Türmer-Grab in Trümmern

Vermischtes
Nabburg
29.10.2016
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Der Nabburger Stadtfriedhof ist reich an historisch bedeutsamen Grabdenkmälern, die es für die Nachwelt zu erhalten gilt. Zu ihnen zählt zweifellos die Ruhestätte Nr. 159 des letzten Türmers und hauptamtlichen Musikmeisters Peter Schriml.

Auf dem Granitstein steht eine ausdrucksvoll gestaltete Skulptur gleicher Größe, die eine Momentaufnahme des Kreuzwegs thematisiert und damit ein Alleinstellungsmerkmal besitzt: Der mit Dornen gekrönte Jesus schöpft neue Kraft, indem er einen Augenblick stehen bleibt und geradezu liebevoll das Kreuz umfasst. Leider wurde die eingelassene Glasplatte mit den Inschriften in letzter Zeit zerstört. Die Scherben liegen verstreut am Boden.

Einen bedeutsamen Auftritt hatte die Stadtkapelle Nabburg am 12. November 1913. Unter Leitung Peter Schrimls umrahmte sie die lokalen Feierlichkeiten anlässlich der Thronbesteigung König Ludwigs III. Nach dem Hochamt zog die Bevölkerung unter klingendem Spiel der Musikanten zum Gasthof Post ("Schwane"), der mittlerweile abgerissen wurde. Beim Frühschoppen war erneut das Können der Instrumentalisten und des Dirigenten gefragt. Den Höhepunkt bildete die Königshymne, die unter Musikbegleitung inbrünstig geschmettert wurde.

Peter Schriml stammte aus Waldthurn, wo er am 7. März 1860 als Sohn des Türmers Bartholomäus Schriml geboren wurde. Seine aktive Militärdienstzeit absolvierte er von 1880 bis 1883 beim 6. Bayerischen Infanterie-Regiment in Amberg. Anschließend wirkte er zehn Jahre als Türmer und Musikmeister in seinem Heimatort und wechselte 1893 als städtischer Musikmeister nach Vohenstrauß. 1910 bewarb er sich mit drei Konkurrenten um die Türmer- und Musikmeisterstelle in Nabburg, die seit dem Rücktritt Martin Fidels anno 1907 vakant war. Am 12. Januar 1911 befürwortete der Magistrat auf Empfehlung des Benefiziaten Joseph Poll und des Lehrers Max Stoll sein Gesuch. Sie hatten konstatiert: "Peter Schriml wird von allen Seiten als ausgezeichneter Charakter und vorzüglicher Musiker gewürdigt."

Der neue Türmer und Musikmeister, der alle gängigen Blas- und Streichinstrumente beherrschte, hatte für eine jährliche Entlohnung von 1000 Mark viele Aufgaben zu erledigen:

An den Maivormittagen um 10 Uhr vom Pfarrkirchenturm aus mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage und Freitage den Mai anblasen.

Altem Brauch gemäß zu Neujahr, Ostern, Pfingsten und Weihnachten um 6 Uhr vom Pfarrkirchenturm den Morgensegen blasen

Mit seiner Musikkapelle das Ansehen der Stadt mehren, wenn an Sommersonntagen öfters Parademusik stattfindet

Kindern der hiesigen Einwohnerschaft Musikunterricht erteilen

Im Kirchenchor Instrumentalmusik beisteuern

Einen Turmwächter bezahlen, wenn er selbst nicht auf dem Kirchturm wohnt. Der Turmwächter musste bei Tag und Nacht nach besonderen Vorkommnissen Ausschau halten und sie sofort melden. Am 15. Februar 1912 wurde aber die Turmwache aufgehoben.

1925 ging Peter Schriml 65-jährig in den Ruhestand, trat aber noch lange danach mit seiner Kapelle auf und starb am 20. Oktober 1942. 1938 hatte Georg Götz, einer von zahlreichen Schülern Schrimls, nebenamtlich die städtische Musikmeisterstelle übernommen.
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