Fusion scheitert an der Frage des juristischen Sitzes
Gescheiterte Fusion zweier Raiffeisenbanken

Die Raiffeisenbank im Naabtal - hier ein Teil ihres Hauptstellengebäudes an der Georgenstraße in Nabburg - bleibt eigenständig. Die zunächst mit großer Zuversicht angegangene Fusion mit der Schwesterbank in Weiden ist geplatzt. Bild: Amann
Wirtschaft
Nabburg
21.01.2016
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Die Fusion der Raiffeisenbanken im Naabtal und in Weiden ist gescheitert. "Beide Genossenschaftsbanken sind gut aufgestellt und widmen sich nun jeweils mit ihrer ganzen Kraft der eigenen Weiterentwicklung", heißt es in einer Pressemitteilung des Vorstandssprechers der Raiffeisenbank im Naabtal, Bernhard Werner. In einem Gespräch mit der NT-Redaktion verdeutlichte er am Donnerstag, dass der juristische Sitz des neuen Gebildes der Knackpunkt war. Darüber ließ sich keine Einigung erzielen.

Im November war bekannt geworden, dass die Raiffeisenbank im Naabtal eG mit der Raiffeisenbank Weiden eG in Fusionsverhandlungen steht (wir berichteten ausführlich). In den zurückliegenden Wochen wurden in den Fusionsgesprächen betriebswirtschaftliche, organisatorische und strategische Themen miteinander diskutiert. Im Ergebnis sei bei vielen Punkten eine Einigkeit in der künftigen Ausrichtung der neuen Bank erzielt worden, gab Bankdirektor Werner zu verstehen. Allerdings habe man bei wesentlichen Fragen zur Neugestaltung des Fusionshauses keinen gemeinsamen Nenner erreicht. Dies führte unter dem Strich dazu, dass die Verhandlungen einvernehmlich beendet wurden.

Konflikt unüberbrückbar


Die Raiffeisenbank im Naabtal mit Sitz in Nabburg stellt mit ihrer deutlich besseren Eigenkapitalausstattung die wirtschaftlich stärkere der beiden Banken dar. Die Weidener Bank gilt hingegen mit ihrer Bilanzsumme von rund 770 Millionen Euro als die größere (Naabtal: 670 Millionen). Weiden hätte folglich, so Werner, die Bank im Naabtal übernommen und den wirtschaftlichen Sitz erhalten, während der als höherwertig geltende juristische Sitz nach Nabburg gegangen wäre. Nach erfolgter Einschätzung der Lage wäre jedoch nicht sicher gewesen, ob die Weidener Bank dafür in ihrer Vertreterversammlung die erforderliche Mehrheit bekommen hätte.

Somit kristallisierten sich zwei Interessenskonflikte heraus: Weiden als Hochschulstandort pochte auf den juristischen Sitz, die Bank im Naabtal konnte es nicht akzeptieren, dass er aus dem Landkreis Schwandorf hinaus verlagert wird. An dieser Stelle ging es schließlich nicht mehr weiter, obwohl beide Banken zwei gleichwertige Hauptstellen bekommen hätten. "Schade, aber leider nicht zu ändern", sagte Werner dazu.

Für die Raiffeisenbank im Naabtal bedeutet dies laut Vorstand Bernhard Werner, dass man die Geschicke weiterhin mit Mitgliedern und Vertretern eigenständig und aktiv gestalten wird. Die Bank beschäftigt zusammen mit ihrer Warenhaus-GmbH knapp 200 Mitarbeiter. Falls es neue strategische Optionen gäbe, werde man sie prüfen, wobei Werner gleich hinzufügte: Im Moment stünden keine Fusionsüberlegungen mit anderen Banken im Raum.
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