Schatz der Erinnerung bewahrt

Vermischtes
Neualbenreuth
28.06.2016
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Der Fraischvertrag ist eine geschichtliche Kuriosität. Im Wechsel übten das Stift Waldsassen und die Stadt Eger jeweils ein Jahr die Gerichtsbarkeit im Raum Neualbenreuth aus. 425 Jahre nach dem Abschluss wurden die Verhältnisse von damals wieder lebendig.

Das Sprichwort "Wer nicht weiß woher er kommt, weiß nicht wohin er geht" sagt, warum das Wissen um die Geschichte und die Erinnerung daran so wichtig sind. In der Marktgemeinde gedachte man mit einem großen Fest des 1591 geschlossenen Fraischvertrages ebenso wie dessen Ende 1846 vor genau 170 Jahren. Eingebunden in das Programm war das Heimattreffen der Vertriebenen aus den Patengemeinden Maiersgrün, Grafengrün und umliegender Orte.

Schon das grandiose Johannisfeuer am Grenzlandturm, der ein Symbol für die Geschichte von Flucht und Vertreibung ist, stimmte in einer lauen Sommernacht auf das Fest ein. Nachdem die Teilnehmer des Heimattreffens in der Kirchenruine ihres ehemaligen geistlichen Zentrums Maiersgrün einen Gottesdienst erlebten, waren am Abend Einheimische und Gäste zum Heimatabend "425 Jahre Fraisch" eingeladen . Hierzu begrüßte Bürgermeister Klaus Meyer im vollen Tillensaal viele Ehrengäste.Bei Musik der "Fraischboum" stimmten sich alle auf den Abend ein.

Meinhard Köstler, der sich seit Jahren mit der Geschichte der Fraisch befasst, hatte zwei historische Grenzsteine mitgebracht: einen, der den Grenzverlauf zwischen den Besitzungen der Stadt Eger und dem Kloster Waldsassen markierte, und einen aus der Vermessung von 1739. In seiner Einführung legte er dem staunenden Publikum nicht nur eine im Staatsarchiv von Prag entdeckte Skizze zum Mord von Hundsbach vor, sondern erläuterte auch die Abwicklung zum Ende des Fraischvertrages.

Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl betonte in seinem Festvortrag: "Auf regionaler Ebene ist so eine Erinnerungskultur wie dieses Fest von unschätzbarem Wert und trägt zur örtlichen und regionalen Identifikation bei." Außerhalb von Neualbenreuth sei die Besonderheit der Fraisch kaum bekannt. "Obwohl es häufiger Kondominate gab, stellt das Kondominium zwischen Eger und Waldsassen mit dem Wechsel der Hochgerichtsbarkeit insbesondere während der tiefgreifenden Umwälzungen in Europa nach der Französischen Revolution einen Sonderfall, ja geradezu ein Kuriosum dar, das sich auch wirtschaftlich in einer Art Freihandelszone positiv auswirkte."

Im Anschluss des Erinnerns an die Geschichte gab es Musik und Unterhaltung mit dem "Neualbenreuther Zwio" Franz Danhauser und Monika Kunz, dem Männergesangsverein Neualbenreuth unter der Leitung von Franz Danhauser sowie "Gschichterl" zum Schmunzeln, vorgetragen von Altbürgermeister Albert Köstler. Auch Elfriede Fastner und Rudi Hannawald begeisterten mit ihrem Auftritt. Gemeinsam wurde von allen im Saal "Tief drin im Böhmerwald", " Döi Erdäpflsuppn is dick" und zum Abschied das wunderschöne Lied "Gouda Nacht, gouda Nacht, mir möin öitz hoamgöih ..." gesungen.
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