Dem Himmel ganz nah

Knapp 100 Teilnehmer des Heimattreffens besuchten den Gottesdienst in der "Kirche ohne Dach" in Maiersgrün.
Vermischtes
Neualbenreuth
29.06.2016
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Für die Teilnehmer ist die Messe alljährlich der emotionale Höhepunkt ihres Heimattreffens: In der ehemaligen Pfarrkirche St. Johannes der Täufer bzw. der "Kirche ohne Dach" in Maiersgrün feierten sie wieder einen Gottesdienst.

Maiersgrün/Neualbenreuth. (fsc) 70 Jahre, nachdem in der damals noch intakten Kirche der letzte Gottesdienst gefeiert und die letzten Bewohner des Pfarrsprengels Maiersgrün-Grafengrün-Tannaweg ihrer Heimat verwiesen worden waren, kamen am Samstag knapp 100 Personen, in der Mehrzahl Nachkommen der damaligen Bewohner, in der Kirchenruine zum Patroziniumsgottesdienst zusammen. Die kleine Glocke im Turm, angebracht vor 25 Jahren, als die Menschen nach der politischen Wende erstmals wieder dorthin gelangen konnten, rief wie üblich zur heiligen Messe.

Vermächtnis von 1946


Einem feierlichen Choral des Bläserquartetts des Musikvereins Ernestgrün folgte das Gedenken an die Toten der Dörfer unter dem Tillenberg. Hierbei sprach der Bürgermeister der Patengemeinde Neualbenreuth, Klaus Meyer. Danach verlas Holger Stunz, Enkelsohn eines Zeitzeugen, das "Maiersgrüner Vermächtnis" von 1946, in dem die Menschen ihre Versprechen zur Heimat bekundeten.

Der für Vysoka (Maiersgrün) zuständige Stadtpfarrer von Marienbad, Pater Gregorius Urban, hieß die Gottesdienstbesucher willkommen, konnte aber am weiteren Verlauf aufgrund anderer Verpflichtungen nicht teilnehmen. Die Messe zelebrierte wie in den Jahren zuvor der Pfarrer der Patengemeinde, Pater George Parankimalil. Umrahmt wurde der Gottesdienst mit der "Schubert-Messe". Die kräftigen Klänge der Blechbläser und der teils sehr hingebungsvolle Gesang der Gottesdienstbesucher stiegen weit empor in den von grauen Wolkenschleiern bedeckten Himmel, der an diesem Tag das Dach der Kirche bildete.

"Freudenreiches Geheimnis"


"Es ist eine Freude, in den sorgfältig erhaltenen Mauerwerken der früheren Pfarrkirche St. Johannes den Gottesdienst feiern zu dürfen", sagte Pater George zu Beginn seiner Predigt. Die Messe wollte er vor allem in Gedenken an den Tag vor 70 Jahren feiern, als der letzte Gottesdienst in der intakten Kirche gehalten wurde, aber auch zum Dank dafür, dass die Menschen in all der Zeit ihrer Heimat und ihrer Kirche treu geblieben sind. "Der Gottesdienst in der ,Kirche ohne Dach' lässt uns den Himmel betrachten, lässt uns die Vögel zwitschern hören und gibt Gelegenheit, am Abend in den Sternenhimmel zu schauen", fuhr der Geistliche fort. Die dabei mögliche Meditation lasse erkennen, dass das All nicht nur für die Wissenschaft da sei, sondern für alle Menschen ein "freudenreiches Geheimnis" berge. Bei der Feier in der "Kirche ohne Dach" befinde man sich an einem Ort, der dem Himmel nahe sei, so Pater Parankimalil.

Mit dem Schlussgesang "Großer Gott wir loben dich" und dem freudigen Läuten der kleinen Kirchenglocke endete der Gottesdienst, der die Besucher auch heuer wieder beeindruckt hatte.
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