Vor 25 Jahren starb Opernsänger Rudolf Stoll aus Nabburg
Strahlender Tenor in großen Gesangsrollen

Sänger Rudolf Stoll in einer seiner Opern-Rollen. Repro: sef
Vermischtes
Nabburg
18.08.2016
46
0

Am 16. März 1911 erblickte Rudolf Stoll in Nabburg das Licht der Welt. Nach dem Besuch der Volksschule, wo sein Vater Max Schulleiter war, trat er 1921 in das Alte Gymnasium Regensburg über. Schon hier blitzte seine herausragende musikalische Begabung auf. Er war Sankt Emmeramer Singknabe, der gelegentlich auch bei den Domspatzen als Sopransolist mitwirkte. So verwundert es nicht, dass nach dem Abitur eine Künstlerkarriere vorprogrammiert war. Parallel zum Studium in der Lehrerbildungsanstalt Amberg unterzog er sich einer Gesangsausbildung.

Engagement am Stadttheater


Die hoffnungsvolle Entwicklung unterbrach der Zweite Weltkrieg. Matrose Rudolf Stoll konnte aber seiner Neigung treu bleiben, indem er auf Freizeitbühnen von Helgoland bis Lorient zur Soldatenunterhaltung beitrug. 1946 schloss er mit Mathilde Oppl aus Kemnath am Buchberg die Ehe, aus der zwei Töchter hervorgingen. 1947 folgte die Berufung an das Stadttheater Regensburg als erster lyrischer Tenor. Am 23. Oktober 1947 saßen unerwartete Besucher im Theater: Aus Nabburg war erstmals (und später häufig) ein Bus voller Fans angereist, um "ihren Rudi" als Herzog in "Rigoletto" zu erleben. Nicht nur sie, sondern auch die Kritiker waren vom Debüt begeistert: Nun begann die Glanzzeit des neuen Tenors. Binnen sechs Jahren gelang es ihm, 20 große Opernpartien zu beherrschen und das Publikum zu Ovationen hinzureißen. Zum Repertoire gehörten der Belmonte (Entführung aus dem Serail), Tamino (Zauberflöte), Don José (Carmen), Faust (Margarethe), Manrico (Troubadour), Radames (Aida), Rudolf (La Bohème), Cavaradossi (Tosca), Linkerton (Butterfly) und Cassio (Othello). Überraschend nahm Rudolf Stoll 1953 Abschied vom festen Engagement am Stadttheater und übte den erlernten Lehrerberuf aus. Zuletzt leitete er bis 1976 die Hans-Hermann-Grundschule Regensburg.

Treue zur Geburtsstadt


Zeitlebens fühlte sich Rudolf Stoll, der 1950 nach Regensburg umzog, mit seiner Heimatstadt verbunden. Häufig war er umjubelter Star von Konzerten, die in der TV-Turnhalle, im Jugendwerk und Hotel Post ("Schwane") angesetzt waren. Auf dem Klavier begleiteten ihn Dr. Anselm Schwägerl und Anton Schreiner. Souverän gab der gebürtige Nabburger Opern-, Operettenarien und Kunstlieder zum Besten und begeisterte die Besucher mit seiner strahlenden Stimme. Das Oratorium "Die sieben Worte des Erlösers am Kreuze" von Joseph Haydn wurde 1961 in der Stadtpfarrkirche aufgeführt. Unter Leitung von Nepomuk Desing bescherten die Kirchenchöre Vohenstrauß und Nabburg, das Orchester des Theaters und vier Solisten - unter ihnen Tenor Rudolf Stoll - einen ergreifenden Genuss. Am 18. August 1991 - wenige Monate nach seinem 80. Geburtstag - starb Stoll.
Weitere Beiträge zu den Themen: Todestag (8)Rudolf Stoll (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.