Als Musiker noch für vergoldete Schnupftabakdosen im Kaffeehaus spielten
Auf den Spuren der Ausseer Pfeiferlbuam

Hermann Haertel und Simon Wascher interpretieren die österreichische Tanzmusik des 19. Jahrhunderts so, dass sie mitunter auch Gedanken an andere europäische Regionen aufkommen lässt. Bild: bmr

Wenn die Köche vom Kultopf in die Küche gehen, dann gibt es keinen Mainstream; nichts Alltägliches, was man schon irgendwo in dieser oder jener Art gehört hat. Stets wird etwas Ausgefallenes, Exotisches präsentiert - Nischen-Musik eben.

Die Bühne im Neukirchner Ramm-Saal betrat diesmal das Duo Haertel/Wascher. Seine Instrumente sind Geige und Drehleier. Damit machen die beiden Akteure das, womit sie in der Steiermark und im Traunviertel aufgewachsen sind: traditionelle Tanzmusik aus österreichischen Quellen.

Und die spielen sie nicht, weil sie so alt ist, sondern als eine improvisierte Musik der Gegenwart. So wie die beiden Musiker Ländler, Tänze, Jodler und Schleunige der besten Musikanten aus der Zeit des Erzherzogs Johann interpretieren und zu einen Gesamtkunstwerk vereinigen, fühlt man sich keineswegs in das 19. Jahrhundert versetzt, sondern erlebt diese Musik als absolut zeitgemäß. Da hält den Zuhörer die ureigene Melodik des alpenländischen Raumes gefangen in einem dichten, spannungsgeladenen Geflecht mit faszinierenden Wendungen und meditativen Stimmungslagen.

Gleichzeitig überschreitet diese Musik ihre lokale Begrenztheit und vermittelt mitunter den Eindruck, als könnte sie ebenso aus anderen europäischen Regionen stammen. Sie lässt die Wurzeln der eigenen Musikkultur erkennen und somit Weltmusik im wahrsten Sinne erleben.

Das Repertoire von Simon Wascher und Hermann Haertel stammt größtenteils von den Ausseer Pfeiferlbuam Josef und Franz Steinegger. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts traten sie regelmäßig in den Kaffeehäusern von Wien auf. Als Gage gab es damals kein Geld, sondern zum Beispiel eine vergoldete Schnupftabakdose. Die Geige dominierte diese Musik. Die Drehleier, meist nur Leier genannt, rückte nur selten in den Vordergrund, blieb aber immer präsent.

Dem Publikum gefiel's. Wer auch nur einigermaßen über musikalische Sensibilität verfügt, wird sich der Faszination dieser mitreißenden Musik nicht entziehen können.
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