"Hausbesuch" bei Martin Mayr in Hansenried
Traktor statt Schubkarre

Evi und Martin Mayr freuen sich mit ihren Söhnen Samuel (von links), Severin und Jakob auf den Sommer und den "Tag der offenen Gartentür". Der Sandkasten steht vor dem blühenden Kirschbaum; in der Mitte wächst Samuels Birnbaum in die Höhe. Gleich gegenüber der Hofstelle liegt die Streuobstwiese. Bilder: Portner (3)
Vermischtes
Neukirchen-Balbini
06.05.2016
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Jedes Jahr gibt es neue Gartenprojekte. Heuer ist es eine Hochbeet-Anlage im Vorgarten und die Bewässerung für Weinstöcke und Erdbeeren.

Hansenried hat 12 Anwesen und 60 Einwohner. Am 26. Juni wird das Dorf zum Mekka der Gartenfreunde im Landkreis Schwandorf. GOV-Vorsitzender Martin Mayr öffnete für die NT-Serie "Hausbesuch" schon jetzt seine Gartentüre.

Im Ortsteil Hansenried - eine Hochebene mit Sicht bis in den Bayerischen Wald hinein - herrscht emsiges Treiben. Denn die Hälfte der Anwesen hat sich für den "Tag der offenen Gartentür" gemeldet und bei vier weiteren ist der Blick über den Zaun gerngesehen. Da heißt es Rasen ansäen, Sträucher pflanzen und kleine Ecken "aufhübschen".

Es darf alles wachsen


Der Vorsitzende des Gartenbau- und Ortsverschönerungsvereins (GOV) Neukirchen-Balbini wohnt in Hansenried. Er stellt am Aktionstag seinen Stodl für die Bewirtung der Gäste zur Verfügung. Evi und Martin Mayr - beide haben Landwirtschaft studiert - wohnen seit 2006 in dem schmucken Neubau auf der 7000 Quadratmeter großen Hofstelle. Dazu gehört noch eine etwa zwei Hektar große Streuobstwiese (siehe Kasten).

"Roin" steht auf der grünen Tafel am Carport. Die Hausnamen-Schilder gibt es auf Initiative von Marktrat Martin Mayr jetzt im ganzen Dorf. Der riesige Walnussbaum, schon zwei Mal "vom Blitz getroffen", breitet noch immer seine Äste über die Blumenwiese aus. "Es darf alles wachsen", sagt der Agrar-Ingenieur. Daneben steht das Gewächshaus, das "Futter" für den Nutzgarten liefert. Evi Mayr hat Blumen und Gemüse vorgezogen, wie Paprika, Melonen, Tomaten, Kürbis, rote Beete und Zucchini.

Im unteren Garten sind Samuel, Severin und Jakob am Werkeln. Sie freuen sich über ihren neuen Sandkasten "im Hochbeet" rund um Samuels Birnbaum. Übrigens: Jeder der drei Söhne hat seinen Geburtsbaum. Hansenried ist ein junges Dorf. Es gibt 11 Kinder unter 10 Jahren und 7 Jugendliche bis 18. Ein neues Feuerwehrhaus bietet auch Platz fürs gesellige Leben und viele sind im GOV Neukirchen-Balbini (rund 100 Mitglieder) aktiv. Seit 2011 ist der gebürtige Allgäuer Martin Mayr Vorsitzender. "Weil es keiner machen wollte", sagt er und lacht.

Der Verein feiert heuer Jubiläum und Chronist Mayr zeigt die noch druckfrische Festschrift zum 50-jährigen Bestehen vor. Zusammen mit Kreisfachberaterin Heidi Schmid organisiert er als eine Jubiläumsaktion den "Tag der offenen Gartentür 2016". Nachdem es die einzige Aktion im Landkreis Schwandorf und auch im Nachbarlandkreis Cham sein wird, rechnen beide mit vielen Gästen. Wir spazieren weiter über die Hofstelle. Vorm Stodl hat Mayr einen "Weinberg" angelegt. "Die roten und weißen Tafeltrauben brachten letztes Jahr eine gute Ernte", sagt er. Neu ist die Tröpfchenbewässerung (Marke Eigenbau), die hier und auch in den Erdbeer-Hügelbeeten für Arbeitsentlastung sorgen soll. Überall gibt es "Nasch-Ecken" für die Kinder und den Vorgarten ziert ein Spalier mit Himbeeren. Für Windschutz sorgen Holunder, Maulbeeren, Brombeeren und Josta. Außerdem gibt es rund 50 Obstbäume im Hofraum. Mittlerweile vermarktet das Ehepaar das Obst als Marmelade und hat dafür sogar ein Label ("Hansenrieder Land").

Wiese statt Rasen


Die Terrasse an der Südseite bietet viel Platz für Töpfe. In der bemalten Guss-Badewanne wachsen bald Tomaten und Paprika. Neu angelegt hat Martin Mayr drei Hochbeete, die er mit der Frontlader-Schaufel des kleinen Traktors befüllen kann. "Traktor statt Schubkarre. Wiese statt Rasen", lautet sein Motto. Gemäht werden nur die Baumscheiben, die Blumen und Kräuter dürfen im Frühling stehenbleiben. Darüber freuen sich auch die Bienen, denn einige Völker sind zur "Sommerfrische" in Hansenried 6a eingetroffen.

Keine Sorte doppelt


Die Streuobstwiese liegt gegenüber der Hofstelle in Hansenried 6a. "Keine Sorte ist doppelt vertreten", erklärt Martin Mayr. So sind im Obstgarten und auf der Streuobstwiese inzwischen 150 verschiedene Apfelsorten, 35 Birnenbäume, 20 verschiedene Wildfrüchte, 15 Beerenobstarten, 11 Süß- und Sauerkirschsorten, 6 Pflaumenbäume, 7 Pfirsich- und Aprikosensorten und 4 Quittenbäumchen beheimatet. Daneben gibt es noch "Exoten" wie Esskastanie, Mandelbäumchen, Kaki und Kiwi.

Die Baumscheiben hält der Obstbauer mit einem Rasenmäher-Traktor frei. Während viele Bäume jetzt blühen, wartet mit dem "Juni-Riss" neue Arbeit.

Förderpreis für Kulturlandschaft


Im Jahr 2011 hat das Ehepaar für das Projekt "Streuobstwiese/Obstgarten" einen Förderpreis (500 Euro) von der Sparkassenstiftung des Landkreises ("Natur erleben und Zukunft gestalten") erhalten. Der Entschluss, eine große Streuobstwiese anzulegen, wurde 2010 gefasst. "Ein Stückchen alte Kulturlandschaft zu erneuern und Interesse zu wecken für die große Sortenvielfalt, das ist das eigentliche Ziel dieses auf Generationen angelegten Projekts", sagt Mayr.
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