Gottesdienst zum Heimattreffen
Die „Kirche ohne Dach“

In der "Kirche ohne Dach" wird am Samstag der Gottesdienst anlässlich des Heimattreffens der Maiersgrüner und Grafengrüner gefeiert. Bild: fsc
Vermischtes
Neualbenreuth
21.06.2016
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Eingebunden in das Jubiläum "425 Jahre Fraisch - Neualbenreuth zwischen Eger und Waldsassen" ist dieses Jahr das seit Jahrzehnten stattfindende Heimattreffen der Maiersgrüner und Grafengrüner in der Patengemeinde Neualbenreuth.

Eine besondere Stellung nahm bei den Heimattreffen immer der Patroziniumsgottesdienst in der ehemaligen Pfarrkirche von Maiersgrün ein. So wird es auch in diesem Jahr wieder sein, wenn am Samstag, 25. Juni, um 11 Uhr das kleine Glöckchen vom Turm der heutigen Kirchenruine zur Messe ruft.

Seit 1993 gibt es diese viel besuchten und vielen Emotionen begleiteten Gottesdienste, nachdem zwei Jahre zuvor der Besuch diese mit so vielen Erinnerungen behaftete Stätte der Kindheit und Jugend nach der politischen Wende wieder aufgesucht werden konnte. So ergibt es sich in diesem Jahr, 70 Jahre nachdem in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer der letzte Gottesdienst stattgefunden hatte, einen kurzen Blick auf die heutige "Kirche ohne Dach" zu werfen.

Verfall und Zerstörung


Am 26. März 1946 starb der letzte Pfarrer von Maiersgrün, Paul Dick, kurz nachdem seine Pfarrkinder aus der Heimat vertrieben worden waren. Die letzten ehemaligen Bewohner verließen sie dann am 24. September 1946. In der Folgezeit bis 1971 wurde die Pfarrkirche dem Verfall und der Zerstörung preisgegeben. 1972 ist die Kirche nur noch eine Ruine. Maiersgrün ist eine Gründung des späten Mittelalters, um 1400 ein befestigter Platz mit einem Wehrturm und zur Burg Königswart gehörend. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war Maiersgrün Filialkirche der Pfarrei Königswart, wurde in den Wirren der Reformation aufgelassen und erst 1627 mit der Wiedereinführung der katholischen Religion wieder aktiviert. Das Filialverhältnis zur Pfarrei Königswart wurde erneuert. 1756 wurde die "Pfarrei Maiersgrün" mit Grafengrün und Neumugl installiert. Das Dorf Neumugl schied 1784 wieder aus dem Pfarrverband und war danach Teil der Pfarrei "St. Sebastian" Ottengrün (Kleine Kappl).

Wenige Unterlagen gibt es über den Bau der Kirche. Sie soll 1855 mit Schindeln gedeckt worden sein. Balthasar Pichl, Zimmermann in Maiersgrün, brauchte hierzu 19 000 Schindeln und 27 0000 geschmiedete Nägel. Die Orgel der Kirche war ein Meisterwerk des Orgelbauers Ferdinand Helfert aus Tachau. Im Turm befanden sich drei Glocken; zwei davon mussten im Ersten Weltkrieg abgeliefert werden.

Drei neue Glocken


1928 wurde von den Bewohnern des Kirchsprengels Maiersgrün, Grafengrün und Tannaweg für drei neue Glocken die stolze Summe von 28 000 Kronen aufgebracht. Auch von diesen Glocken mussten zwei während des Zweiten Weltkrieges abgeliefert werden. Die verbliebene Glocke überstand Krieg und Vertreibung bis etwa 1961. Vermutlich wurde sie dann ein Opfer der späteren Schleifung der Kirche.

Als 1991 ehemalige Bewohner des Kirchsprengels begannen, die Ruine des ausgeplünderten Gotteshauses vor dem gänzlichen Verfall zu retten, wurde durch eine hochherzige Spende von Gerhard Lenhard die heutige Glocke im Turm installiert. Sie wird auch heuer wieder zum Patrozinium rufen, in die als "Begegnungsstätte für alle Menschen" ausgebaute und gesicherte Kirchenruine rufen. Der Gottesdienst wird traditionell vom Pfarrer der Patengemeinde Neualbenreuth und vom zuständigen Geistlichen der Pfarrei Marienbad zelebriert. Die Gestaltung kommt seit vielen Jahren vom einem Bläserquintett des Musikvereins Ernestgrün.
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