Sanierung erhitzt die Gemüter

Die Sitzung des Wasserzweckverbands Brudersdorfer Gruppe erlebte auch diesmal wieder enormen Andrang. Der ganze Ratssaal war voller Zuhörer, die mitbekommen wollten, was die Handvoll Verbandsräte (am Tisch, mit Unterlagen) beschließen würden. Bilder: Dobler (2)
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Nabburg
29.10.2016
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Nicht nur das Hinweisschild auf einen Hydranten an der Kreisstraße SAD 27 bei Lissenthan ist marode, auch die zugehörige Wasserleitung. Sie soll nun mit dem Neubau der beschädigten Straße erneuert werden.

Selten hat eine Zweckverbandssitzung so viele Zuhörer wie die des Wasserzweckverbands Brudersdorfer Gruppe. Der Name des kleinen Gremiums klingt langweilig, seine Themen sind Dynamit. Zumindest für die zahlreichen Betroffenen. Wie immer geht es um Geld.

/Schmidgaden. Das Streitthema im Zweckverband ist die Erneuerung der über 30 Kilometer langen, alten Wasserleitungen, die sich die nächsten 20 Jahre hinziehen soll und bei der allein der erste von drei Bauabschnitten mit drei Millionen Euro veranschlagt ist. Geld, das in Form von sogenannten Verbesserungsbeiträgen auf die Bürger umgelegt werden muss.

Die Leitungen sind überwiegend aus Asbestzement, was seit 1995 nicht mehr zulässig ist, und sie brechen schnell. So haben die beteiligten Kommunen - Nabburg, Schmidgaden, Schnaittenbach - mit dauernden Rohrbrüchen und enormen Wasserverlusten zu kämpfen; 17 Millionen Liter versickern pro Jahr einfach in der Erde.

Die Sanierung der Leitungen hat zwischenzeitlich begonnen, vollendet ist sie zwischen Diepoltshof und Passelsdorf (Stadt Nabburg), sowie in Hohersdorf (Gemeinde Schmidgaden) und Windpaissing (Stadt Nabburg). "Für die restlichen Sanierungsmaßnahmen des Bauabschnitts eins sind die Planungen weitgehend fertiggestellt, so dass zeitnah eine Ausschreibung erfolgen könnte", sagte Zweckverbandsgeschäftsführer Hans Werner und nannte die Ortsbereiche in Rottendorf ohne Siedlungen, Inzendorf, Kadermühle, Obersteinbach, Ragenhof, Fraunberg und Passelsdorf.

Gericht muss entscheiden


Doch es geht nicht mehr voran, nachdem Verbandsrat Christian Pröls (Schmidgaden-Rottendorf) im April dieses Jahres 63 Widersprüche gegen das Vorhaben und eine Klage vor dem Verwaltungsgericht initiiert hatte. "Das führt zu deutlichen Verzögerungen bei der Ausschreibung der restlichen Sanierungsmaßnahmen", informierte Werner.

Wie er ausführte, werde "erstaunlicherweise mit der Klage auch die Sanierungsplanung des Zweckverbandes angegriffen, obwohl die vorgestellten Planungsabschnitte des Bauabschnitts eins jeweils einstimmig beschlossen wurden". Da die Klage auf ein "grundlegend anderes Versorgungskonzept" abziele, müssten die weitgehend abgeschlossenen, bisherigen Planungen in wesentlichen Teilen verworfen und eine kostspielige Umplanung in Auftrag gegeben werden.

Allerdings machte Werner den Protestierenden wenig Hoffnung auf Erfolg. Denn es gab Ende August ein Gespräch mit dem Landrat und der Rechtsaufsicht im Landratsamt zu diesem Thema "und die gehen d'accord mit uns und würden die Widersprüche abweisen". Was allerdings noch nicht geschah, weil eben eine Klage anhängig sei.

Mit 7:1 zeigten die Räte in der Sitzung relative Einigkeit, als es um das Vorziehen eines Sanierungsabschnitts aus dem Bauabschnitt drei in den Bauabschnitt eins ging. Denn der Landkreis will die Kreisstraße SAD 27 zwischen Lissenthan und der Autobahn A 6 erneuern. Wenn der Zweckverband gleichzeitig die in der Straße verlegten Asbestzementrohre auswechsle, käme das mit Kosten von 166 000 Euro vergleichsweise billig. Das erschien sinnvoll, so gab es grünes Licht.

Die Verbandsräte Florian Burth (Schmidgaden-Inzendorf) und Christian Pröls regten an, dass der Zweckverband sich an den Landkreis wendet, damit der eine Kostenbeteiligung bei der Um- und Neuverlegung der Wasserleitung im Bereich der SAD 27 gewährt, da der Straßenbau ursächlich sei für die Leitungsumlegung. Burth bemängelte überdies, dass die Planung an das Ingenieurbüro Seuss vergeben werden soll. Er regte an, Gegenangebote einzuholen. "Hierdurch entstehen keine Kosten für den Zweckverband, es kann aber vielleicht billiger an einen anderen Planer vergeben werden." Das wird der Zweckverband jetzt auch machen.

"Im Januar Versammlung"


Bei der Beratung über den Verlauf der Leitungssanierung und der Erhebung einer weiteren Vorauszahlung auf den Verbesserungsbeitrag stellte Pröls stellt fest, dass die Auftragsvergabe schon in der letzten Sitzung beschlossen wurde, aber durch Verbandsvorsitzenden Bürgermeister Armin Schärtl (Nabburg) noch nicht umgesetzt wurde.

Bürgermeister Josef Deichl (Schmidgaden) entgegnete daraufhin, dass im Moment nicht ausgeschrieben werde, da seine Gemeinde noch keine Planung für die Straßensanierung in Rottendorf und Inzendorf vorlegen könne: "Im Januar gibt es eine Versammlung mit den betroffenen Bürgern, welche Art der Straßen-Wiederherstellung sie nach dem Kanalbau wünschen."

Das führt zu deutlichen Verzögerungen bei der Ausschreibung der restlichen Sanierungsmaßnahmen.Zweckverbandsgeschäftsführer Hans Werner zu den 63 Widersprüchen und einer Verwaltungsgerichtsklage
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