mitgereisten Fans des Würzburger Badminton-Spielers Michael Fuchs sowie der Sportjugend aus dem Rheinland, die die deutschen Stabhochspringer anfeuerte. Außerdem waren viele deutsche Anhänger der Teamsportarten Fußball, Handball und Hockey da.

Verschiedene Arbeitsbereiche hatten die etwa 70 000 Volunteers, die bei rund 500 verschiedenen Tätigkeiten halfen. Dazu zählte es, Zuschauerströme zu lenken, Veranstaltungslogistik zu erledigen oder VIP-Betreuung zu organisieren. Als Aufwandsentschädigung gab es kostenlose Mahlzeiten, freien Transport zum Einsatzort, eine Uniform und am Ende als besonderen Dank eine Teilnehmerurkunde. Neben der Olympia-Arbeit besuchte die Nabburgerin samt Familie noch weitere Sportveranstaltungen. Ein persönliches Highlight war für sie das Finale im Synchron-Turmspringen, das die Chinesinnen beeindruckend gewannen.

Ich wollte schon immer mal bei Olympia dabei sein. Als Sportlerin habe ich es nicht geschafft, dafür aber so.Gertraud Gietl


Volunteer-AuswahlVolunteers sind freiwillige Helfer, die in verschiedenen Formen die Spiele unterstützen. Schon zwei Jahre vorher musste sich Gertraud Gietl bei einem Internet-Portal anmelden. Nach der Bewerbung, die Lebenslauf, sportliche Interessen, beruflichen Werdegang und spezielle Kenntnisse abfragte, folgten nach mehreren E-Mails ein Sprachtest und ein Gruppen-Online-Interview mit vier anderen Bewerbern in Englisch. Sie sprachen über Einsatzmöglichkeiten und Gründe ihrer Bewerbung und durften sogar als Team einen eigenen Slogan für dieses Jahr entwerfen. Nach einem Jahr folgte dann mit dem "Letter of Invitation" die formelle Aufnahme ins Volunteer-Programm. (pgi)


Es war begeisternd, wie sich die vielen Nationalitäten friedlich begegnen. Sport verbindet. Egal, wer gewinnt.Gertraud Gietl
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