Aus Liebe zur Blasmusik

Dieses Foto entstand 1976 anlässlich des zehnjährigen Gründungsjubiläums des Musikvereins Ernestgrün. Archivbild: Privat
Vermischtes
Neualbenreuth
27.05.2016
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Auf 50 ereignisreiche Jahre kann heuer der Musikverein Ernestgrün zurückblicken, was an diesem Wochenende gebührend gefeiert wird. Die Wurzeln des Vereins reichen aber noch viel weiter zurück.

Bereits 1919 trafen sich Musikbegeisterte regelmäßig im Ernestgrüner Wirtshaus "Margaretha Hecht", um dem Hobby Blasmusik zu frönen. Mit dabei waren auch Musikanten aus den benachbarten böhmischen Orten Maiersgrün und Grafengrün, die wöchentlich den langen Fußmarsch auf sich nahmen. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte diese Tradition erst 1964 wiederbelebt werden - unter der Leitung von Karl Queitsch aus Waldsassen im Gasthaus Bruischütz in Schachten. Queitsch verhalf der Kapelle zu hohem Ansehen.

Pflege des Brauchtums


Zu Beginn hatte die Kapelle 18 Mitglieder, zwei von ihnen sind bis heute aktiv dabei: Gerhard Maischl, der seit 1976 das Dirigentenamt innehat, und Wilhelm Müller. Gerhard Maischls Liebe zur Blasmusik war und ist stets ein Vorbild für die Musiker. Am 4. Mai 1966 wurde der Musikverein Ernestgrün e.V. offiziell gegründet, mit dem Ziel "Pflege, Erhaltung und Förderung des Brauchtums und bodenständiger Kultur".

Zum Vorsitzenden wurde der damalige Ottengrüner Bürgermeister Anton Fellner gewählt. 1975 übernahm Rudolf Köstler das Ruder, 1985 folgte Dr. Alfons Frank, der sich sehr für die Jugend einsetzte. Dr. Franks Nachfolger wurde 1995 Thomas Busch, von 1997 bis 2013 führte Trompeter Siegfried Rustler als Vorsitzender Regie im Verein. Er engagierte sich sehr bei der Organisation der Blasmusik-Feste. Seit 2014 führt Schlagzeuger Josef Frank den Verein.

Von Beginn an legte man großes Augenmerk auf die Gewinnung von Nachwuchsmusikern. Lorenz Dietl und Wilhelm Fischer übernahmen die kostenlose Ausbildung der Kinder und Jugendlichen. So entstand bald ein Jugendblasorchester, das nach dem plötzlichen Tod von Lorenz Dietl 1977 von Alois Fischer geleitet wurde. 1983 wurde das Jugendblasorchester aufgelöst, die Musiker spielten fortan bei den Älteren mit. Um den Nachwuchs kümmert sich derzeit Flügelhornist Eduard Frank. Durch dessen Einsatz wurden bereits drei Jungmusiker in die Kapelle integriert. Außerdem befinden sich zwölf Nachwuchsmusiker in Ausbildung.

Mühevolle Handarbeit


1980 wurde eine neue Tracht im Egerländer Stil angeschafft. Die dazugehörigen "Batzerlstrümpfe" werden auch heute noch in mühevoller Handarbeit von Müttern und Frauen der Musiker gestrickt. 1989 wurde erstmals ein Tonträger ("Ja, das ist Musik") aufgenommen, 1995 folgte die CD "So ein schöner Tag". Damals war das Gesangsduo Liesl und Ewald aktiv, zuvor bis 1987 das Duo Alois und Gertraud. Die von ihnen dargebrachten Egerländer Lieder erfreuten sich großer Beliebtheit.

Auf Initiative von Dr. Alfons Frank wurde 1991 eine Vereinsstandarte angeschafft, die die Wappen von Neualbenreuth und Eger sowie das Logo "Musik verbindet" trägt. Auf der Suche nach einer Patenkapelle zum 25-jährigen Bestehen wurden mit der Blaskapelle Falkenstein erste Kontakte geknüpft. Die Freundschaft hält bis heute. Viele besondere Auftritte kamen in der 50-jährigen Geschichte zusammen. 1976 wurde das zehnjährige Bestehen mit einem Bundes-Bezirksmusikfest gefeiert. Höhepunkt war ein Umzug mit 15 Kapellen und einem Gemeinschaftschor. In den 80er-Jahren gab es Auftritte bei der Egerländer Gmoi in Limburg a.d. Lahn, beim 70. Geburtstag von Ministerpräsident Franz Josef Strauß und bei der 700-Jahrfeier von Neualbenreuth. Hinzu kamen Besuche beim Komponisten Rudolf Hammerschmidt in Österreich.

Mit dem 30-jährigen Gründungsfest 1996 und dem ersten Gastauftritt der Blaskapelle "Gloria" aus Mähren begann unter der Überschrift "Fest der Blasmusik" eine Erfolgsgeschichte. 2015 konnte dieses Fest bereits zum zehnten Mal begangen werden. Alle zwei Jahre lockt dieses Blasmusik-Ereignis mit Spitzen-Kapellen zahlreiche Fans aus dem In- und Ausland an. Das 11. Fest der Blasmusik ist am 6. und 7. Mai 2017 geplant.

22-köpfige Truppe


Heute zählt die Blaskapelle Ernestgrün 22 aktive Musiker, die überwiegend aus der Marktgemeinde stammen. Aber auch zwei Musiker aus der Stadt Eger sind seit 1997 dabei. Große Betroffenheit löste bei allen Mitgliedern der plötzliche Tod des beliebten Baritonisten Daniel Dufek aus Eger im August 2015 aus. Über 18 Jahre lang hatte er die Kapelle mit seinem Können verstärkt.

Geprägt von den Einflüssen des Egerlandes und des "Fraischgebietes" ist die Ernestgrüner Kapelle der böhmischen Blasmusik immer treu geblieben - und dafür ist sie weit über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt.

Festabend, Standkonzerte und SternmarschDie Feierlichkeiten des Musikvereins Ernestgrün beginnen heute mit einem Ehrungsabend. Am morgigen Samstag, 28. Mai, folgt ein großer Festabend mit der Kapelle "Klarus-Blech" und der Blaskapelle "Gloria".

Der Festsonntag, 29. Mai, beginnt mit einem Kirchenzug und einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Laurentius. Danach folgt ein Frühschoppen mit den "Böhmischen Kellerwaldmusikanten" aus Hessen. Ab 13 Uhr finden in folgenden Bereichen Standkonzerte der teilnehmenden Kapellen des Kreismusikfestes statt: Am Kirchberg, Raiffeisenstraße, Tillenstraße, Feuerwehrhaus, Zollstraße, Turmstraße und Mühlgasse. Im Anschluss führt ein Sternmarsch zum Neualbenreuther Marktplatz. Dort geben die Gruppen ein Gemeinschaftskonzert. Für Unterhaltung sorgt am Nachmittag im Festzelt die "Robert Payers Original Burgenlandkapelle". Zum Festausklang spielt die Jubelkapelle selbst auf.

Die Neualbenreuther Ortsdurchfahrt ist am Sonntag von 12 bis 15 Uhr gesperrt. Die Aufstellung der am Kirchenzug teilnehmenden Vereine erfolgt am Sonntag ab 8.30 Uhr in der Mühlgasse und in der Albrechtstraße, der Abmarsch ist um 8.45 Uhr geplant. (enz)
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