Nabburg: Großes Wachstum beim Absolute Vegan Empire - AVE zieht um
Marktführer in der Nische

Im Frühjahr wird AVE in die neuen Gebäude an der Siemensstraße in Nabburg umziehen. Derzeit werden die Tore eingebaut. Bilder: Held (3)
Wirtschaft
Nabburg
09.01.2015
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"Es ist sehr, sehr schwer, Fachkräfte in die Oberpfalz zu locken", sagt John Galert.

Platzmäßig arbeitet Absolute Vegan Empire (AVE) an der Alten Naab am Anschlag. Die Lager des Groß- und Einzelhändlers für vegane Lebensmittel sind auf mehrere Orte verteilt. Sich vegan zu ernähren, boomt. Die Nachfolger des im vergangenen September verstorbenen Firmengründers Tobias Graf werden nicht übermütig, sondern wollen natürlich wachsen.

Mit dem Umzug in die neuen Hallen in Diendorf verspricht der neue Geschäftsführer John Gahlert: "Bei gleicher Manpower und verbesserter Logistik versuchen wir die Produktivität zu verdoppeln." Die Räume an der Alten Naab sind Firmeneigentum und werden nicht aufgegeben, nur die angemieteten Räume braucht es nach dem Umzug nicht mehr. An der Alten Naab wurden mittlerweile Container aufgestellt, um das Geschäft am Laufen zu halten.

Mehr Personal

Mit dem Umzug soll auch der Mitarbeiterstamm nach und nach vergrößert werden. Das Empire wächst räumlich und personell. Derzeit arbeiten in Nabburg etwa 70 Leute bei AVE. Dazu kommen Experten in ganz Deutschland, "Der Designer sitzt in Göppingen, das Online-Marketing in München und Dortmund." Der Thüringer Gahlert ist seit einem Jahr bei AVE und sollte als zweiter Geschäftsführer neben Graf die Einzelhandelskunden und den Online-Shop betreuen. Dann kam schnell alles ganz anders. Nach dem überraschenden Tod von Graf ist dessen Witwe Heike Eigentümerin und Gahlert Geschäftsführer. Stephan Scherer, seit Oktober 2012 bei AVE, ist für das Produktmanagement und die Eigenmarken, das heißt auch für Warenbeschaffung und den Einkauf, verantwortlich.

"Das Wissen ist nicht nur auf eine Schulter verteilt. Wir haben uns breiter aufgestellt und den Übergang geschafft": Gahlert will sich nicht selber zu sehr loben, stolz kann er allemal sein, auf sich und das Team. Keiner ist von Bord gegangen. Trotz all der Trauer sah Gahlert in den Augen einiger Mitarbeiter im September auch Existenzangst und die unausgesprochene Frage: Wie geht es weiter? "Aber wir bleiben regional, nachhaltig und sozial."

Regionaler Mittelständler

Gahlert und Scherer verstehen AVE als regionalen Mittelständler, der weltweit agiert, und haben Grafs Credo des partnerschaftlichen Arbeitens verinnerlicht. Scherer nennt ein Beispiel. "Das Gros der veganen Hersteller ist noch nicht auf den Massenmarkt vorbereitet." Also heißt es hier, kleine Schritte zu gehen. Der Wechsel von Handarbeit zu maschineller Fertigung sei wohl überlegt, weil teuer. Die meist verkauften Produkte bei AVE sind Käse und Schokolade.

Die AVE-Verantwortlichen setzen selbst auf natürliches Wachstum. Vegane Ernährung als Trendthema trübt nicht ihren Blick auf die Realität, dass jeder Boom mal ein Ende hat. Aber dann soll AVE so verankert sein, dass der Markt nicht einbricht, dann sollte vegan selbstverständlich und nicht mehr unnormal sein. Sie wollen vegan in der deutschen Gesellschaft etablieren, sehen sich aber gleichzeitig als Mittelständler in der Nische. Seiner regionalen Verantwortung wird der Mittelständler AVE auch dadurch gerecht, dass er 2015 erstmals Außenhandelskaufleute und Logistiker ausbildet. Das soll in den nächsten Jahren beibehalten werden. "Man gibt der Region etwas zurück und hat auch selbst etwas davon, denn es gibt nichts Besseres, als den im eigenen Haus ausgebildeten Mitarbeiter", sind Gahlert und Scherer überzeugt.

Heimatverbundene Schulabgänger könnten so in der Region bleiben, denn im Gegenzug sei es sehr, sehr schwer, Fachleute in die Oberpfalz zu locken. Gahlert als Thüringer und Scherer aus Karlsruhe stammend, kamen nur durch persönliche Kontakte zu Graf in die Oberpfalz. Nach einer Eingewöhnungsphase wissen sie inzwischen den eigenen Charme der Oberpfalz zu schätzen.
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