Parkplatz weckt Interesse der Archäologen
Domizil der ältesten Nabburger?

Der neue Parkplatz der Firma Gietl ist eine archäologische Fundgrube: Sebastian Wolf von der Firma ArcTron, Christoph Steinmann vom Landesamt für Denkmalpflege, Kurt Engelhardt, der Kreisheimatpfleger für Archäologie im Landkreis Schwandorf, Grundstücksbesitzer Christof Gietl und sein Sohn Titus (von links) präsentieren die bisherigen Ergebnisse der Grabungen. Bild: Völkl
Vermischtes
Nabburg
17.11.2016
344
0
 
Die Wandscherbe mit Riefen und Kornstichverzierung stammt wahrscheinlich aus der mittleren Bronzezeit (1600 bis 1300 vor Christus). Bild: ken

"Es könnte also sein, das hier die ältesten Nabburger gelebt haben", fasst Firmeninhaber Christof Gietl mit einem Blick über den Parkplatz zusammen. Dr. Christoph Steinmann vom Landesamt für Denkmalpflege und Kurt Engelhardt, Kreisheimatpfleger für Archäologie, widersprechen dieser "vorläufigen Beurteilung" nicht.

Christof Gietl, Inhaber der Bad & Heizung Christof Gietl & Sohn GmbH, baut derzeit einen großen Parkplatz mit 37 Stellflächen, Garagen, Containerplätzen und Ausstellungsfläche. Durch das Gelände führt eine Straße vom Gartenhäuslweg zum Ramgraben. Gietl will damit für Kunden und Mitarbeiter einfach mehr Platz schaffen.

Ein Bodendenkmal


Dass dieses 1400 Quadratmeter große Areal archäologisch interessant sein würde, war von vornherein klar: Laut Kurt Engelhardt liegt es innerhalb eines ausgewiesenen Bodendenkmals, birgt Funde des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Hinzu komme, dass aus dem nahen Umfeld Keramikfunde aus dem Frühmittelalter bekannt seien. Engelhardt nennt die Freifläche der Firma Danhauser sowie den Erweiterungbau der Raiffeisenbank. "Dabei handelt es sich um slawische Keramik aus dem 8./9. Jahrhundert nach Christus", so Kurt Engelhardt.

Als nun die Firma Gietl zu bauen begann, musste sie sich erst beim Landratsamt eine bodendenkmalrechtliche Erlaubnis einholen. Ein auf Ausgrabungen spezialisiertes Fachunternehmen, die Firma ArcTron aus Altenthann, wurde eingeschaltet. Auf der Baustelle ist der Humus abgezogen. Dunkle Flecken zeugen von Pfostenlöchern, die einst ausgehoben wurden, rötlich verfärbtes Erdreich von Feuerstellen. Christoph Steinmann spricht bei einem Ortstermin von 3500 Jahre alten Spuren menschlicher Besiedelung. Eine frühere Abfallgrube birgt Reste von Gebrauchsgegenständen aus der mittleren Bronzezeit.

Es gibt auch Spuren von einem Grubenhaus aus den Hochmittelalter (14./15. Jahrhundert nach Christus), das Steinmann in Zusammenhang mit der Kernstadt sieht. Eine flache Grube mit Pfosten, niedrigem Dach und Stufen in die Grube: Für Steinmann deutet das auf eine handwerkliche Stätte hin, in der wegen des feuchten Klimas Wolle gelagert und verarbeitet wurde.

Kurt Engelhardt hat bereits einige Funde gesäubert, darunter eine Wandscherbe aus dem frühen Mittelalter. Es handelt sich um Feinkeramik aus der Vorgeschichte, möglicherweise dem Frühlatene, 450 vor Christus bis Christi Geburt. Eine andere Wandscherbe mit Riefen und Kornstichverzierung datiert wahrscheinlich aus der mittleren Bronzezeit (1600 bis 1300 vor Christus), eine Randschere mit kantig nach außen gelegter Randlippe vermutlich aus der späten Bronzezeit (1300 bis 1200 vor Chr.) oder der Urnenfelderkultur (1200 bis 800 vor Chr.). Die Scherben eines Vorratsgefäßes sind vorgeschichtlich, vielleicht sogar germanisch.

Behutsames Arbeiten


Anfang November wurde unter der umsichtigen Bauleitung von Dipl.Ing. Werner Schrempel mit den Arbeiten am Parkplatz begonnen. Im Flachbereich wird der Unterboden untersucht, dann dokumentiert und mit einer Schutzschicht abgedeckt, bevor der Schotter für den Parkplatz aufgebracht wird. Kanal- und Wasserleitungen wurden in Absprache an den Rand gelegt. Wo das Gelände erhaben ist, werden laut Dr. Steinmann Querschnitte gelegt, die Funde geborgen und dokumentiert. Die Relikte aus der mittleren Bronzezeit sind jedenfalls "etwas Neues in diesem Stadtgebiet". Für Kurt Engelhardt steht fest: "Das ist die sicherlich älteste Fundstelle der Unterstadt".

Eigentümer der Funde ist Christof Gietl. Er muss als Besitzer des Grundstückes auch die Kosten der Grabungen tragen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.