Stiftländer Konditorin Bettina Bruischütz durch Stipendium in Japan
Süßer Trip nach Tokio

Füttern zwingend geboten: Die heiligen Hirsche sind in Nara vor der Kulisse der berühmten Tempel die eigentliche Attraktion. Auch Bettina Bruischütz steckte den von den Touristen verhätschelten Tieren Leckerli zu. Bilder: privat (3)
Vermischtes
Neualbenreuth
22.11.2016
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Jeder der 24 Meisterschüler hatte im Juli ein Themen-Schaufenster zu gestalten. Bettina Bruischütz entschied sich für Motive rund um den Sternenhimmel. Ihre Bewerbung für das Japan-Stipendium hatte sie schon vor der Abschlussprüfung in München abgegeben. Bild: hfz
 
Die kurzfristige Verwandlung in eine Maiko, eine Art Lern-Geisha, gelang Bettina Bruischütz.

Dass eine Konditorin Lebkuchenhäuschen bastelt, kommt in der Vorweihnachtszeit schon mal vor. Wenn es sich allerdings um eine Stiftländerin handelt, die ihr Können an einer Fachschule in Japan weitergibt, ist das eher ungewöhnlich.

Bettina Bruischütz hat sich auf ein dreimonatiges Abenteuer in Tokio eingelassen. Vom kleinen Dorf Schachten an der tschechischen Grenze in eine Millionenstadt, die fast so viele Einwohner hat wie ganz Bayern: Diesen Schritt wagte die 30-Jährige im September. Zu verdanken hat sie das einem Stipendium der Münchener Konditorenmeisterschule.

Kurz vor Ende ihres Aufenthalts zieht sie Bilanz: "Die meisten Erwartungen wurden bestätigt und sogar noch übertroffen." Von der Natur inklusive herbstlichem Farbwechsel ist die Köchin und Konditorenmeisterin ebenso beeindruckt wie von den zuvorkommenden Gastgebern, die ihre Höflichkeit auch in der größten Hektik nicht verlieren. Die deutschen Schüler leben in einer für japanische Verhältnisse großen Wohnung eher am Rand von Tokio. "Aber wenn man sich auf den Weg stadteinwärts macht, sind nur noch Menschen, Menschen, Menschen zu sehen. Die berüchtigte Rush Hour muss man selber einmal mitgemacht haben", schildert die Stiftländerin ihre Eindrücke.

Höfliche Japaner


Die japanischen Höflichkeitsformen hat sie inzwischen intus. Zum richtigen Verständigen reicht es aber noch lange nicht. Im Schulunterricht hilft eine Dolmetscherin, in der Arbeit haut es mit Englisch meist recht gut hin. "Sobald man aber auf sich alleine gestellt ist und sich nicht in den touristischen Ecken aufhält, helfen pantomimische Darstellungen und ein nettes Lächeln. Die Japaner sind sehr zuvorkommend, auch wenn sie nichts verstehen, so dass man nicht aufgibt."

Weite Anreise zur Schule


Schon der nette Empfang auf dem Flughafen half der 30-Jährigen, die dann doch aufkommende leichte Panik zu bekämpfen. Auch eine Willkommensparty erleichterte den Einstieg. Inzwischen hat sich Bettina gut eingelebt. "Wenn wir in der japanischen Konditorei sind, fangen wir um 8 Uhr an, machen Teegebäck, Lebkuchen und andere deutsche Produkte, zeigen den Angestellten etwas oder probieren Rezepte aus, die hier gewünscht werden."

Meist dauert so ein Arbeitstag bis 16 oder 17 Uhr. Das gilt auch, wenn in der Partnerschule deutsche Konditorenkünste vermittelt werden. Nicht zu vergessen jeweils die weite Anreise: "Das ist, wie wenn man den kompletten Landkreis Tirschenreuth durchquert, um an das andere Ende der Stadt zu kommen." Die Entscheidung, sich für Tokio zu bewerben, fiel der Stiftländerin nicht schwer: "Einfach aus dem Grund, dass man zu viele Dinge, die man nicht gewagt hat, danach bereut."

Tempel und Tierkaffee


Ein paar Eindrücke bekam sie vorab von einem guten Freund aus Tirschenreuth, der schon einige Zeit in der japanischen Hauptstadt lebt. "Aber hier live zu sein ist einfach anders", freut sich Bettina Bruischütz. Auch in der Freizeit geht einiges. "Tokio bietet für jedes Herz etwas, von verrückten Sachen wie Tierkaffees aller Art über Szeneviertel bis zu wunderschönen Tempeln und Schreinen. Auch die Natur hier ist einfach nur atemberaubend, wenn man etwas weiter wegfährt." Durch gemeinsame Unternehmungen vergeht die Zeit sehr schnell, sei es beim Besteigen von Bergen wie dem Kintokiyama, einem Ausflug zu den heiligen Hirschen von Nara oder einem Besuch in Kyoto.

