Hohe Herren und einfaches Volk

Auf dem Marktplatz präsentierten Bürger der Marktgemeinde das Theaterstück "Wechselung der hohen Gerichtsbarkeit um Neualbenreuth in der Fraisch". Bild: enz
Vermischtes
Neualbenreuth
29.06.2016
61
0

Es war der Höhepunkt des Festwochenendes: Als großes Spektakel erwies sich die Freilicht-Aufführung "Die Wechselung der Hohen Gerichtsbarkeit um Neualbenreuth in der Fraisch" durch Gemeindebürger auf dem Marktplatz.

Meinhard Köstler hatte das einst jährlich öffentlich stattfindende Ereignis in Szene gesetzt. Dabei ging es um die juristische Zuständigkeit für schwerere Verbrechen, sogenannte "Malefizfälle", die seit dem Fraisch-Vertrag von 1591 zwischen der Reichsstadt Eger und dem Stift Waldsassen jeweils Ende Juli hin- und hergeschoben wurde. Gezeigt wurde das Geschehen für das Jahr 1691 am Original-Schauplatz.

Zu Beginn erklang mittelalterliche Musik aus Krummhörnern. Die Abordnung aus Eger kam standesgemäß mit der Kutsche. Die anderen hohen Herren schritten würdig unter Fanfarenklängen und Trommelwirbel dem Ort des Geschehens entgegen. Das Publikum sah neben den vornehmen Herren und ihren Bediensteten auch einfache Menschen, Schurken und vermeintliche Schurken vergangener Zeiten.

Zur jeweiligen Übergabe wurden auch ungelöste Streitigkeiten verhandelt. Die Sprecher aller zugehörigen Dörfer vermeldeten ihre Probleme. Das Volk zeigte sich unterwürfig, die vornehmen Herren mit hochrichterlicher Vollmacht großmütig. In Szene vier wurde mit tschechischen Darstellern auf die Bedeutung des Handelswegesystems im Netz der Goldenen Straße, dem auch das Fraisch-Gebiet angeschlossen war, hingewiesen. Das alles kam in der Sprache der damaligen Zeit zur Aufführung. Um so etwas zu Papier zu bringen, muss man mit historischen Schriften schon gut vertraut sein. Zum Abschluss wurde ein Bogen zur Gegenwart gespannt, als der historische Vertreter Neualbenreuths ausrief: "Wohl denn! Solch Vergangenheit wird Zukunft haben! Doch heut ist heut! Das Kommende mag's zeigen!" Danach ergriff der gegenwärtige Bürgermeister das Wort. Klaus Meyer dankte den Mitwirkenden, Einwohnern und Gästen und verneigte sich tief. Da man schon immer wusste, dass die Jugend Fackelträger der Tradition ist, bedankten sich die Schulkinder mit dem gespielten Lied "Dornröschen war ein schönes Kind" bei den hohen Herren. "Die Jugend ist's, die unser Werk wird übernehmen und tragen diese Tradition."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.