Einweihung des neu gebauten Gotteshauses
Der Teufel bemüht sich vergeblich

Wohl eher unbewusst nehmen Besucher der Pfarrkirche Neualbenreuth das Böse in den Griff. Bilder: privat
Kultur
Neualbenreuth
19.12.2014
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Der Bauherr von 1733 - die Reichsstadt Eger - hatte eine Kirche hingestellt, wie sie in ihrer Signalwirkung größer nicht sein konnte. Das Gotteshaus ist das größte Weihnachtsgeschenk in der Geschichte des Kirchdorfes.

Vor einem Jahr auf den Tag genau und an gleicher Stelle war anlässlich der 280. Wiederkehr der Einweihung des neu gebauten Gotteshauses dessen hohe Symbolkraft vorgestellt worden. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 hatten zwei Generationen der Neualbenreuther Pfarrkinder mit einem verfallenden Kirchlein vorlieb nehmen müssen.

In einer Scheune

Der Gottesdienst musste zuletzt notdürftig in einer Scheune abgehalten werden. Der Neubau der egerischen Kapplkirche bei Ottengrün ging seiner Vollendung entgegen. Die Waldsassener Stiftskirche prangte als barockes Schmuckstück seit 20 Jahren inmitten des dortigen Klosters, als Eger in Neualbenreuth einen Kirchenneubau beschloss. Groß und prunkvoll sollte sie werden - angemessen der Stellung Neualbenreuths als Hauptort der Fraisch und der Bedeutung der Kaiserstadt Eger als Bauherrn in Land, Diözese, Reich.

Den Neualbenreuthern muss der 19. Dezember 1733 wie das Weihnachtswunder selbst vorgekommen sein, als Abt Eugen Schmid in Anwesenheit der Egerer Ratsherren die Kirche "St. Laurentius" weihte und sie dem örtlichen Pfarrer Brusch mit seinen Pfarrkindern als zukünftige religiös-kirchliche Heimat übergab. Es war das größte Weihnachtsgeschenk für Pfarrei und Ort bis heute, auch wenn der Turm erst 50 Jahre später dazu gebaut wurde.

Der Andächtige wie der Neugierige, der besinnlich wie flüchtig Verweilende, der tief Gläubige wie der Zweifler: Besucher sollten in Figur, Bild und Farbe neben dem Wort des Pfarrers Aussagen der katholisch-christlichen Glaubenslehre in der Betrachtung sich selbst erschließen können. Der Bauherr hatte großen Wert darauf gelegt, dass der Innenraum Teil der Verkündigung wurde.

Das mächtig gemalte Szenarium der Ermordung des Kirchenpatrons Laurentius gemeinsam mit dem Zweitpatron St. Stephanus in der Apsis, die mit üppigen Details ausgestaltete Kanzel oder das durch seine Graumalerei zeitlich entrückte Geschehen des Alten Testaments, alles hat das Wort Gottes und der Kirche auf seine Weise parat. Selbst der Teufel wurde nicht vergessen.

Im NT-Beitrag vor einem Jahr waren Besucher aufgefordert worden, sich in der Neualbenreuther Kirche auf die Suche nach dem Teufel zu machen. Vom Bauherrn war er nicht vergessen worden. Im geweihten Innenraum allerdings ist er nicht zu finden. Dafür aber, ganz im Sinne der theologischen Auffassung von Kirchenbaukunst früherer Zeit, gleich an der unmittelbaren Grenze vom weltlichen, sündig-dunklen Machtbereich des Bösen draußen im Norden.

Gewissermaßen vor dem letzten Schritt über die Türschwelle hinein zu Andacht, Lobpreis, Buße und Reue will der Teufel seit 1733 den Besucher Gott abspenstig machen, abhalten vom Einflussbereich alles Heiligen. Besucher hatten ihn - geradezu "auf den letzten Drücker" im wörtlichen Sinne - unbewusst schon tausendfach im Griff und ebenso oft auch überwunden: In frohem Glaubensmut und als ein mit Sünden schwer beladenes Beichtkind.

Auch Generationen früher mussten immer wieder neu gegen ihn angehen, wenn sie ins Kircheninnere wollten. Der Satan von heute zeigt sich zwar auch andernorts und in moderneren, viel hinterlistigeren Formen als früher. Aber die teuflische Raubtierfratze am Türgriff der beiden Außentore der Kirche erinnert bei jedem Kirchenbesuch an seine Allgegenwart auf Erden.

Überzeugte Pfarrkinder

So trifft es sich gut, dass zum 281. Kirchweihfest heute, 19. Dezember, die Dokumentation "Priester und Ordensleute aus Neualbenreuth und Ottengrün" erscheint. Es waren 17 überzeugte Pfarrkinder aus den eigenen Reihen, die den Mut hatten, in Bayern, Deutschland, Europa und Asien genau das zu ihrem Lebensziel zu machen, was der Teufel an der Neualbenreuther Kirchtüre schon immer verhindern wollte: Die Verbreitung des christlichen Glaubens in Wort und Tat draußen in der Welt, (Info-Kasten)
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