Arbeiter im Weinberg Gottes

Noch nicht einmal 66 Jahre alt war Pater Berthold Schnurrer, als im November 1976 in Linz eine schwere Krankheit sein Wirken beendete. Durch die alljährlichen Besuche bei seinen Verwandten in Ernest-grün und Ottengrün fand er stets große materielle Unterstützung für seine klösterlichen Pro-jekte. Das Bild zeigt ihn links während eines Besuches in Ernestgrün "beim Querl" in den 60er Jahren mit einem Mitbruder inmitten seiner Verwandten. Bild: hfz
Lokales
Neualbenreuth
24.10.2014
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Das Werk wird beim Pfarrfamilienabend am Samstag vorgestellt: Meinhard Köstler und Georg Frank haben 70 Seiten interessante Heimatgeschichte verfasst - eine Dokumentation über Priester und Ordensleute aus der Doppelpfarrei Neualbenreuth und Ottengrün.

Rechtzeitig zum Kirchweihfest ist das Buch fertig. Darin erfasst sind alle einheimischen Priester, Patres und Klosterschwestern von 1885 bis 2014, darunter auch Missionare in Neuguinea und Indien. Aus Neumugl stammende Personen sind ebenfalls enthalten. Denn dieses böhmische Dorf gehörte seit 1787 bis 1945 pfarrlich zur Expositur Ottengrün.

Neben den 16 Lebenswerken werden auch all jene Priester vorgestellt, die hier einmal tätig waren oder vor 1900 als Neualbenreuther auswärts ihren Dienst taten.

Begnadeter Manager Gottes

Von den fünf dokumentierten Männern ist der Neumugler Berthold Schnurrer der markanteste. Gekannt haben ihn vielleicht nur die Ottengrüner und Ernestgrüner - als den "Adlhansl-" oder "Martin-Pater". Das Geburtshaus seines Vaters stand in Neumugl - Sprungbrett ins Klosterleben wurde ihm jedoch Regensburg.

Nach dem Gymnasium trat er der Wiener Provinz der Kapuziner bei und wurde 1937 in Linz zum Priester geweiht. Der 2. Weltkrieg hatte ihn von Wien aus als Sanitätssoldat bis Stalingrad geführt. Vom Klosterwein über landesweite Gebetswochen bis zu Kühlschränken und Satzungen für junge Franziskanerinnen managte er alles - robust und energisch, ein mitreißender Typ. Nach der Leitung der Kapuziner in Klagenfurt ab 1955 kehrte er als Ordensoberer nach Linz zurück und schuf ein Provinzhaus für junge Männer.

Die vor 150 Jahren als Reaktion auf die Industrialisierung entstandene soziale Frage hatte neue klösterliche Organisationsformen entstehen lassen, die Frauenkongregationen. Der Zulauf war enorm - durchschnittlich alle 6 Monate entstand eine neue Organisation. Im Bistum Regensburg stieg die Zahl ihrer Niederlassungen im Jahr 1900 von 193 mit 1912 Einzelpersonen bis 1965 auf 455 mit über 5000 Schwestern an.

Keine Notlösung

Der Eintritt in solche neue klösterliche Organisationsformen bot vor allem jungen Frauen aus dem ländlichen Raum eine erstrebenswerte Lebensperspektive. Es war eine echte Alternative zu Ehe und Familie. Schwester zu werden war im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts also keine Notlösung für Frauen, die auf dem Heiratsmarkt "übrig geblieben" waren. Alle 11 in der Schrift dokumentierten Frauen aus Neualbenreuth und Ottengrün sind Bauerntöchter. Außer den beiden Schachtener Zisterzienserinnen als Nonnen waren von den 11 Frauen alle anderen in solche neue Schwesterngemeinschaften eingetreten. Sie wurden im pflegerischen, pädagogischen und medizinischen Bereich vollwertige Kräfte in Kloster und Gemeinde.

5 davon wurden Mitglied der "Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie", bekannt als Mallersdorfer Schwestern. Diese waren in der Heimat am bekanntesten. Zwei Frauen wurden "Arme Schulschwestern" und damit Teil des größten weiblichen Schulordens der katholischen Kirche.

Missionsschwester in Indien

Die Neualbenreutherin Franziska Lippert und Rosemarie Schnurrer aus Neumugl waren "Englische Fräulein" der Maria-Ward-Schwestern geworden. Franziska wurde Krankenschwester in Bamberg und Bad Homburg, Rosemarie ging als Missionsschwester nach Nordindien.
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