Trauer in Worte gefasst
Wenn Millionen Tränen fließen

Barbara Ott hat nach dem Tod ihrer Tochter unendlich gelitten. Ein wenig half ihr gegen den Schmerz das Schreiben. Jetzt möchte sie anderen trauernden Menschen mit ihren einfühlsamen Gedichten und Gedanken Trost spenden. Bild: ubb
Vermischtes
Neualbenreuth
11.11.2016
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Der Verlust eines Menschen ist meist nicht in Worte zu fassen. Doch was Barbara Ott in ihrem Buch zur Trauerbewältigung geschrieben hat, lässt den Leser vor Mitgefühl weinen.

"Von Sarah das Zimmer, voll neuem Schimmer/Wenn ich es heute betrete und still für sie bete/ist von Sarah das Zimmer, dasselbe wie immer/im Herzen ganz nah, ist sie immer da." Das ist nur ein kleines Beispiel eines in Worte gefassten Traumas, das ans Herz rührt. Was Barbara Ott in ihrem Buch "...und ewig währt, was längst schon fort" sagt, lässt Tränen des Mitgefühls für eine Mutter fließen die ihre 18-jährige Tochter bei einem Unfall verloren hat.

Polizei vor der Tür


Es war im Mai 2011, als es in der Nacht bei der Familie Ott an der Haustür klingelte. Peter Ott öffnete. Die Polizei stand draußen. "Bitte kommen Sie ins Krankenhaus", baten die Beamten. Die Gewissheit wurde zur Schockwelle: Sarah wird vier Wochen nach ihrem 18. Geburtstag nie mehr nach Hause kommen. "Bis heute weiß niemand, was war - Sarah war nur mit 60 Stundenkilometer unterwegs", berichtet Barbara Ott. Fünf Jahre später fasst Sarahs Mutter den Entschluss, ihre Trauer offen in einem Buch darzulegen.

Die Neualbenreutherin erklärt, warum sie das tut und wie sie damit begonnen hat, ihren Schmerz auf Papier festzuhalten. Schreiben habe ihre Qual ein wenig gelindert, sagt sie und erzählt von den ersten Tagen nach dem Unfall. Von der Trauer der Menschen in ihrem familiären Umfeld. Dem ersten Weihnachtsfest ohne Sarah. Ihrer unendlich großen Seelennot und Sarahs erstem Geburtstag danach. "Happy Birthday...in heaven" steht unter einer naiven Illustration mit Geschenken. Daneben gratuliert Barbara Ott ihrer Tochter zum 19. Geburtstag, den sie nicht mehr erleben durfte.

"Selbst wenn die Art der Trauer für Außenstehende befremdlich wirkt. Man muss es verstehen", sagt die 46-jährige Frau. Damals habe sie kein Verständnis für die Freunde gehabt, die sich zurückgezogen hätten. Ihr sei dies damals grundlos erschienen. Andere hätten sich neben sie gesetzt und nur geschwiegen, was genau in diesem Moment tröstend gewesen sei. Heute wisse sie, dass jeder in seiner Trauer anders reagiert. "Und das muss man zulassen!" Die Erkenntnis, dass Trauer leider auch vermarktet wird, war für Barbara Ott der Auslöser, das Buch zu veröffentlichen. "Ich habe viel gelesen damals. Aber ich fand bis auf zwei Exemplare nur seichte Literatur oder Fachbücher mit dummen Ratschlägen, die niemandem helfen!"

Wieder Alltag


Nach fünf Jahren ist in der Familie Ott wieder annähernd der Alltag eingekehrt. Barbara Ott kümmert sich liebevoll um ihre Enkelkinder und ihre drei Pflegekinder im Alter von 9, 11 und zwei Jahren. Sie arbeitet wieder als Heilpraktikerin. Sarah ist ständig anwesend, und ihre Präsenz möchte niemand missen oder verlieren. Und auch der Schmerz bleibt. "Man kann sich nicht mehr wie früher über Dinge freuen", sagt Barbara Ott und erzählt, wie der Neffe geheiratet habe und wie sie tieftraurig feststellte, dass sie Sarah nie im weißen Brautkleid erleben werde.

"Und es ist schon lange her, die Frage bleibt: Was ist geschehen?/Warum, warum? Es ist so schwer, warum musstest du von uns gehen?" beschreibt die letzte Strophe eines Gedichtes diese große Not, dass sich der Tod nicht erklären lässt. Barbara Ott hat mit der offenherzigen Darlegung ihrer Seele ein besonderes Werk getan. Die ausdrucksstarken, naiv gehaltenen Illustrationen von Schwiegertochter Tina geben der Schwere des Themas eine weitere emotionale Note. Dieses Buch macht den Leser bescheiden im Umgang mit Trauernden und gibt dem Trauernden selbst ein Stück Lebensbewältigung mit. Erhältlich ist es in allen Buchhandlungen unter der ISBN-Nummer 9 783741 250736 oder bei Barbara Ott.
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