"Es sind Menschen wie du und ich"

Großes Interesse fand ein Infoabend zum Thema Asylbewerber in Neualbenreuth. Mehr als 150 Besucher waren dazu in den Tillensaal gekommen. Bilder: kro (2)
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Neualbenreuth
26.02.2016
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Wir schaffen das gemeinsam, auch hier in Neualbenreuth.

Das Interesse war enorm: Mehr als 150 Bürger besuchten einen Infoabend im Neualbenreuther Tillensaal, bei dem sich alles um die bis zu 55 Flüchtlinge drehte, die Anfang April in der Stephanskreuzstraße einziehen sollen. Mehrere Sprecher warben um Verständnis und baten um Mithilfe bei der Integration.

"Kommunikation ist das A und O, nur so ist diese Herausforderung zu schaffen", betonte Bürgermeister Klaus Meyer in seiner Begrüßungsrede. Viele Bürger wollten den Neuankömmlingen Hilfe anbieten, andere hingegen hätten Sorgen und fragten sich, was wohl auf die Gemeinde Neualbenreuth zukommt. "Es sind Menschen wie du und ich, allerdings aus einem anderen Kulturkreis", sagte Meyer. Über das Thema Solidarität werde im ganzen Landkreis derzeit heiß diskutiert. In Neualbenreuth hätten bereits erste Vorgespräche stattgefunden, ein erster Helferkreis habe sich schon gebildet. Meyer zeigte sich optimistisch: "Wir werden das alles gemeinsam meistern."

Regierungsdirektor Dr. Rolf Mehringer von der Regierung der Oberpfalz berichtete, dass allein im vergangenen Jahr rund 1,1 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland gekommen seien. Der Landkreis Tirschenreuth müsse deshalb knapp 1000 Menschen aufnehmen. Aktuell suche man aber dringend nach Alternativen für die Wiesauer Dreifachturnhalle. In der Oberpfalz gebe es aktuell 49 Gemeinschaftsunterkünfte, hauptsächlich besetzt mit Familien und jungen Männern. Dr. Mehringer wies darauf hin, dass es allein in Regensburg 32 Babys gebe. Generelle Bedenken gegenüber den Asylbewerbern seien unbegründet.

Wohnungen gesucht


724 Asylbewerber sind laut Oberregierungsrätin Regina Kestel vom Landratsamt derzeit im Landkreis dezentral oder in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Darunter seien auch 32 unbegleitete Minderjährige, die in Immenreuth betreut werden. Im Landkreis gebe es aktuell keine freien Plätze mehr - dabei seien seit Jahresbeginn schon wieder 181 Personen zugewiesen worden. Viele von ihnen habe man noch in der Notfallunterkunft in Wiesau unterbringen können. Ihr Appell an die Bürger: "Stellen Sie Wohnungen bereit, wir sind für jede dankbar." Sollten auch heuer wieder ähnlich viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen wie im Vorjahr, werde der Landkreis rund 1800 Menschen aufnehmen müssen. Kestel hoffe, dass die große Politik endlich eine Lösung findet. Ihr Dank galt allen Hilfsorganisationen für deren Unterstützung.

Schlüssel zur Integration


Markus Scharnagl, Integrationsbeauftragter in Waldsassen, berichtete, dass in der Klosterstadt schon vor der Ankunft der Flüchtlinge verschiedene Aktionen wie Kleidersammlungen und Spendenaufrufe stattgefunden hätten. Auch ein Willkommensfest habe zum gegenseitigen Kennenlernen beigetragen. Hilfe werde in vielerlei Hinsicht benötigt, etwa beim Ausfüllen von Formularen. "Sind die Flüchtlinge da, ist es wichtig, ihnen die Sprache zu lernen." Vor allem Kinder lernten relativ schnell, so Scharnagl. Das Erlernen der deutschen Sprache sei der Schlüssel zur erfolgreichen Integration. Wichtig sei auch, den Menschen die deutsche Kultur zu vermitteln.

