Klosterfrau Theodolinde Mehltretter ist nicht mehr Generaloberin
Frei von schweren Ordensbürden

Vermischtes
Neukirchen-Balbini
17.10.2016
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Sie hat ihre schwierige Führungsaufgabe abgegeben. Nach zwölf Jahren im Amt der Generaloberin ist die Klosterfrau Theodolinde Mehltretter nicht mehr verantwortlich für die Geschicke des Ordens der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in München.

/München. Gibt es das Wort "Karriere" innerhalb einer klösterlichen Gemeinschaft? Eigentlich nein. Doch wie anders soll man den Weg beschreiben, den Johanna Mehltretter aus einem kleinen Ort bei Neukirchen-Balbini nahm? Jetzt, nach 53 Jahren der Ordenszugehörigkiet und wenige Monate nach ihrem 70. Geburtstag, ist sie alle Bürden der Verantwortlichkeit los.

Bundesweit bekannt


Vor wenigen Tagen wählte der Konvent der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul eine neue Generaloberin. Sie heißt Maria Rosa Dick, ist 62 Jahre alt, stammt aus dem oberbayerischen Raum Pfaffenhofen und löst Theodolinde Mehltretter ab. Den Namen Theodolinde nahm die Oberpfälzerin nach ihrem Eintritt in den Orden an. Mit ihm verbindet sich eine bundesweite Popularität. Nicht nur das: Schwester Theodolinde ist eine der mit Orden am höchsten ausgezeichneten Frauen der Republik.

Theodolinde Mehltretter wollte eigentlich in die Mission. Doch dorthin kam sie nie. Sie brachte Talente mit, die sehr rasch erkannt und gefördert wurden. Die damals noch junge Frau aus dem ehemaligen Kreis Neunburg vorm Wald übernahm buchhalterische Aufgaben, sie wurde später Geschäftsführerin des zur klösterlichen Gemeinschaft gehörenden Unternehmens "Adelholzener Alpenquellen" und machte es zu einer weltweit operierenden Firma. Unvergessen sind dabei ihre Auftritte mit Spielern des FC Bayern München wie Oliver Kahn, die in den Sponsorendiensten des Getränkeherstellers standen.

An Theodolinde Mehltretter führte kein Weg vorbei, als die Ordensfrauen im Jahr 2004 eine neue Generaloberin wählten. "Wenn ihr es wollt, dann mache ich das", sagte die damals 58-Jährige und nahm das Amt an. Es ging mit Bürden einher: Die zahlreichen Betriebe und Unternehmungen der Barmherzigen Schwestern mit 1500 Bediensteten mussten verwaltet werden. Außerdem brauchte der Orden ein neues Mutterhaus. Aus der Münchener Innenstadt wurde umgesiedelt in einen federführend von Schwester Theodolinde errichteten Komplex am Stadtrand.

Zwei Wahlperioden


Nach zwei Wahlperioden und zwölf Jahren Amtszeit musste sich Schwester Theodolinde gemäß den Ordensregeln nun vom Amt der Generaloberin zurückziehen. Was sie jetzt im Orden tun wird, wohin sie der Weg führt, ist noch ungeklärt. "Ich gehe dorthin, wo mich die neue Generaloberin hinschickt", hat sie gesagt. Eine Rückkehr nach Adelholzen in die Unternehmensführung wird es nicht geben. "Das schaffen die auch ohne mich", deutete Theodolinde Mehltretter an.
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