Philipp Weber im Schmidt-Haus
"Onkel Rudi" mag kein Wasser

Bei Philipp Webers Auftritt im Schmidt-Haus drehte sich alles um den "Durst". Bild: kbw
Vermischtes
Nabburg
23.11.2016
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Drei Unterrichtsstunden Biologie und Chemie mit privaten Abschweifungen des Dozenten in einem überfüllten, stickigen Klassenzimmer. Wer denkt da nicht mit Grausen an seine Schulzeit zurück? Es geht aber auch anders, wenn der "Professor" Philipp Weber heißt und sich als junger, dynamischer Pauker mit Maximalhumor erweist. Den an sich trockenen Sachverhalt vermittelt er extrem lebensnah und sprudelnd.

"Durst - Warten auf Merlot" ist sein Thema im prall gefüllten Gewölbe des Nabburger Schmidt-Hauses. Es geht generell um Flüssigkeiten alkoholischer und nichtalkoholischer Art, denen sich der studierte Chemiker auf Weber'sche Art widmet. Zwar beschränkt sich seine Darbietung, als Kabarettist kaum anders möglich, auf Frontalunterricht, er gibt sich seinem Publikum aber sehr offen, reagiert auf Fragen und Einwürfe äußerst spontan und witzig. So entwickeln sich wunderbare Dialoge, ein positives Verhältnis und höchste Aufmerksamkeit im Auditorium.

Wasser für 100 Euro


Was und wie soll der Mensch trinken? Weber nimmt zunächst den Umgang mit dem für die Herstellung von Produkten benötigten Wasser aufs Korn. Er beschreibt "Wasserkarten" in Luxusrestaurants, in denen Importe aus Norwegen, England, Japan, eine Flasche von den Fiji-Inseln mit Swarowskikristallen zu 100 Euro angeboten werden. Neben den Exoten stellt er "Aqua Luna", bei Vollmond abgefüllt, vor. Das bekannte "Bon Aqua" entlarvt Weber als abgefülltes französisches Leitungswasser.

Softdrinks mit hohem Zuckeranteil wie "Red Bull" definiert der Münchner auf seine ureigene Weise in Anspielung auf das darin enthaltene Taurin als "Morgenurin eines zuckerkranken Gummibärchens". Auch Fruchtsäfte hat er augenzwinkernd im Visier: "Ein Mango-Kiwi Duschbad hat einen größeren Fruchtanteil als eine Flasche Fruchtnektar!"

Umgang mit dem Alkohol


Mit "Onkel Rudi" und Webers persönlichen Erfahrungen als Jugendlicher im fränkischen Amorbach geht es dann um die Frage: Kann man mit Alkohol vernünftig umgehen? "Onkel Rudi", die Bühnenfigur mit ordentlichem Alkoholkonsum, ist ein liebenswerter Kerl, ein Beispiel für den gesellschaftlichen Umgang mit Alkohol: "Wenn Gott gewollt hätte, dass der Mensch Wasser trinkt, hätte er nicht so viel davon gesalzen!"

Den Rausch bearbeitet Weber intensiv unter vielen Aspekten - sei es die körperliche Wirkung, Abhängigkeit, Straßenverkehr oder psychologisch, medizinischen Wirkungen. "Ein paar Schnäpse ermöglichen mir, mich eloquent zu fühlen, ohne es aussprechen zu können!"

"Durst - Warten auf Merlot" ist eine begeisternd, kurzweilige Abendschule mit einer Unzahl an Fakten, geleitet von einem quirligen, zeitkritischen Dozenten mit extrem viel Hintergrund. Pädagogik ganz ohne drohenden Zeigefinger oder gar moralische Empörung.
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