Johann Andreas Eisenbarth
Januskopfartiges Doppelleben

Dr. Ludwig Schießl (stehend) bei seinem Vortrag über Johannes Andreas Eisenbarth im Kurmittelhaus. Bild: pz
Vermischtes
Neualbenreuth
29.07.2016
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Als Kurpfuscher und Quacksalber wird Doktor Eisenbarth im bekannten Lied verunglimpft - zu Unrecht, sagt Dr. Ludwig Schießl.

"Doktor Eisenbarth (1663-1727) - Ein Meister seines Fachs" - so lautete der Vortrag des Studiendirektors aus Oberviechtach am Mittwoch im Kurmittelhaus Sibyllenbad. Dr. Schießl skizzierte dabei auf der Grundlage seines 2013 erschienenen Buches Leben, Wirken und Rezeptionsgeschichte des barocken Wanderarztes Johann Andreas Eisenbarth.

"Ich bin missionarisch tätig um dieses Bild zu revidieren", sagte der Vorsitzende des Doktor-Eisenbarth-Arbeitskreises International über den Eindruck, der durch das Spottlied in der Bevölkerung über Doktor Eisenbarth vorherrscht, wonach dieser "... die Leut nach seiner Art" kuriert. Ein, "januskopfartiges Doppelleben" habe sich nach dem Tode von Dr. Eisenbarth entwickelt, der in Hann.Münden begraben liegt: Die fiktionale Darstellung als "Witzfigur" - unter anderem in Fix und Foxi-Heften - mit Säge, Beil und Zange sowie die reelle. Denn als "Vorläufer und Wegbereiter der wissenschaftlich-akademischen Chirurgie" gilt Johann Andreas Eisenbarth laut Dr. Schießl. Der durch die Taufurkunde nachweislich aus Oberviechtach stammende Okulist, Bruch- und Steinschneider habe sich zu seiner Zeit als engagierter Wanderarzt einen Namen gemacht. 1704 hatte er in Magdeburg den ersten Arzneimittelherstellung und -vertrieb eröffnet. Mit einem Tross von 120 Bediensteten war Eisenbarth in den jeweiligen Orten unterwegs. Seine Ankunft war jeweils groß angekündigt worden, darunter per Anzeigen in Zeitungen, "... höchst modern", so Dr. Schießl. Außerdem war die Ankunft des Wanderarztes mit Straßentheater, Gauklern und Spielleuten. Aufzeichnungen über die Operationen gibt es laut Forschungen nicht, wohl aber Nachweise über Behandlungen in den jeweiligen Orten. Von 4500 Eingriffen wissen indirekte Quellen - Augenoperationen, Leistenbrüche und Blasensteine. "Wanderärzte waren für die Versorgung auf dem flachen Land eminent wichtig", informierte Dr. Schießl. Chirurgen hatten zur damaligen Zeit noch keine akademische Ausbildung und galten als Handwerker.
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