Der Gründervater von Ermhof?
Bistum Eichstätt gedenkt heute des Heiligen Wunibald, der hier im 8. Jahrhundert wirkte

Das Hochgrab Wunibals im imposanten romanischen Münster von Heidenheim. Bild: wsl

/Ermhof. Das Bistum Eichstätt gedenkt heute seines großen frühchristlichen Glaubensboten Wunibald. Der gehört zusammen mit seinen Geschwistern Willibald und Walburga - sie alle kamen im 8. Jahrhundert aus dem angelsächsischen Wessex in Südengland auf das europäische Festland - zu den Gründergestalten des Bistums Eichstätt.

Insbesondere seit den Grabungen an der karolingischen St.-Martins-Kirche in Ermhof ist der heilige Wunibald als Missionar des 8. Jahrhunderts im Raum an der oberen Vils in den Mittelpunkt des religionsgeschichtlichen Interesses gerückt. Es fehlen zwar Beweise, doch erscheint es durchaus plausibel, dass der Bruder von Willibald, dem Bistumsgründer von Eichstätt, bei seiner Mission an der "Nordfilusa" (Oberlauf der Vils) Ermhof aufgesucht und womöglich sogar gegründet hat.

Die ebenfalls aus England stammende Nonne Hugeburc berichtet in ihrer Lebensbeschreibung "Vita Wynnebaldi" nur etwa 20 Jahre nach dem Tod von Wunibald (761) von dessen Missionstätigkeit im Nordgau. Bei seiner drei Jahre dauernden Mission im Raum Amberg/Vilseck hatte es Wunibald mit Menschen zu tun, die bereits Christen waren, deren Glauben aber vertieft und deren Lebenswandel gebessert werden musste.

Auffallend ist auch die Häufung von Kirchen mit dem frühchristlichen Martinspatrozinium in der Vilsregion (Schlicht, Gebenbach, Amberg, Schmalnohe, Vilshofen, Hohenburg). Teils sind diese frühen Kirchenbauten der mittleren Oberpfalz abgegangen oder haben das Patrozinium gewechselt. Dass die Leute an der Schnittstelle von Heidentum und Christentum oftmals noch alten Ritualen und Bräuchen anhingen, kam sehr drastisch bei den teilweise noch heidnisch geprägten Bestattungssitten im Friedhof von Ermhof zum Ausdruck.

752 gründete Wunibald in Heidenheim am fränkischen Hahnenkamm ein Kloster, dem er bis zu seinem Tod 761 als Abt vorstand. Er wurde in seiner Klosterkirche beigesetzt. Nach dem Niedergang der angelsächsisch geprägten Klosterkultur und dem Verfall der Kirche fanden seine Gebeine in der neuen Klosterkirche des 12. Jahrhunderts eine neue Grablege. Das heute evangelische Münster von Heidenheim gilt als bedeutendes Zeugnis staufischer Sakralbaukunst. Wunibald war wohl der wichtigste Mitstreiter Willibalds bei der Christianisierung bzw. Wiederherstellung des christlichen Glaubens im Gebiet des Bistums Eichstätt.
Weitere Beiträge zu den Themen: Ermhof (45)Heiliger Wunibald (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.