Prof. Dr. Werner Käss zu Gast im Sibyllenbad - Wirken nicht vergessen
Der Vater der Gesundheitsregion

45 Jahre nach seiner Entdeckung von Radonwasser in Neualbenreuth trug sich der renommierte Geologe Prof. Dr. Werner Käss (Mitte) in das Goldene Buch der Marktgemeinde ein. Bürgermeister Klaus Meyer (links) und Sibyllenbad-Chef Gerhard Geiger zollten ihm Respekt und Anerkennung für seine Leistungen. Bild: hfz
Lokales
Neualbenreuth
19.05.2015
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Vor 45 Jahren legte Professor Dr. Werner Käss mit seinen Forschungen den Grundstein für das heutige Sibyllenbad. Jetzt kehrte er zurück. Und das hat auch etwas mit dem vermutlich jüngsten Vulkan Bayerns zu tun.

Bürgermeister Klaus Meyer und Sibyllenbad-Chef Gerhard Geiger waren Respekt und Freude deutlich anzumerken, als sie einen ganz besonderen Gast begrüßen durften: Mit dem Diplom-Geologen Professor Dr. Werner Käss hatte ein profunder Kenner und Förderer der Kurmedizin wieder den Weg in die Oberpfalz gefunden.

Im Frühjahr 1970 war der in Bad Cannstatt geborene Käss von der damaligen "Sibyllenbad Quellen- und Bäderverwaltungs-GmbH & Co KG" mit Wasseruntersuchungen "im Gebiet des Tillenabhangs" beauftragt worden. Nachdem sich die Hoffnungen auf Thermalwasser zerschlagen hatten, galt sein Interesse dem kohlensäurehaltigen Mineralwasser.

45 Wasseraustritte hatte Dr. Käss im Bereich der Marktgemeinde analysiert und konnte exakte Hinweise auf erfolgreiche Standorte für spätere Quellbohrungen geben. Der Wissenschaftler untersuchte aber nicht nur die zunächst wichtigen Parameter im Wasser zu Leitfähigkeit, Chlorid, freier Kohlensäure und Karbonathärte. Er ermittelte vielmehr auch die Werte zur Emanation, also dem Radongehalt. Und er wurde - per Zufall - im Juni 1970 bei zwei Quellen auch fündig: Fast den zehnfachen Radongehalt dessen, was zur Anerkennung als Heilquelle erforderlich war und ist, konnte er nachweisen. Eine Sensation, die damit die Hoffnungen auf einen erfolgreichen Kurbetrieb nunmehr in Richtung Behandlung rheumatischer Erkrankungen leitete.

Dass der erste privatwirtschaftliche Sibyllenbad-Versuch nach einer Investition von rund 30 Millionen Mark 1973 mit einem Konkurs endete, ist im Stiftland hinreichend bekannt. Dr. Käss, dem die Gesellschaft auch weite Teile seines Honorars nicht mehr zahlen konnte, wandte sich enttäuscht vom Projekt Sibyllenbad ab.

Die späteren, und heute vom Zweckverband Sibyllenbad genutzten, Quellbohrungen mit den staatlich anerkannten Heilwässern Kohlensäure und Radon wurden in den Folgejahren, aufbauend auf den Erkenntnissen des schwäbischen Geologen, durch die Technische Universität München unter Leitung von Dr. Manfred Baumann durchgeführt.

Schon seit geraumer Zeit wollte Werkleiter Geiger Prof. Dr. Käss als den Wegbereiter der Balneologie im Sibyllenbad persönlich kennenlernen. Dass es nun mit einem Besuch des Geologen, wenige Tage vor dessen 91. Geburtstag, geklappt hat, ist sowohl der abgeschlossenen Modernisierung des Kurbades als auch den aktuellen Bohraktivitäten am "Neualbenreuther Vulkan" durch das Bayrische Landesamt für Umwelt zu verdanken.

Beim Eintrag in das Goldene Buch der Marktgemeinde zeigte sich das Ehrenmitglied des Deutschen Heilbäderverbandes erfreut, dass sein damaliges Wirken auch heute nicht vergessen ist. Er zeigte sich nun beim Rundgang durch das Kurmittelhaus beeindruckt von der Vielfalt des Angebotes rund um Gesundheit und Wohlfühlen und drückte in einer Widmung seines Fachbuches "Deutsches Bäderbuch" seinen Wunsch auf weiterhin gutes Gelingen aus.

Natürlich wollte der Geologe vor allem "ins Gelände". Und so wurde bei einer Fahrt durch das Gemeindegebiet unter anderem auch die aktuelle Bohrung am vermutlich jüngsten Vulkan Bayerns angesteuert. Dort informierte Regierungsdirektor Dr. Johann Rohrmüller vom LfU seinen renommierten Kollegen über die aktuellen positiven Zwischenergebnisse.

Bei der Verabschiedung an der Kurallee dankte Geiger dem Besucher für sein segensreiches Wirken vor 45 Jahren. Dr. Käss versprach, wenn es seine Gesundheit erlaube, wieder zu kommen. Denn ein paar Ansätze und Vermutungen aus seiner vormaligen Arbeit wolle er persönlich noch prüfen und verifizieren.
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