Standesamt Neualbenreuth überträgt Aufgaben an Waldsassen
Nur das Siegel landet im Tresor

Deutliche Gebrauchsspuren hat das Siegel des Standesamtes Neualbenreuth im Lauf der Jahrzehnte gesammelt. Bürgermeister Klaus Meyer nimmt den Stempel noch einmal zur Hand. Bild: as
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Neualbenreuth
23.05.2016
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Der Seufzer war in den vergangenen Wochen oft zu hören: "Schade, dass man jetzt nicht mehr in Neualbenreuth heiraten kann!" Dabei ist diese Sorge völlig unnötig. Standesamtliche Trauungen sind weiterhin vor Ort möglich.

Im März fasste der Gemeinderat den einstimmigen Beschluss, die Aufgaben des Standesamtes Neualbenreuth an Waldsassen zu übertragen - vorerst für fünf Jahre. Der Stadtrat Waldsassen hat ebenfalls zugestimmt. Inzwischen liegt auch die Genehmigung des Landratsamtes vor, so dass die Übertragung zum 1. Juli 2016 in Kraft tritt. Das Siegel "Standesamt Neualbenreuth" verschwindet dann im Tresor.

Doch was für Skeptiker wie der Anfang der Aufgabe einer selbstständigen Gemeinde klingt, hat in Wirklichkeit kaum Auswirkungen auf die Bevölkerung. Das betont Bürgermeister Klaus Meyer: "Das Standesamt wird hauptsächlich bei drei Gelegenheiten tätig: Geburt, Heirat und Tod. Die meisten Leute sterben im Altersheim oder im Krankenhaus, da ist auch das jeweilige Standesamt für die Ausstellung der Urkunden zuständig. Und meistens kümmern sich ohnehin die Bestatter darum."

Bei Geburten läuft es ähnlich: Nur wer im Gemeindegebiet das Licht der Welt erblickt, braucht auch eine Urkunde vom Standesamt Neualbenreuth. "Die letzte Hausgeburt war vor drei Jahren", verdeutlicht Meyer. Die gravierendste Änderung mit der Abgabe des Standesamtes ergibt sich bei Hochzeiten. Da müssen die Paare tatsächlich in Zukunft nach Waldsassen fahren, um eine Heiratsabsicht anzumelden. "Aber da sind die jungen Leute doch flexibel", hofft der Bürgermeister. "Entscheidend ist, dass die Trauung immer noch in Neualbenreuth stattfinden kann."

Denn Klaus Meyer hat zwar formal nicht alle Rechte eines Standesbeamten, aber er darf Trauungen vollziehen: "Entweder im Rathaus oder im schönen Ambiente des Sengerhofs." Seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren hatte er rund 30 Hochzeiten im Terminkalender und übt dieses Amt weiterhin gerne aus - auch an den für Trauungen beliebten Samstagen. Praktisch sieht es ab Juli dann so aus, dass die Waldsassener Standesbeamtin Sabine Mohr die Urkunden entsprechend vorbereitet und nach Neualbenreuth schickt. Mit der Unterschrift des Bürgermeisters ist dann alles komplett.

Bleibt die große Frage, die sich viele Einwohner stellen: Was bringt die Auflösung des Standesamtes eigentlich? "Wir sparen uns Geld", erklärt der Bürgermeister. Auf jeden Fall jährlich einen niedrigen vierstelligen Betrag, führt er Ausgaben für Seminare, Computerprogramme und Fachliteratur an. Vor allem die geforderte Vorhaltung eines Standesbeamten und eines Stellvertreters, beide stets auf dem neuesten Stand, stellt kleinere Gemeinden vor eine Herausforderung.

Dass sich der bisherige Standesbeamte Siegfried Rustler und seine Stellvertreterin Ingrid Schleicher bald langweilen, steht nicht zu befürchten: "Es gibt ohnehin genügend Arbeit. Auf die Gemeinden kommen immer wieder neue Aufgaben zu", schildert der Bürgermeister. Zum Beispiel im Bereich des Einwohneramtes, das in Neualbenreuth bleibt. Für Personalausweise, Reisepässe, Ummeldungen bei Wohnungswechsel und vieles andere gelten nach wie vor die kurzen Wege direkt ins Rathaus. (Nachgefragt)

Kleine oder große ÜbertragungDass jede der 26 Landkreis-Gemeinden ein eigenes Standesamt hat, ist nicht mehr der Normalfall. Schon vor der Abgabe der Beurkundungen aus Konnersreuth und Neualbenreuth nach Waldsassen ergaben sich durch sechs Verwaltungsgemeinschaften ähnliche Effekte. Sowohl Konnersreuth als auch Neualbenreuth haben sich zur "großen Übertragung" entschlossen. Dabei wird der eigene Standesamtsbereich samt entsprechendem Siegel aufgegeben. Bei der "kleinen Übertragung" behalten die Standesämter formal ihre Eigenständigkeit und "leihen" sich gewissermaßen die Dienste eines Standesbeamten, der dann mit verschiedenen Insignien arbeitet. Im Nachbarlandkreis Wunsiedel hat sich die Stadt Kirchenlamitz zu dieser Kooperation mit Marktredwitz entschlossen. (as)
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