Essen als Überraschung


Was genießt die gelernte Köchin besonders in Japan? "Auf jeden Fall das Essen, das nicht vergleichbar ist und manchmal auch etwas gewöhnungsbedürftig, aber super interessant. Vor allem, da man zumeist einfach etwas bestellt, weil man es ja nicht lesen kann, ist der Überraschungseffekt danach noch viel besser." Sehr angetan ist Bettina Bruischütz auch von den zuvorkommenden Menschen, deren ungewohnte Art anfangs fast unangenehm war: "Mittlerweile denke ich auch, dass dies der größte Kulturschock beim Heimkommen sein wird."

Sehnsucht nach Ruhe


Was die 30-Jährige in der Mega-Metropole vermisst? "Ruhe. Das mag komisch klingen, aber nur ein Stündchen ohne irgendeinen Ton wäre großartig. Denn auch wenn man in seiner Wohnung ist, die Fenster sind nicht so wie bei uns und es macht jedes Gerät oder Fahrzeug irgendein Piepsgeräusch."

Etwas mehr Ruhe als in Tokio wird die Konditorin sicher bald finden, wenn sie rechtzeitig vor Weihnachten heimfliegt. Erst einmal geht es zurück in den "Grünen Kranz", alles Weitere wird sich finden. "Etwas Gutes muss zu Ende gehen, um etwas Besserem Platz zu machen", sinniert die Oberpfälzerin. "Das Schöne an den beiden Berufen ist ja, dass man sich künstlerisch ausleben kann. Seien es einfache oder besondere Gerichte, Torten oder Kuchen, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt", freut sich Bettina Bruischütz auf weitere Betätigungsfelder in ihrem Berufsleben - irgendwo zwischen Tirschenreuth und Tokio.

Vom Erdbeben aus dem Bett geholtEin schweres Erdbeben erschütterte in der Nacht zum Dienstag die Region Fukushima. Noch in der etwa 300 Kilometer entfernten japanischen Hauptstadt war es deutlich zu spüren – auch von einer Stiftländerin: „Ich bin davon aufgewacht und habe mich wortwörtlich ans Bett geklammert, weil einfach alles gewackelt hat“, berichtet Bettina Bruischütz. Die 30-jährige Köchin und Konditorin aus Schachten ist seit September in Tokio. Ein Stipendium der Meisterschule in München vermittelt der Oberpfälzerin ganz neue Eindrücke.

Das Erdbeben kam überraschend, obwohl kleinere Bewegungen in Japan öfter zu spüren sind. „Da gewöhnt man sich dran“, schildert Bettina Bruischütz, die Angst vor weiteren Erschütterungen gar nicht erst aufkommen lässt: „Dagegen tun könnte man ja auch nichts. Wir hatten am Dienstag frei und waren in Tokyo unterwegs, da hat man keine besondere Aufregung gespürt.“


Sonne, Mond, Sterne und Außerirdische zum VernaschenWohl auch durch das elterliche Gasthaus "Zum grünen Kranz" in Schachten entwickelte Bettina Bruischütz früh Freude am Backen und Kochen. Sie begann mit 15 Jahren ihre Ausbildung zur Konditorin beim Konnersreuther Backhaus Kutzer. Danach ging sie nach Regensburg, lernte zusätzlich im "Bischofshof am Dom" Köchin. Im Restaurant "David" - dem heutigen Sterne-Lokal "Storstad" - machte sie Vorspeisen und vor allem Nachspeisen.

Vor sechs Jahren kehrte Bettina Bruischütz zurück nach Schachten in den Betrieb der Eltern. 2015 packte sie der Reiz, die Konditorenmeisterschule in München zu besuchen. Ein Jahr lang kniete sie sich richtig rein und war auch hier erfolgreich. Für ihre Abschlussprüfung gestaltete sie ein Schaufenster zum Thema "Am Sternenhimmel". Darauf war vom Baumkuchen über Pralinen, Marzipanfiguren, Torte, Plundergebäck, Petit Foures bis hin zum zentralen Stück aus Zucker und weißer Schokolade alles ausgerichtet. Zweieinhalb Tage Zeit hatten die Schüler für ihre Meisterwerke.

Bettina bewarb sich noch vor der Prüfung für das Stipendium an der Partnerschule "Japan Cake and Confection College" . Nach einem Vorstellungsgespräch hatte sie einen der nur zwei Praktikumsplätze pro Jahrgang ergattert und durfte zum Konditoren-Austausch nach Tokio.
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