Bürgermeister Klaus Meyer ergänzte, dass man die Flüchtlinge auch mit deutschen Regularien und Gepflogenheiten vertraut machen müsse. Dazu gehöre auch die Zivilcourage. Deshalb sei eine intensive Kommunikation wichtig. "Auch bei uns gibt es Gute und Böse, bei den Asylbewerbern ist es nicht anders", gab Meyer zu bedenken.

Volkshochschulleiterin Angelika Schraml verwies darauf, dass ihre Einrichtung vielfältige Kurse und Aktionen zum Erlernen der Sprache anbiete. Beispielgebend sei Waldsassen, wo 22 Lehrer Deutsch-Unterricht anbieten. "Sie leisten hier eine tolle, ehrenamtliche Arbeit", so Schraml. Sie könne sich auch Einsteiger-Kurse in Neualbenreuth vorstellen, sofern dies gewünscht werde. Der Landkreis alleine könne das aber nicht finanzieren. Auch hier sei die große Politik gefragt. An die Neualbenreuther appellierte sie, keine Angst, Scheu und Berührungsängste zu haben: "Lassen sie die Leute erst Mal kommen."

24-Stunden-Hilfe


AWO-Kreisgeschäftsführerin Angelika Würner gab sich betont zuversichtlich und verwies auf ihre Erfahrungen. Sie kam auch auf die Diskussionen in Waldershof zu sprechen und zeigte sich überzeugt, dass man dort 150 Flüchtlinge schon aufnehmen könne, wenn man es auch wolle. "Das sind nicht zu viele." Großes Lob zollte sie in diesem Zusammenhang Waldsassens Bürgermeister Bernd Sommer, der stets betone: "Die Menschen sind da, nun müssen wir uns um sie kümmern." Angelika Würner schilderte einige dramatische Flüchtlings-Schicksale. So berichtete sie vom kleinen Mohammed, der generell Angst vor Hubschraubern gehabt habe, weil er in seiner Heimat gesehen habe, wie diese auf Menschen schossen. Auch so manche Geburt habe sie schon mitgemacht. "Mama Angelika, komm, der Kopf ist schon da", habe es einmal am Telefon geheißen. "Wir schaffen das gemeinsam, auch hier in Neualbenreuth", betonte sie und bot die Hilfe der AWO an, die 24 Stunden am Tag verfügbar sei. Dabei verhehlte sie aber nicht, das sie selbst einen Großteil ihrer Freizeit und ihres Urlaubs für die Flüchtlinge opfere.

Polizei sieht keine ProblemeIm Laufe des Infoabends meldete sich auch Reinhold Schreyer, Leiter der Polizeiinspektion Waldsassen, zu Wort. In seinem Zuständigkeitsbereich lebten 200 bis 250 Asylbewerber, mit denen es kaum Probleme gebe. "Deshalb kann ich sagen: ,Ja, wir schaffen das'". Es sei zu verurteilen, wenn Menschen niedergemacht und abgekanzelt werden, die hier Schutz und Hilfe suchen. Gleichzeitig betonte er, dass es ein "No-Go" sei, wenn Frauen wie in Köln geschehen belästigt werden. Schreyers Appell an die Neualbenreuther: "Integrieren Sie die Leute, dann dürfte es keine Probleme geben." Der frühere Lehrer Ernst Bayer aus Mitterteich, der seit längerem Deutsch-Unterricht für Flüchtlinge gibt, erklärte sich bereit, den Neualbenreuthern beratend zur Seite zu stehen. All jenen, die sich ehrenamtlich engagieren, bekundete er seinen Respekt. "Die Asylbewerber sind dankbar, wenn ihnen geholfen wird." Ähnlich sah dies Maria Staufer von der Caritas, die vor allem die Waldsassener für deren vorbildliche Integrationsarbeit lobte. (kro)
Stellen Sie Wohnungen bereit, wir sind für jede dankbar.Oberregierungsrätin Regina Kestel
Wir schaffen das gemeinsam, auch hier in Neualbenreuth.AWO-Kreisgeschäftsführerin Angelika Würner
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