Attraktive Ziele am Tillen

Dieses Foto von 1928 ist eines der ältesten Bilddokumente von der ehemaligen Vermessungssäule auf dem Tillengipfel. Fast gänzlich verwittert sind die Einmeißelungen - die lateinische Abkürzung "MED EUROP" ist etwas grob mit "CENTRUM 1865" nachgebessert. Schon bald nach dem 1. Weltkrieg wurde dieser Punkt auf dem Tillengipfel als Schnittstelle der Fernwanderwege vom böhmischen Grenzkamm aus Südosten nach Eger/Sachsen und der West-Ost-Route Franken/Böhmen zum beliebtesten Naturerlebniszentrum der Umge-bung: S
Lokales
Neualbenreuth
07.08.2015
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Nach 8 Jahren Pause bietet der Neualbenreuther OWV-Zweigverein am 15. August (Maria Himmelfahrt) wieder eine Wanderung an. Grenzübergreifend soll sie sein und zu interessanten Punkten führen, die so sonst nicht präsentiert werden können.

Die Ruine des ehemaligen Tillenschutzhauses, das Gipfelareal des Tillen, die Granitsäule "Mittelpunkt Europas" und Bayerns jüngster Vulkan sind attraktive Ziele. Auch einen neuen Kooperationspartner haben die Funktionäre um den OWV-Vorsitzenden Meinhard Köstler und Bürgermeister Klaus Meyer gefunden. "Život na Dylen" heißt der neu gegründete Förderverein mit Sitz in Eger und bedeutet etwa "Wiederbelebung des Tillengebietes".

Stempel am Schutzhaus

Nach der gelungenen Renaturierung des Stabnitzbachtales am "Altalbenreuther Säuerling" vor zwei Jahren hatte der Verein im vergangenen Sommer zum ersten Male zu einer gemeinsamen Wanderung mit den Neualbenreuthern über Ulrichsgrün und Palitz eingeladen. Heuer sind die tschechischen Nachbarn bei der grenzübergreifenden Europawanderung wichtige Mitarbeiter. Nach dem Start am Grenzlandturm (Stempelstelle 1) führt die Wanderung auf der Markierung "Blauer Schmetterling" in Richtung "Königsstein". Bei Grenzstein 9 geht es scharf nach links an den Grenzstein 8. Einen Steinwurf davon stand einst im Böhmischen das Tillenschutzhaus, dessen Ruinen heute noch zu sehen sind.

Im Jahr 1926 von der Sektion "Eger und Egerland" des deutsch-österreichischen Alpenvereins in Blockbauweise errichtet war es mit einer Gaststube, zwei Vereinszimmern und etlichen Fremdenzimmern als Schutzhütte für die Vereinsmitglieder gedacht. Auf 812 Meter Höhe gewährte es von der Veranda aus einen überwältigenden Fernblick ins Egerland und das Fraischgebiet. Dieses Schutzhaus (Chata na Dyleni) wieder aufzubauen hat sich der Förderverein "Život na Dylen" zum Ziel gesetzt. Er betreut auch die Stempelstelle 2 und bietet dort neueste Informationen an.

Gipfel als Höhepunkt

Vorbei am abgetragenen "Kammerwagenstein" der Vorkriegszeit und der tschechischen Waldabteilung "Liszí farma" (Fuchsfarm) lädt nach weiteren steilen 500 Metern Anstieg der Tillengipfel auf dem geöffneten Areal zur wohl verdienten Rast ein. Auf 939 Meter Höhe und bei hoffentlich guter Fernsicht liegen dem Wanderer im Osten das Marienbader Land, im Norden das Egerland und im Westen Neualbenreuth mit dem Fraischgebiet zu Füßen - wohl ver-dienter Lohn für die recht anspruchsvollen 280 Höhenmeter zuvor.

Flotten Schrittes geht es dann über den Granatbrunnen zum "Schdoa", wie die Granitsäule heute im Volksmund heißt, der 4. Stempelstelle. Im Jahr 1865 als grenzübergreifender "Hauptdreieckspunkt I. Ordnung" errichtet und seitdem zentrale Nahtstelle für die mitteleuropäische Gradmessung der Triangulierungsnetze von Böhmen, Bayern und Sachsen auf dem Tillengipfel hat sich dieser seinerzeitige Vermessungsstein zum Symbol für Freiheit und gute Nachbarschaft über den ehemaligen "Eisernen Vorhang" hinweg entwickelt.

Fast auf den Tag genau vor 30 Jahren haben die Neualbenreuther am 28. August 1985 zur Erinnerung daran auf dem Hohen Hau diese Granitsäule aufgestellt. Dass angesichts der rasanten politischen Entwicklung in einem immer wieder neu formierten Europa die wirkliche Mitte unseres Heimatkontinents inzwischen weit im nordöstlichen Baltikum liegt, stört diese Säule längst nicht mehr. Dazu ist ihre völkerverbindende Eigendynamik für die beiden Nachbarländer diesseits und jenseits der Grenze und darüber hinaus schon viel zu groß.

Jüngster Vulkan Bayerns

Dem Wanderer soll auch der im Frühjahr als geologische Sensation entdeckte jüngste Vulkan Bayerns auf dem Weg ins Tal des Pfarrbühlbaches nicht vorenthalten werden. Informationen vor Ort werden über die ersten Ergebnisse der Bohrkernuntersuchung informieren. (Weiterer Bericht/Hintergrund)
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