In Eckenricht weiden Zebu-Rinder
Genügsam, nützlich, treu

Leo lässt sich gerne kraulen von Peter Dirnhofer. Der bucklige Zebu-Stier passt gut auf seine Herde auf, die in Eckenricht friedlich weidet. Bilder: Gebhardt (2)
 
Zwerg-Zebus sind genügsam, hart im Nehmen und treu - sie haben also das Zeug zum echten Oberpfälzer.

"Gestatten, mein Name ist Leo, leidenschaftlicher Landschaftspfleger von Beruf. Das sind meine Assistentinnen Toffi, Merlot und Mira auch sie sind vom Fach. Stören Sie sich nicht an meinem Buckel, der ist normal. Auch mein Gewicht von 300 Kilo. Schließlich brauche ich die Pflanzen, die ich kurz halte, nicht abzutransportieren. Ich fresse sie einfach auf."

Sulzbach-Rosenberg/Eckenricht. So würde er wohl sprechen, der Zebu-Bulle, wenn er es denn könnte. Aber Peter Dirnhofer versteht ihn auch so. Der Hobby-Landwirt hält auf den Wiesen in Eckenricht Zwerg-Zebus. Und die erfüllen eine hoheitliche Aufgabe: Sie pflegen Wiesen und sonstige Flächen.

Wie kommt ein Oberpfälzer auf die Idee, indische Rinder zu züchten? Peter Dirnhofer korrigiert zunächst einmal: "Diese Robust-Rinder stammen eigentlich aus Sri Lanka und dem südlichen Kaukasus." Dann erklärt er uns, dass Zwerg-Zebus vermehrt in der Landschaftspflege eingesetzt werden, etwa auf stark verbuschten Flächen, in Steilhängen bis hin in Feuchtgebieten. "Außerdem pflegen Zwerg-Zebus grundsätzlich die Weiden, da die Verletzung der Grasnarbe durch Trittschäden auf ein Minimum begrenzt sind."

Sie fressen, falls nichts anderes mehr steht, auch überständiges Gras, Disteln und selbst Schwarzdorn. Der Flächenbedarf beträgt nur etwa 0,3 bis 0,5 Hektar pro Mutterkuh. Zwerg- Zebus eignen sich auch gut zur Nachbeweidung auf Pferdekoppeln, weiß der Besitzer - er hat selbst zwei Pferde, die bei ihm das Gnadenbrot bekommen.

Das Zwerg-Zebu ist also ein sehr genügsames, robustes und widerstandsfähiges Rind - wohl auch, weil in seinem ursprünglichen Lebensraum in Asien karge Futtergrundlagen und harte Umweltbedingungen herrschen. Das ist im malerischen Eckenricht natürlich nicht der Fall.

Aber Dirnhofer macht sich eine Eigenschaft zunutze, die den Oberpfälzer Kühen fehlt: Zebu-Rinder können noch Futter verwerten, das für einheimische, altbekannte Rinderrassen nicht zum Überleben ausreichen würde. Sie verbeißen selbst Dornbüsche und verhindern so die weitere Verwucherung der Flächen.

Sinnvolle Ergänzung


Ihre geringe Größe von 80 bis 130 cm und ihr Gewicht von 250 bis 500 Kilo (andere Fleisch-Rinderrassen wiegen locker mehr als das Doppelte) macht sie zu idealen Helfern. Peter Dirnhofer, der auch einige schwer bewirtschaftbare Flächen extra angepachtet hat, sieht in den Zwerg-Zebus eine sinnvolle Ergänzung in der nachhaltigen Landschaftspflege zu den altbekannten Beweidungsformen wie zum Beispiel mit Schafen. Zwerg-Zebus werden bei uns eigentlich ganzjährig auf der Weide gehalten.

Im Winter genügt den Zebus meist eine mit Stroh eingestreute Schutzhütte, wie sie auch in Eckenricht steht. Die Tiere sind vertraut und kommen sofort angetrabt, wenn sich Besuch nähert. Neugierig wird alles beschnuppert. Dirnhofer hat sich entschlossen, jetzt auch zu züchten, und einen Bullen angeschafft. Leo kümmert sich liebevoll um seine drei Damen und führt die kleine Herde auf stets den gleichen Pfaden durchs Gelände. Wenn sich Kälber einstellen, werden sie in der Natur zur Welt kommen, vollkommen ohne menschliche Hilfe. 100 Prozent Bio eben.

Und wie ist das mit dem Nutztier? Ab und zu muss Peter Dirnhofer eines der Tiere zum Schlachter bringen. Das Fleisch ist exklusiv, fein strukturiert, dunkel, cholesterin- und fettarm und liegt im Geschmack zwischen Kalb und Wild. "Das ist meist schon vorbestellt und gleich weg", meint der Züchter, der seine Tiere auch regelmäßig umsetzt. "Sie bleiben stets zusammen, so ist das einfach, die Weide zu wechseln".

Langlebige Rasse


Er wird weiter Freude an ihnen haben, denn Zebus sind langlebig - es gibt Rinder, die schon 25 Jahre alt sind. Leo hat da noch einiges vor sich. Er schüttelt die Fliegen ab und trollt sich mit seiner Herde über die "Hauptstraße" in den Schatten. Jetzt wird wieder mit Hingabe die Landschaft gepflegt. Liebe geht auch hier durch den Magen. Mahlzeit!

Rasse-PorträtDie Zwerg-Zebus gehören zu den sogenannten Buckelrindern, die sich vom Erbgut wie vom äußeren Erscheinungsbild her stark von den übrigen in Europa gehaltenen Rinderrassen unterscheiden. In Deutschland kamen Zwerg-Zebus Ende der 70er Jahre fast nur in Zoos und Tierparks vor. Diese Tiere stammten überwiegend aus Sri Lanka, dem früheren südlichen Ceylon und dem südlichen Kaukasus.

Das Wort "Zebu" wird vom tibetanischen Wort zeu bzw. zeba abgeleitet, das soviel wie Buckel heißt. Die Zebus, die ursprünglich nur in Asien vorkamen und dort domestiziert wurden, gelangten schließlich nach Amerika, Afrika, Australien und allerdings nur in unbedeutender Zahl auch nach Europa. Mittlerweile gibt Zwerg-Zebus in fast allen Bundesländern. Außerdem wurden in den letzten Jahren Zuchttiere nach Österreich, Italien und in die Schweiz exportiert.

Auffälligstes äußeres Merkmal, welches Zebu-Rinder von den übrigen Rinderrassen unterscheidet, ist deren Buckel. Bei unseren Zebus kommen vielfältige Farben, Formen und Hornstellungen sowie unterschiedliche Widerristhöhen und Gewichte bei ausgewachsenen Tieren vor. (ge)


Sie bleiben stets zusammen, so ist das ganz einfach, die Weide zu wechselnPeter Dirnhofer
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